Mega-Bahnprojekt: Brasilien und Bolivien planen „Ozean-Zug”
Ein mit Sojabohnen beladener Zug fährt auf der Strecke, die vom brasiliansichen Corumbá nach Santa Cruz in Bolivien führt. An dieser Schienenstrecke würde der künftige „Ozean-Zug“ anschließen.
Foto: dpaBrasilia. Die Strecke soll vom Atlantik bis zum Pazifik führen und Südamerikas Ozeane direkt verbinden: Bolivien und Brasilien wollen mit einer gemeinsamen Bahnlinie den Transport von Gütern nach Europa und Asien deutlich beschleunigen. Bei einem Treffen in der Hauptstadt Brasilia unterzeichneten der Präsident Brasiliens, Michel Temer, und der bolivianische Präsident Evo Morales ein Abkommen für die transkontinentale Bahnstrecke.
Die rund 3750 Kilometer lange Strecke soll vom brasilianischen Hafen in Santos durch das Tiefland Boliviens, über 4000 Meter die Anden hoch und dann zum peruanischen Ilo führen. Die Kosten werden auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt.
Der sogenannte Zug „Bioceanico“ wird von Morales auch „Panama-Kanal auf Schienen“ genannt, als Anspielung auf die erst im vergangenen Jahr erweiterte Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Das Projekt wird besonders von Bolivien forciert, da das Land keinen Meerzugang hat und so den Export deutlich beschleunigen könnte. Zunächst hatte es zwischen Brasilien und China einen Plan für einen Ozeanzug an Bolivien vorbei durch das Amazonasgebiet gegeben, bevor Morales Brasilien für sein Projekt gewinnen konnte.
Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.
Foto: dpaGrund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.
Foto: APEnde 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.
Foto: dpaIn Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattTrenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)
Foto: HandelsblattIn Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.
Foto: APMit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.
Foto: HandelsblattIn Frankreich soll 2022 eine neue Generation des Hochgeschwindigkeitszugs TGV in Betrieb gehen. Das Modell wird vom Bahnkonzern SNCF und dem Siemens-Rivalen Alstom gemeinsam entwickelt. Der neue TGV soll billiger und sauberer werden und in der Anschaffung sowie im Betrieb mindestens 20 Prozent günstiger sein. Geplant ist außerdem, den Energieverbrauch um mindestens ein Viertel zu senken.
Foto: dpaDer erste TGV ging 1981 an den Start und war der Vorreiter der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Er verbindet die wichtigsten Städte des Landes. Die mehr als 400 Kilometer von Paris bis Lyon schafft er mit teilweise über 300 Stundenkilometern in rund zwei Stunden. (Foto: dpa)
Foto: HandelsblattDer wohl bekannteste Schnellzug in Großbritannien ist der Eurostar, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde erreichen kann. Seit Ende 2015 ist das Modell e320 von Siemens im Einsatz und verbindet London, Paris und Brüssel.
Foto: ReutersAuf der Hochgeschwindigkeitstrasse High Speed 1 (HS 1) zwischen London und dem Eurotunnel fährt aber auch der sogenannte Class 395 „Javelin“ der britischen Eisenbahngesellschaft Southeastern Railway, der 225 Stundenkilometer erreicht. Gestritten wird wegen hoher Kosten über eine Nord-Süd-Trasse (HS 2) zwischen London, Birmingham, Sheffield, Manchester und Leeds. Der Bau der Strecke soll 2017 beginnen – das Parlament hat aber bisher nur für einen Teil grünes Licht gegeben. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattIn Polen setzt die Staatsbahn PKP auf Schnelligkeit und Komfort. Für umgerechnet etwa sieben Milliarden Euro ließ das Unternehmen seit 2012 Schienennetz, Bahnhöfe und Züge erneuern. Zum Modernisierungsprogramm gehört etwa der Kauf der elektrischen Triebzüge ED250 Pendolino des Herstellers Alstom. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattFür eine bequeme Reise sorgen ausziehbaren Sitze, individuelle Beleuchtung und Steckdosen an jedem Platz. Diesen Komfort in der Kategorie Express InterCity Premium (EIP) soll sich mittels Frühbucherrabatten jeder leisten können. Tickets gibt es ab umgerechnet 11 Euro. Ein Imbiss und sowie ein Getränk an Bord sind im Preis inbegriffen. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattJapans derzeit schnellster Zug ist der Shinkansen. Da der Eisenbahnbetrieb auf nationaler Ebene seit den 1980er Jahren privatisiert ist, gibt es mehrere Betreiber für die Hochgeschwindigkeitszüge. Die meist befahrene Strecke zwischen Tokio und Osaka fällt unter die Zuständigkeit des Bahnunternehmens JR Tokai.
Foto: dpaJR Tokai verfolgt angesichts des immer heftigeren Konkurrenzkampfes mit Billigfliegern die Ziele, schneller, komfortabler und sicherer zu werden, ohne dabei die Preise zu senken. Mit einem neuen Bremssystem sollen die rund 130 Züge zudem mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km pro Stunde fahren können.
Foto: AFPVor einigen Monaten war auch der Staatssekretär im deutschen Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, in La Paz, um das Projekt zu unterstützen. Bomba hatte rund 40 Unternehmer in seiner Delegation, darunter Vertreter der Deutschen Bahn, des Tunnelmaschinenbauers Herrenknecht, von Molinari-Rail aus der Schweiz, Siemens sowie auch der staatlichen KfW-Förderbank, um Finanzierungsfragen zu klären.
Bolivien setzt bei der Finanzierung sowie beim Bau auch auf Hilfe aus Deutschland und der Schweiz. Der Streckenausbau soll fünf Jahre dauern und 2019 beginnen. Morales würde das Jahrhundertprojekt gerne zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Boliviens vom spanischen Kolonialreich im Jahr 2025 vollenden. Geplant ist eine Trasse für Personen- und Güterverkehr. Agrarprodukte wie Soja und Rohstoffe wie Silber, Erz und Lithium könnten mit dem Zug schneller und günstiger in andere Weltregionen transportiert werden, als wenn sie wie bisher zunächst mit Lastwagen und dann per Schiff entweder im Norden durch den Panama-Kanal oder rund um Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas fahren müssten. Mindestens 8000 Arbeitsplätze könnten entstehen.