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Raumfahrt Warum jetzt auch die Emirate zum Mars wollen

Die USA machen es, EU-Staaten, Russland, China und Indien auch. Nun startet der ölreiche Wüstenstaat seine Mission zum Mars. Was dahintersteckt.
16.07.2020 - 09:08 Uhr Kommentieren
Die emiratischen Ingenieure wurden von US-Experten des Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) an der Universität von Colorado betreut. Quelle: AFP
Mohammed Bin Rashid Space Center (MBRSC)

Die emiratischen Ingenieure wurden von US-Experten des Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) an der Universität von Colorado betreut.

(Foto: AFP)

Berlin Die größte Interkontinental-Fluggesellschaft haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Emirates schon gegründet. Nun ist das Ziel weiter gesteckt: Es ist zwar 55 Millionen Kilometer entfernt, aber so nah an der Erde ist der Mars selten. Eigentlich sollte die Sonde Al Amal („Hoffnung“) am Freitag vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima abheben. Doch der Start des unbemannten Geräts, das von einer H2A-Rakete der japanischen Mitsubishi Heavy Industries ins Weltall transportiert werden soll, wurde erneut verschoben. Jetzt fehlt nur noch eines: besseres Wetter.

Im Februar 2021 – zum 50. Jahrestag der Staatsgründung – soll die erste arabische Weltraummission dann die Capture Orbit genannte Umlaufbahn des Mars erreichen. Dort soll sie dann 20.000 bis 43.000 Kilometer von der Oberfläche entfernt in elliptischen Umlaufbahnen das erste vollständige Bild des Marsklimas über ein komplettes Marsjahr (etwa rund 687 Erdentage) aufzeichnen.

Die VAE haben damit im Rennen um den Mars die Nase vorn. Denn der kastenförmige, 1,3 Tonnen schwere Satellitenmeteorologieroboter von der Größe eines Kleinwagens geht vor der amerikanischen Nasa-Mission mit ihrem Erkundungsrover Perseverance und der chinesischen Sonde Tianwen-1 an den Start. Beide wollen auch noch in diesem Jahr zum derzeit relativ nahen Mars fliegen, während die von der europäischen Weltraumagentur Esa und der russischen Roskosmos ursprünglich auch für dieses Jahr angepeilte ExoMars-Mission auf 2022 verschoben wurde.

Zwischen den ambitionierten Golfstaaten herrscht schon seit Jahren eine heftige Rivalität – es geht um die Frage, wer den Übergang in die Nach-Öl-Ära am schnellsten und besten hinbekommt. Und so überbieten sich Saudi-Arabien, die Emirate, Katar, Kuwait und andere arabische Länder mit Multimilliarden-Projekten. Und die Marsmission „Hoffnung“ liegt mit 200 Millionen Dollar sogar noch im unteren Preissegment für derartige Projekte.

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    Dies aber ist nach Ansicht von Experten nicht die einzige Besonderheit beim VAE-Projekt. Es sticht auch heraus, dass die Emirate, die im September vergangenen Jahres ihren ersten Astronauten ins All geschickt hatten, das Schicksal ihres Marsfluges in die Hände einer jungen Frau gelegt haben: Sarah bint Yousif Al Amiri ist sowohl Staatsministerin für fortgeschrittene Wissenschaften in der Regierung der VAE als auch stellvertretende Projektleiterin der Marsmission der Emirate im nach dem Herrscher von Dubai benannten Raumfahrtzentrum Mohammed Bin Rashid Space Center (MBRSC).

    Grafik

    Am MBRSC hatte die heute 33-Jährige als Software-Ingenieurin angefangen. Und Al Amiri ist nicht allein – 34 Prozent der Emiratis, die an der Mission „Hoffnung“ arbeiten, sind Frauen. „Aber noch wichtiger ist, dass wir im Führungsteam dieser Mission Geschlechterparität in allen stellvertretenden Projektleiterrollen haben“, sagt die Entwicklerin, die schon an einem Satelliten mitwirkte, den Dubai ins All schoss.

