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Mobilität Von Haustür zu Haustür per Flugtaxi: Airlines wollen die Kurzreisen der Zukunft mitgestalten

Immer mehr Fluggesellschaften gehen Partnerschaften mit Flugtaxi-Start-ups ein. Die Airlines müssen dabei aber eine Reihe strategisch wichtiger Fragen beantworten.
08.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Im wachsenden Markt der Flugtaxis mischen auch die Fluggesellschaften kräftig mit. Experten sehen darin eine sinnvolle Entwicklung. Quelle: Volocopter
Flugtaxi von Volocopter

Im wachsenden Markt der Flugtaxis mischen auch die Fluggesellschaften kräftig mit. Experten sehen darin eine sinnvolle Entwicklung.

(Foto: Volocopter)

New York Mike Leskinen hat eine Vision: Wer künftig vom New Yorker Stadtviertel Tribeca bis nach Menlo Park im Silicon Valley möchte, soll diese Strecke gänzlich mit United Airlines zurücklegen können. Kunden buchen ein entsprechendes Ticket auf der Internetseite der US-Fluggesellschaft – und gehen für den Start nur ein paar Stufen nach oben.

Am Abreisetag holt sie ein elektrisches Flugtaxi auf dem Dach einer Garage in Manhattan ab und landet 15 Minuten später im Flughafen Newark, dem New Yorker Drehkreuz von United. Leskinen führt aus: Mit dem Flugzeug geht es weiter nach San Francisco, wo das nächste Air-Taxi die Kunden nach Menlo Park bringt.

Mike Leskinen ist Präsident von United Airlines Ventures, dem Venture-Fund der Fluggesellschaft, der in Zukunftstechnologien investiert. Mit dem Wagniskapital hat United 20 Millionen Dollar in den Flugtaxi-Hersteller Archer Aviation investiert, der im Juni sein erstes Modell vorgestellt hat.

United ist mit seinem Interesse an den elektrischen Senkrechtstartern nicht allein. Immer mehr Fluggesellschaften investieren in Flugtaxi-Start-ups oder ordern deren Flieger. Japan Airlines etwa will mit dem deutschen Start-up Volocopter in Japan einen kommerziellen Betrieb für die Beförderung von Waren und Personen per Flugtaxi aufbauen.

American Airlines hat jüngst bekanntgegeben, 25 Millionen Dollar in das britische Start-up Vertical Aeros investiert zu haben und 250 der geplanten Senkrechtstarter kaufen zu wollen. Virgin Atlantic will ebenfalls 150 Vertical-Aeros-Flieger bestellen, auch die Flugzeug-Leasing-Gesellschaft Avolon hat sich bereits 500 Stück gesichert. 

Mit den Airlines treten neben Industriepartnern wie Honeywell oder Rolls Royce nun auch die potenziellen Kunden auf den Plan. Damit wollen sie verhindern, dass sie selbst eines Tages abgehängt werden.

Lufthansa-Partner United stellt das eigene Know-how zur Verfügung

„Die Airlines schauen sich die gesamte Mobilitätskette an und haben Sorge, dass andere Anbieter sonst wichtige Teile übernehmen“, beobachtet Luftfahrt-Experte Florian Dehne von der Strategieberatung Oliver Wyman. „Die Fluggesellschaften strecken die Fühler aus, auch um Insiderwissen aufzubauen. Und das macht absolut Sinn“, findet er. Außerdem könne ein Investment sicherstellen, dass man im Falle einer erfolgreichen Entwicklung schneller an die Flugtaxis kommt.

Leskinen nennt auch noch einen anderen Grund: „Wir wollen mit dabei sein, wenn das Flugzeug Form annimmt, damit es unseren Ansprüchen entspricht“, erklärt der Venture-Fund-Präsident von United. Es gehe nicht um reine Finanzinvestitionen. „Wir sind nicht Blackstone“, stellt er klar.

So unterstützt United das Start-up Archer mit seinem eigenen Know-how: zum Beispiel mit Daten darüber, wo wie viele Kunden sind und welche Bedürfnisse sie haben. Auch mit ihrer Erfahrung in der Wartung von Flugzeugen und dem Umgang mit der Flugaufsicht FAA oder der Abwicklung des TSA-Sicherheits-Screenings können sie wertvollen Input geben.

Der Präsident von United Airlines Ventures ist vom Erfolg der Flugtaxis überzeugt. Quelle: United Airlines
Mike Leskinen

Der Präsident von United Airlines Ventures ist vom Erfolg der Flugtaxis überzeugt.

