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Weltgeschichte Das Schmuggelparadies Ciudad del Este in Paraguay trocknet aus

Paraguay forciert den Kampf gegen den Schmuggel im Dreiländereck mit Brasilien und Argentinien. Der schwache Dollar hilft Paraguay dabei, das Vorhaben umzusetzen.
23.12.2019 - 15:48 Uhr Kommentieren
Die Stadt liegt im Dreiländereck zwischen Brasilien, Paraguay und Argentinien. Quelle: AP
Ciudad del Este

Die Stadt liegt im Dreiländereck zwischen Brasilien, Paraguay und Argentinien.

(Foto: AP)

Ciudad del Este Kurz vor Weihnachten in Ciudad del Este in Paraguay. Die Shopping-Malls wie „Mona Lisa“, „Vendome“ oder „Paris“ sind gähnend leer. Die Fahrer der Motorrad-Taxis schlagen sich schwatzend die Zeit tot, weil die Kundschaft ausbleibt. Selbst der morgendliche Stau auf der „Brücke der Freundschaft“ von Brasilien nach Paraguay löst sich schon am frühen Vormittag auf.

So kurz vor Weihnachten herrschte sonst in der Schmuggelstadt im Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien Hochbetrieb. Brasilianer kauften dort in Mengen ein. Aus den Großstädten Brasiliens fuhren Freitagabend hunderte von Bussen los mit „muambeiros“ oder „sacoleiros“ also Kleinschmugglern, meistens Frauen. Die kauften den Samstag ein und machten sich direkt wieder mit den Bussen auf die Fahrt zurück.

Die mitgebrachten Artikel verkauften sie die Woche über auf den informellen Märkten Brasiliens. In Ciudad del Este ging es dann immer zu wie auf einem asiatischen Basar. Der Grund für die jetzige Leere? „Der starke Dollar!“, schimpfen die Verkäufer und Ladenbesitzer unisono. Erst habe das Internet den Handel kaputt gemacht, jetzt stehe der Dollar über 4 Reais – dafür mache sich kein Brasilianer mehr auf nach Paraguay zum Einkaufen. „Bald werden die ersten Malls zumachen“, prognostiziert ein Taxifahrer.

Das wäre ein historischer Wandel. Denn Ciudad del Este ist in Südamerika seit Jahrzehnten bekannt als Schmuggelparadies. Seit Jahrzehnten versorgt es die umliegenden Staaten mit gepanschtem Whisky, Textilien und Elektronik aus Fernost.

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    Horacio Cartes, bis August 2018 Präsident Paraguays, wurde zum Milliardär, weil seine Tabakfabriken den brasilianischen Markt mit geschmuggelten Zigaretten überschwemmen. Schätzungsweise die Hälfte aller in Brasilien gerauchten Zigaretten stammen aus seinen Fabriken.

    Die Mafias in Argentinien und Brasilien beziehen über die „Tunnel“ genannten Schmuggelwege der grünen Grenze zwischen den Ländern neben Zigaretten auch Drogen und Waffen aus Paraguay. Paraguay ist einer der fünf größten Marihuana-Produzenten der Welt. In den vergangenen Jahren ist die Produktion dank neuen transgenen Pflanzen in die Höhe geschnellt.

    Paraguay ist gleichzeitig ein wichtiges Transitland für Kokain aus Bolivien, Peru und Kolumbien geworden. Seit Jahren bekriegen sich die verschiedenen Clans auf beiden Seiten der grünen Grenze. Manchmal mit historischen Scharmützeln: Im Juli wurde der Drogenclanchef Emanuel Dias Ecker, bekannt als ‘Alemão Ecker’, also wegen seiner deutschen Abstammung: ´Ecker, der Deutsche`, mit 50 Schüssen ermordet.

    Vor drei Jahren erwischte es Jorge Rafaat Toumani, den Patron des Drogenhandels. In der paraguayischen Grenzstadt Pedro Juan Caballero wurde sein gepanzerter Hummer nebst dem halben Dutzend Begleitfahrzeugen gestoppt. Mit einem Boden-Luft-Geschütz wurde minutenlang auf Rafaats Wagen gefeuert, bis sich niemand mehr regte. Der Fehler des brasilianisch-paraguayischen Doppelbürgers mit libanesischen Wurzeln: Er war der mächtigen Knast- und Drogenmafia PCC aus Brasilien in die Quere gekommen.

    Lockmittel billiger Strom

    Die CIA warnt seit Jahren, dass die libanesische Terrororganisation Hisbollah im Dreiländereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay ihren wichtigsten Standort außerhalb Nahost unterhält. Wäre Paraguay Nachbarland der USA, würde uns Netflix vermutlich mit immer neuen Serien über die dortigen kriminellen Machenschaften beglücken.

    Doch das soll sich ändern: Paraguay will den Imagewandel – raus aus der Schmuddelecke. Das Schmuggelloch will die Werkhalle Südamerikas werden – das „China Brasiliens“. Die neue Arbeitsteilung soll funktionieren wie in Mexiko und den USA: In Paraguay sollen, wie in Zentralamerika, Flugzeuge, Autos und Waschmaschinen zusammengebaut werden, die danach im großen Nachbarland verkauft werden sollen.

    Paraguay lockt die Unternehmen mit dem billigen Strom. Mit vier Dollarcent pro Kilowattstunde ist Strom in Paraguay so billig wie in nur ganz wenigen Staaten weltweit. Das liegt am Wasserkraftwerk Itaipú, das 20 Kilometer nördlich von Ciudad del Este steht. Als in Brasilien und Paraguay Generäle an der Macht waren, planten sie das größte Kraftwerk der Welt.

    Der Río Paraná wurde aufgestaut und seine Fluten durch 20 Turbinen geleitet. Paraguay, heißt es in Südamerika, sei seitdem „ein Kraftwerk mit etwas Land drum herum“. Itaipú liefert seit fast 40 Jahren zuverlässig Strom. Brasilien verbraucht ihn. Paraguay kann mit den Strommengen nicht viel anfangen.

    Es gibt in dem Land etwas größer als Deutschland aber mit nur acht Millionen Einwohnern kaum Industrie. Paraguay muss den Strom, den es nicht nutzt, billig an Brasilien abgeben. Warum also nicht eine eigene Industrie subventionieren? Paraguays Regierung wirbt auch in Fernost bei Unternehmen, dass sie ihre Standorte im Zentrum Südamerikas installieren. Ob das alles funktionieren wird, bleibt abzuwarten.

    Und eine ganze andere Branche lockt der billige Strom: Paraguay will einer der führenden Produzenten von Krypto-Währungen weltweit werden. Wegen des billigen Stroms werden dort in Hinterhofwerkstätten, ausgedienten Hühnerlegebatterien und Farmhäusern Bitcoin-Maschinen aufgestellt. Doch das ist eine ganze andere Weltgeschichte.

    Mehr: Ein führender Experte für Geldwäschefälle hat offenbar selbst Geld gewaschen. Doch es bleiben Widersprüche: Die Summe ist zu klein, als dass ein rationaler Mensch dafür seine Karriere aufs Spiel setzen würde.

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