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EpidemieÖkonom Felbermayr über die Folgen des Coronavirus: „Jeden Tag größere Schäden“

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft sieht im Coronavirus keinen Grund für ein Konjunkturprogramm.Norbert Häring 17.02.2020 - 18:00 Uhr Artikel anhören

Der Automobilbau, die Elektrotechnik und die Pharmabranche sind besonders vom Coronavirus betroffen, sagt der Experte.

Foto: ifw-kiel

Herr Professor Felbermayr, wie dramatisch sind die wirtschaftlichen Folgen der Coronaepidemie?
Sie werden jeden Tag dramatischer. Mit jedem Tag, an dem die Produktionsanlagen in China stillstehen, werden die Schäden überproportional größer. Produzenten in Deutschland und anderen Ländern sind auf chinesische Vorleistungen angewiesen, und die Vorräte reichen nicht ewig. Auch der Nachfrageausfall aus China trifft uns natürlich, aber die Unterbrechung der Produktionsketten ist noch wichtiger. China liefert mehr nach Deutschland und Europa als umgekehrt.

Welche Branchen trifft das besonders?
Automobilbau, Elektrotechnik und Pharma. China liefert viele Grundstoffe für Medikamente. Deutsche Unternehmen haben große Niederlassungen in China, die bisher gute Gewinne machen. Wenn die einbrechen, wird sich das ebenfalls bei unserem Bruttoinlandsprodukt bemerkbar machen.

Die deutsche Wirtschaft stagniert bereits seit drei Quartalen. Wie wahrscheinlich ist eine Rezession?
Damit muss man rechnen. Schon der Dezember war ein sehr schlechter Monat für unsere Industrie. Der schwache Welthandel kostet uns wohl ein paar Zehntel Wachstum. Bei der Ausgangslage ist man da schnell unter null. Unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 1,1 Prozent wird sich nicht halten lassen. Positiv dürfte der Jahreswert aber bleiben. Was allerdings immer schwer zu prognostizieren ist, sind psychologische Faktoren, der Angstfaktor.

Die Börsen scheinen nicht von Angst geplagt. Wie passen die Höchstkurse bei Aktien zur trüben Konjunktur?
Das ist ein Rätsel, für das ich keine gute Antwort habe. Die Börsen haben sich schon seit Längerem von den realwirtschaftlichen Vorgängen abgekoppelt.

Was ist zu tun?
Wir sollten China so gut wie möglich bei der Eindämmung dieser Epidemie unterstützen. Notenbank und Regierungen sollten die Psychologie der Märkte im Auge behalten. Aber ein Grund für große Konjunkturprogramme ist das Coronavirus nicht. Damit kann man das Problem in China nicht lösen. Und die Autos, die man in China nicht mehr absetzen kann, kann man kaum in Deutschland verkaufen. Insofern würde das wohl verpuffen.

Vielen Dank für das Interview.

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