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Apollo 1Die Ur-Katastrophe der US-Raumfahrt

Es sollte der erste Schritt auf dem Weg zum Mond werden, stattdessen wurde es der erste schwere Schlag für die US-Raumfahrt: Vor 50 Jahren starben drei Astronauten, als in ihrer Apollo-Kapsel ein Feuer ausbrach. 27.01.2017 - 09:55 Uhr Artikel anhören

Virgil Grissom, Ed White und Roger Chaffee (v. l.) starben bei einem Feuerunfall an Bord ihrer Raumkapsel.

Foto: AP

Berlin. Es sollte der erste große Schritt auf dem Weg zur Mondlandung werden, tatsächlich wurde es die bis dahin schlimmste Katastrophe in der Geschichte der US-Raumfahrt: Vor 50 Jahren erstickten drei Nasa-Astronauten, als während eines Bodentests Feuer in ihrer Raumkapsel ausbrach. Zum ersten Mal in der Geschichte der US-Raumfahrt waren Astronauten bei der Arbeit ums Leben gekommen.

Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee hätten ihr Leben für das Land gegeben, sagte der damalige US-Präsident Lyndon Johnson. „Tragödie an Cape Canaveral“ titelte die „New York Times“ am Tag danach. „Drei Apollo-Astronauten sterben im Feuer.“

Raumfahrt-Katastrophen
Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.
Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.
Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.
Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.
Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.
Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.
Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.
Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.
Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Den Gedanken an den Tod müsse man aus dem Gehirn verbannen, hatte Grissom noch kurz zuvor gesagt. „Es gibt immer die Möglichkeit eines katastrophalen Fehlers, natürlich, das kann auf jedem Flug passieren, auf dem letzten oder dem ersten.“

Dabei war der Test am 27. Januar 1967 auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida im Vorfeld als eher ungefährlicher Routinecheck eingestuft worden: Die Crew sollte den für den 21. Februar 1967 geplanten ersten Start einer Apollo-Raumkapsel auf der Spitze einer etwa 68 Meter hohen Saturn-Rakete simulieren. Doch um 18.31.03 Uhr Ortszeit berichtete Chaffee erstmals von einem Feuer in der Kapsel.

Neun Sekunden später begann die Kabinentemperatur rapide zu steigen, dann fiel die Sauerstoffversorgung an den Raumanzügen der drei Astronauten aus. „Erstickung durch Rauchinhalation“ wurde als Todesursache später festgestellt. Chaffee, Grissom und White hatten keine Chance – auch weil weder die Technik noch die Sicherheitsvorkehrungen dem tatsächlichen Risiko angemessen waren.

So gab es im Bereich der Startrampe weder Gasmasken noch genügend Feuerlöscher für die nach dem Chaffees Notruf herbeieilenden Helfer. Zudem ließ sich die Tür der Raumkapsel zunächst nicht öffnen: Volle fünf Minuten vergingen, bis die Retter den komplizierten Türmechanismus überwunden und die innerste Luke der Kapsel endlich geöffnet hatten. Zu diesem Zeitpunkt waren Grissom, White und Chaffee längst tot.

Wie spätere Untersuchungen zeigten, wurde das Feuer durch ein Versagen im elektrischen System der Raumkapsel ausgelöst. In der mit reinem Sauerstoff gefüllten Kapsel, in der viele nicht feuerfeste Materialien verbaut waren, breiteten sich die Flammen rasend schnell aus. Da sich die Kabinentür nicht von innen öffnen ließ, konnten die Astronauten dem Flammeninferno nicht entkommen.

In der engen Raumkapsel breiteten sich die Flammen rasend schnell aus.

Foto: AP

Viele der nach der Katastrophe aufgedeckten Mängel waren wohl dem Zeitdruck geschuldet, unter dem die Nasa stand – wollte man doch im Wettrennen gegen die Sowjetunion um die erste bemannte Mondlandung unbedingt die Nase vorn haben. Ein Wettlauf, der nach dem Tod der drei Astronauten erst einmal unterbrochen werden musste: Zwanzig Monate flogen danach keine Nasa-Astronauten mehr ins All.

Stattdessen war Fehleranalyse angesagt. „Von jetzt an wird die Flugüberwachung für zwei Eigenschaften bekannt sein: hart und kompetent“, sagte Nasa-Manager Gene Kranz damals. „Hart bedeutet, dass wir für immer für das verantwortlich sind, was wir machen und was wir nicht machen. Wir werden unsere Verantwortung nie wieder kompromittieren. Kompetent bedeutet, dass wir nichts mehr als gegeben hinnehmen werden. Die Missionsüberwachung wird perfekt sein.“

Tatsächlich wurden zahlreiche Mängel des ursprünglichen Programms nun beseitigt. So erhielten die Apollo-Kapseln neue Luken, die im Notfall auch von innen leicht geöffnet werden konnten. Brennbare Materialien wurden aus den Raumkapseln verbannt, auch die Raumanzüge der Astronauten wurden fortan aus robusterem Material hergestellt als dem bis dahin üblichen, leicht entflammbaren Nylon.

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So runderneuert, nahm die Nasa den Wettlauf um den Mond schließlich wieder auf - mit Erfolg: Im Oktober 1968 erfüllte Apollo 7 die eigentlich für Grissom, White und Chaffee geplante Mission. Das Raumschiff blieb zehn Tage im All und umrundete die Erde mehr als 160 Mal, wobei die Crew an Bord zahlreiche Tests durchführte. Apollo 8 umkreiste im Dezember 1968 erstmals den Mond, und im Juli 1969 betrat mit Neil Armstrong, dem Kommandanten von Apollo 11, endlich der erste Mensch den Mond.

Das Ziel des Apollo-Programms war damit erreicht. Doch die tragische Mission von Grissom, White und Chaffee, die als Apollo 1 in die Geschichte einging, sollte nicht die einzige Katastrophe der US-Raumfahrt bleiben. Fast genau 19 Jahre später explodierte die mit sieben Menschen besetzte Raumfähre Challenger kurz nach dem Start.

2003 schließlich verunglückte das Spaceshuttle Columbia mit ebenfalls sieben Menschen an Bord, als bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre heißes Plasma durch einen Bruch im Hitzeschild eindrang. Für beide Tragödien gibt es Gedenkstätten auf dem Arlington-Friedhof in Washington. Geht es nach den Wünschen einiger US-Kongressabgeordneter, sollen auch die Toten der Apollo 1-Tragödie dort ein Denkmal bekommen.

tt, dpa
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