Türkei: Erdogan will Wähler mit milliardenschweren Projekten überzeugen – Putin könnte ihm den Spielraum dafür schaffen
Mit Erdogan will Putin über die Umsetzung des Getreideabkommens sprechen. Die Türkei ist Vermittler in dem Deal, der die ukrainischen Seehäfen nach monatelanger russischer Seeblockade entsperrt hat.
Foto: via REUTERSIstanbul. Der türkische Präsident liebt es, Geschenke an die Bevölkerung zu verteilen. Das neueste: eine Vier-Zimmer-Eigentumswohnung für 850.000 türkische Lira, umgerechnet knapp 47.000 Euro. Gefördert vom Staat und bevorzugt für junge Familien und arme Familien.
Sozialer Wohnungsbau tut jeder Gesellschaft gut. Doch angesichts einer galoppierenden Inflation ist das ein Schnäppchen, auch in der Türkei. Der Staat muss ordentlich zahlen, um das Projekt zu verwirklichen. Umgerechnet bis zu 50 Milliarden US-Dollar möchte Recep Tayyip Erdogan in das Projekt stecken.
Geld, das derzeit nicht vorhanden ist. Das Haushaltsdefizit lag allein im Juli bei 64 Milliarden Lira (umgerechnet 3,5 Milliarden US-Dollar).
Doch der türkische Staatschef scheint bereit, die wegen Inflation und Wahlgeschenken bereits gestiegenen Staatsausgaben noch einmal drastisch zu erhöhen. So will er den anhaltenden Rückgang seiner Popularität im Inland vor den nächsten Präsidentschaftswahlen umkehren.
Die hohe Inflation von offiziell 80 Prozent gepaart mit der zunehmend autoritären Führung im Land hat Erdogan einiges an Beliebtheit gekostet. Vor den Wahlen im Juni kommenden Jahres will Erdogan daher seiner Beliebtheit auf die Sprünge helfen. Einer, der ihm helfen könnte, im türkischen Staatshaushalt Raum dafür zu schaffen, ist der russische Präsident Wladimir Putin.