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Bildungsförderung So erhalten Sie staatliche Unterstützung für Ihre Fortbildung

Bund und Länder unterstützen berufliche Fortbildungen mit zahlreichen Förderprogrammen. Eine Chance – nicht nur für Beschäftigte, auch für Arbeitgeber.
22.11.2019 - 11:06 Uhr Kommentieren
Es gibt viele staatliche Fördermöglichkeiten. Quelle: dpa
Fortbildung

Es gibt viele staatliche Fördermöglichkeiten.

(Foto: dpa)

Köln Der Traum von der eigenen Strickmarke begleitet Wenke Müller schon seit ihrer Kindheit. Der Gedanke motivierte sie, Modedesign zu studieren, und ließ sie auch nach Ende ihres Studiums nicht los – obwohl sie sich damals bewusst gegen die Selbstständigkeit und für den sicheren Job als Industriestrickerin bei einem Modehersteller entschied.

Mit den Jahren rückte der Traum in den Hintergrund. 2017 aber beschloss Müller, das Projekt Selbstständigkeit wiederaufzunehmen. Sie war schwanger und wollte ihre Elternzeit gezielt für Fortbildungen nutzen. Sie habe sich überlegt, was sie zum Durchstarten brauche, „wo mir Kenntnisse fehlen und mit welchen Kursen ich diese Lücken schließen kann“, sagt die heute 41-Jährige.

Schließlich schrieb sie sich für zwei Fortbildungen ein: für einen Englischkurs, weil „die Modewelt international ist“, und für eine Schulung, in der die Teilnehmer lernten, eine eigene Webseite zu erstellen. Kosten für beide Programme: etwa 700 Euro. Für eine junge Mutter in Elternzeit ist das viel Geld. Doch Müller hatte sich gut informiert: Sie musste nur die Hälfte der Fortbildungskosten selbst tragen – den Rest übernahm der Staat.

Müller gehört zu den Bundesbürgern, die für ihre Weiterbildung die sogenannte Bildungsprämie in Anspruch genommen haben. Mit dem Fördertopf unterstützt der Staat seit 2008 Menschen mit geringem Einkommen, die sich beruflich weiterbilden möchten. Voraussetzung: Die ausgewählte Fortbildung muss berufsbezogen sein, der Lernwillige muss sich also für seinen aktuellen oder späteren Job relevante Fähigkeiten aneignen.

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    Außerdem darf das verfügbare Einkommen des Teilnehmers nicht mehr als 20.000 Euro jährlich betragen, für Verheiratete liegt die Grenze bei 40.000 Euro. Wenn die Bewerbung erfolgreich ist, erhalten die Förderberechtigten einen Gutschein, der die Hälfte der Weiterbildungskosten abdeckt, maximal aber 500 Euro.

    Wenige Informationen

    Der Bund gewährt die Bildungsprämie unabhängig vom derzeitigen Arbeitgeber. Der Geförderte muss sich daher selbst um die Finanzhilfe bewerben. Das macht die Bildungsprämie ideal für Menschen, die gezielt nach Förderungen suchen, weil sie von ihrem Arbeitgeber keine finanzielle Unterstützung erhalten. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Wer nichts von der Prämie weiß, geht leer aus – auch wenn er eigentlich Anspruch auf das Geld hätte.

    Andreas Reinhardt ist Geschäftsführer bei der Bildungsberatung Kontinuum in Berlin und macht immer wieder die Erfahrung, dass Arbeitnehmer erstaunlich schlecht über die Fördermöglichkeiten für Fortbildungen informiert sind und deshalb häufig Geld liegen lassen.

    Das gelte nicht nur für Angestellte, sondern auch für deren Chefs. Die meisten Menschen, die zur Bildungsberatung kommen, würden über Bekannte oder Kollegen auf Förderprogramme wie die Bildungsprämie aufmerksam. „Dass der Arbeitgeber jemanden auf eine Förderung aufmerksam macht, ist die große Ausnahme“, sagt Reinhardt.

    Grafik

    Dabei sind Förderprogramme wie die Bildungsprämie nicht nur für Beschäftigte, sondern auch für Arbeitgeber eine Chance. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 500 Unternehmen zeigt: Fast alle Chefs sind überzeugt, dass lebenslanges Lernen immer wichtiger wird, um bei der fortschreitenden Digitalisierung nicht hinter die Konkurrenz zurückzufallen.

    Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen scheuen aber häufig die Kosten, die mit den Fortbildungen einhergehen. So gaben vier von zehn Unternehmen an, es sei nicht genug Budget vorhanden, um Mitarbeiter regelmäßig weiterzubilden. Im Schnitt investieren die Befragten 709 Euro pro Kopf und Jahr in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, zeigt die Studie. Ein Drittel stellt bis zu 500 Euro zur Verfügung. Sieben Prozent haben gar kein Budget für berufliche Weiterbildung (siehe Grafik).

    Vielfältige Angebote

    Der Durchschnittsbetrag von 709 Euro jährlich hätte bei Strickdesignerin Müller gerade so gereicht, um die Kursgebühren zu decken. Wenn Unternehmen Mitarbeiter auf Fortbildung schicken, fallen in der Regel aber noch weitere Kosten an: für Unterkunft und Verpflegung.

    Findet die Fortbildung während der Arbeitszeit statt, kommen Kosten für die Freistellung dazu, schließlich muss ein anderer im Büro die Arbeit übernehmen. Vor allem Mittelständler, so Weiterbildungsexperte Reinhardt, spürten die Abwesenheit eines Mitarbeiters unmittelbar. Gerade für kleinere Firmen sind Förderprogramme also attraktiv, schließlich sollen sie die Kosten für Betrieb und Arbeitnehmer senken.

    Bund und Länder bieten inzwischen eine Vielzahl an Geldtöpfen für die berufliche Weiterbildung an. Neben der Bildungsprämie vom Bund gibt es unter anderem die Bildungsschecks der Länder. Die Angebote variieren erheblich: In Bayern richtet sich das Programm an Besserverdienende, die in Berufen arbeiten, die zukünftig durch die Digitalisierung verdrängt werden könnten. Der Bayerische Bildungsscheck gibt zu entsprechenden Weiterbildungen 500 Euro dazu.

    Nordrhein-Westfalen fördert ausschließlich Arbeitnehmer, die in Betrieben mit höchstens 249 Mitarbeitern beschäftigt sind. In Hessen läuft der Fördertopf unter dem Namen „Qualifizierungsscheck“ und richtet sich an Erwerbstätige ohne Berufsabschluss, die diesen nachholen möchten.

    Um im Förderdschungel nicht den Überblick zu verlieren, empfiehlt sich der Gang zum Bildungsberater. Unternehmen wie Kontinuum in Berlin oder auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) können neben passenden Fördermöglichkeiten auch auf geeignete Weiterbildungen aufmerksam machen.

    Viele IHKs bieten neben Präsenz- auch Digitallehrgänge an. Zwar kosten die Kurse im Netz meist genauso viel wie Weiterbildungen vor Ort. Dafür spart das Unternehmen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Auch fällt der Mitarbeiter in der Regel nicht so lange aus, weil er die Weiterbildung eben am eigenen Rechner absolvieren kann.

    Digital- oder Präsenzkurse?

    Karsten Lenger, Studienbetreuer bei der IHK Akademie München, warnt jedoch davor, allein aus Kostengründen auf die digitalen Angebote zu setzen. „Die Weiterbildung muss zu den Bedürfnissen des Mitarbeiters passen, ansonsten verfehlt sie ihren Zweck.“ Manche Menschen bräuchten den persönlichen Austausch, um effizient zu lernen. Anderen dagegen reichten Videos und Skripte, damit sich die Inhalte festigen. „Welcher Lerntyp der jeweilige Mitarbeiter ist, finden Chefs nur im Dialog heraus.“

    Für Wenke Müller waren die Präsenzkurse die richtige Entscheidung. Zusammen mit ihrem Kursleiter legte sie auf dem Website-Seminar den Grundstein für ihr eigenes Stricklabel, das sie seither parallel zum Job betreibt. Seit 2018 ist „Tomkeknits“ online. Mittlerweile hat Müller schon zwei Bücher mit ihren Designs veröffentlicht.

    Ihr nächstes Ziel: ein eigener Onlineshop. Damit Interessierte ihr Strick künftig nicht nur nachmachen, sondern auch kaufen können.

    Mehr: Der Dekan der IESE Business School, einer der besten Kaderschmieden für Topmanager, über Ethik in den Chefetagen und den wachsenden Druck auf Führungskräfte.

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