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US-WahlUmstrittener Vorsprung für Harris – das Orakel von Iowa sieht Trump unter Druck

Ann Selzer gilt als Wahl-Orakel der USA. Die Meinungsforscherin aus Iowa lag in der Vergangenheit auffallend häufig richtig. Nun sorgt sie für Aufruhr – und einen wütenden Trump.Daniel Klager, Haluka Maier-Borst 04.11.2024 - 14:21 Uhr Artikel anhören
Orakel von Iowa: Ann Selzer gilt als eine der besten Meinungsforscherinnen der USA. Foto: Youtube/ Iowa Press

Düsseldorf. Iowa, ein Bundesstaat mit sechs Wahlmännern, 3,2 Millionen Einwohnern und ähnlich vielen Maisfeldern, bewegt nur selten die USA. Seit den deutlichen Erfolgen von Donald Trump bei den Wahlen 2016 und 2020 gilt der Staat als dominiert von den Republikanern – ein „red state“.

Gegen Hillary Clinton gewann Trump mit 9,5 Prozentpunkten Vorsprung, gegen Joe Biden mit 8,2. Die Demokraten um Kamala Harris hatten den Staat so gut wie abgeschrieben – bis zu diesem Wochenende.

Am Samstag hat Ann Selzer, eine der renommiertesten Meinungsforscherinnen der USA, ihre aktuelle Umfrage für Iowa veröffentlicht: drei Prozentpunkte Vorsprung für Harris. Damit setzt sie sich deutlich gegen die Ergebnisse anderer Umfragen ab. Kaum jemand habe das kommen sehen, sagte Selzer dem „Des Moines Register“, der Hauptstadtzeitung des Bundesstaats. Harris habe eindeutig die führende Position übernommen.

Mit dieser Aussage ist Selzer noch ziemlich allein. Die Konkurrenz sieht Trump bei aktuellen Erhebungen teilweise sieben bis neun Prozentpunkte vorn. Bei näherer Betrachtung der Daten von Umfragen können diese Ergebnisse allerdings näher beieinander liegen als zunächst ersichtlich.

Hier kommen die statistischen Fehlermargen ins Spiel. Für die Selzer-Umfrage wird die Schwankungsbreite von Experten wie Nate Silver mit bis zu 6,6 Prozentpunkten nach unten oder oben angeben. Selzer selbst gab eine Marge von 3,4 Prozentpunkten an.

Diese Daten könnten also auch auf einen knappen Sieg von Trump in Iowa hindeuten. Mit Schwankungen in die andere Richtung gibt es deswegen auch einen Bereich, in dem die Umfragen auf ein ähnliches Ergebnis kommen könnten.

Das Orakel von Iowa

Doch es gibt gute Gründe dafür, dass diese Daten dennoch viel Aufmerksamkeit erzeugen. Das liegt vor allem an der Person Ann Selzer. Sie führt zwar ausschließlich Erhebungen in Iowa durch, doch Experten und wichtige US-Medien halten sie für eine der zuverlässigsten Meinungsforscherinnen der USA. Statistiklegende Silver schreibt ihr einen „fast schon orakelhaften Status“ zu.

In den vergangenen Jahren lag sie bei den Präsidentschaftswahlen sehr oft richtig. Teilweise entgegen den Trends hatte Selzer die Siege von Trump 2016 und 2020 in Iowa fast exakt so vorhergesagt, wie sie dann eintraten. Auch bei Obamas Triumph über Mitt Romney und den Senatswahlen 2022 und 2020 lag sie richtig. Unfehlbar sind ihre Daten aber nicht, beim Gouverneursrennen 2018 sah Selzer den Demokraten mit 2,8 Prozentpunkten vorn. Es gewann der Republikaner.

Trump-Unterstützer bei einer Rede: Die Iowa-Umfrage sorgt für Aufruhe im Land. Foto: REUTERS

Auch wenn Selzer im Ergebnis danebenliegt und Iowa knapp von Trump gehalten wird, haben ihre Daten weitere Implikationen. Sie könnten darauf hindeuten, dass Trumps Beliebtheit in den wichtigen Swing States überschätzt wird. Oder dass Harris dort deutlicher führt als bisher angenommen.

Seit Monaten wird debattiert, ob die Meinungsforscher für diese Wahl eine Überkorrektur vorgenommen haben könnten. Bei den vergangenen zwei Wahlen hatten sie Trumps Werte vielfach unterschätzt. Darauf wollten sie in diesem Jahr vorbereitet sein. Zudem wird ihnen ein starker Herdentrieb unterstellt. Mit Daten gegen den Trend trauen sich die Meinungsforscher kaum an die Öffentlichkeit, lautet der Vorwurf.

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Auch Trump selbst scheinen die Selzer-Daten aufgeschreckt zu haben. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er am Sonntag, kein Präsident habe mehr für die Landwirte und Iowa getan als er. „Es ist nicht einmal knapp! Alle Umfragen sehen mich vorn, und zwar um ein Vielfaches.“ Selzer sei eine Trump-Hasserin, die ihre Umfrage zugunsten der Demokraten verzerrt habe, wütete der Ex-Präsident.

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