(Foto: United Airlines)

Diese Zusammenarbeit macht nach Ansicht von Branchenexperten absolut Sinn. „Ich glaube zu 100 Prozent an die Zukunft der elektrischen Air-Taxis und dass ein Billionen-Markt entsteht“, sagt etwa Accenture-Berater Scott Davidson – und fügt gleichzeitig an: „Aber kein einziges Start-up wird alleine in der Lage sein, die End-to-End-Lösung anzubieten.“

Damit das Flugtaxi-Geschäft funktioniere, sei ein „ganzes Ökosystem“ nötig, sagt Davidson. Dieses reiche von Batterien, Fluggeräten und deren Wartung über das Piloten-Training bis hin zu Immobilien für die Abflugstellen und die Luftraum-Verwaltung.

In den USA, sagt Davidson, diskutiere die FAA darüber, bestimmte Korridore in der Luft – etwa 500 Meter – privaten Dienstleistern zu übertragen. Die FAA hätte dann weiterhin die Aufsicht, aber nicht die Kontrolle.

Airlines können verschiedene Ansätze wählen

Die Airlines müssen sich auch strategisch wichtige Fragen stellen: Wollen sie die Senkrechtstarter selbst betreiben, oder sollen sie nur unter ihrer Marke fliegen? Sollen Flugtaxis nur die Flughäfen ansteuern, oder ermöglicht man auch kurze 100-Meilen-Flüge zwischen kleinen Städten oder Vororten?

Experte Davidson von Accenture meint: „Wenn ich eine Airline wäre, würde ich mich auf die Zubringer-Flüge zum Flughafen konzentrieren und die anderen Flüge – vom Vorort in die Stadt – an andere outsourcen.“ Möglicherweise fliegen diese Anbieter dann ebenso unter der eigenen Marke.

Das sieht auch Henry Harteveldt so, Luftfahrt- und Tourismus-Berater und Präsident der Beratung Atmosphere Research: „Es macht keinen Sinn, dass die Airlines die Flugtaxis zwischen San Francisco und Napa Valley, Big Sur oder Carmel selbst betreiben“, sagt er. „Aber es macht Sinn, dass ihre Marke auf den Flugtaxis steht und dass sie damit bei einer wichtigen Zielgruppe präsent sind.“

Das neue Angebot sei vor allem für Business-Reisende interessant – häufig Personen, für die Zeit Geld ist. „Eine Familie gibt keine 100 Dollar pro Person aus, um zum Flughafen zu kommen“, erklärt Harteveldt.

Airlines können Flugtaxis als Zubringer nutzen oder womöglich auch kürzere Fahrten ermöglichen. Quelle: Volocopter
Flugtaxis im Luftraum

Airlines können Flugtaxis als Zubringer nutzen oder womöglich auch kürzere Fahrten ermöglichen.

(Foto: Volocopter)

Wie teuer ein Flug mit dem neuen Beförderungsmittel tatsächlich sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Flugtaxis sollen aber nicht nur leiser und umweltfreundlicher, sondern auch deutlich günstiger sein als die Hubschrauber, die schon heute etwa von Manhattan zu den verschiedenen Flughäfen fliegen.

Blade etwa, einer der Dienstleister dieser Art, bietet Flüge von seinen Heliports in Manhattan zu den New Yorker Flughäfen JFK oder Newark für 195 Dollar pro Sitz an. United-Ventures-Präsident Leskinen hingegen sagt: „Wir wollen eher so viel wie ein Black Car von Uber kosten.“ Hier liegt der Preis zwischen 100 und 125 Dollar.

Berater wollen Piloten abschaffen – United Airlines widerspricht

Zunächst werden die Senkrechtstarter auf jeden Fall mit Piloten abheben. Ob das auch langfristig so bleiben wird, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wenn es nach den meisten Beratern geht, sollten die Flugtaxis irgendwann auf die Piloten verzichten können. „Zunächst brauchen wir sie sicher“, meint Luftfahrt-Berater Dehne von Oliver Wyman. „Aber ökonomisch wird der Business-Case erst wirklich attraktiv, wenn Flugtaxis autonom fliegen.“

Davon will Leskinen nichts wissen. Er hält die Piloten aus Aspekten der Sicherheit für unabdingbar. „Es gibt viele Beispiele, in denen gut trainierte Piloten Flugzeuge vor ihren eigenen Systemen gerettet haben“, sagt er. „Wenn wir drei bis vier Passagiere mitnehmen können, rechnet sich das Geschäftsmodell auch mit Piloten.“

Auch seinen deutschen Partner Lufthansa hätte Leskinen bei der Investition in Archer gerne an Bord. Beide sind über die Luftfahrtallianz Star Alliance verbunden. „Bisher hat Lufthansa nicht investiert. Aber ich erwarte, dass wir mit ihr darüber diskutieren werden“, sagt Leskinen.

Mehr: Deutsche Unternehmen entdecken die Flugtaxis.

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