    Höchste wissenschaftliche Ansprüche

    Zwischen dem ersten Konzept und der Marsmission liegen nur sechs Jahre. Die daran beteiligten emiratischen Ingenieure wurden von US-Experten des Laboratory for Atmospheric and Space Physics (LASP) an der Universität von Colorado betreut. „Es ist ein relativ junges Team, aber die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein relativ junges Land, also ist es für uns nicht ungewöhnlich“, sagt Al Amiri. Der leitende Systemingenieur des LASP, Brett Landin, ist sicher, dass die Emiratis nun in der Lage seien, eine weitere Mission auf eigene Faust durchzuführen.

    Neben der Erforschung der Atmosphäre des Mars und der Suche nach wissenschaftlichen Durchbrüchen verfolge die Mission auch ein ganz irdisches Ziel, meint die Staatsministerin: die Jugend der Region zu inspirieren und junge Araberinnen und Moslems noch mehr für Wissenschaft zu begeistern.

    Im Gegenzug für die US-Hilfe wollen die VAE keine „Ich auch“-Wissenschaft betreiben und auf dem Roten Planeten Messungen wiederholen, die bereits andere durchgeführt haben. Vielmehr haben sie sich mit der Mars Exploration Program Analysis Group (MEPAG) der Nasa abgestimmt. So soll die Al-Amal-Sonde dazu beitragen, die Wissenslücken zu schließen, die der Nasa-Orbiter Maven offen gelassen hat, der seit 2014 die Atmosphäre des Roten Planeten untersucht. So soll die Mission „Hoffnung“ ein von Maven aufgedecktes Marsmysterium ergründen: Es geht um die Frage, warum große Wasserstofffahnen aus dem Planeten entwichen sind.

    Frühere Sonden hätten lediglich Schnappschüsse machen können. Mit seinen drei Hauptinstrumenten – einem Bildgerät und zwei Gasspektrometern – könne die emiratische Sonde jetzt kontinuierlich und deutlich bessere Bilder machen, urteilt das Wissenschaftsmagazin „Nature“. Die Forscher wollen dadurch unter anderem besser verstehen, wie der Rote Planet seine einst dicke Atmosphäre verloren hat, und außerdem auch bemannte Flüge zum Mars vorbereiten. Die gesammelten Daten sollen der internationalen Gemeinschaft ohne Zeitverzögerung zur Verfügung gestellt werden.

    Die Coronakrise hat massive Probleme verursacht

    Die Corona-Pandemie hätte der Marsmission fast den Garaus gemacht. Die Durchführung von Al Amiris ständigen Reisen zwischen Dubai und Boulder in Colorado, wo ein Team emiratischer Wissenschaftler den Satellitenmeteorologieroboter baute, wurde immer komplizierter. In der Nähe des Raumfahrtzentrums Tanegashima in Japan musste sie erst einmal in Quarantäne. Für ihr Team musste sie Ausnahmegenehmigungen für Flüge nach Japan organisieren, um das Raumfahrzeug für den Start vorzubereiten. Es wurden auch Notfallpläne erarbeitet, um sicherzustellen, dass das Raumschiff auch mit einer Notbesatzung noch starten kann.

    Mit dieser Mars-Sonde starten die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals zum Roten Planeten – und in eine neue industrielle Zukunft. Quelle: AP
    Operation „Hoffnung“

    Mit dieser Mars-Sonde starten die Vereinigten Arabischen Emirate erstmals zum Roten Planeten – und in eine neue industrielle Zukunft.

    (Foto: AP)

    „Es war ein Albtraum, die Zeitpläne aufeinander abzustimmen und alle sicher hierherzubringen“, sagte Al Amiri dem Magazin „Arabian Business“. Aber glücklicherweise seien die kritischsten Tests vor dem Ausbruch der Pandemie durchgeführt worden.

    „Der endgültige Erfolg der gesamten Mission hängt davon ab, alle wissenschaftlichen Daten über ein ganzes Marsjahr, also zwei Erdenjahre, zu sammeln“, sagte Al Amiri und nannte drei „primäre wissenschaftliche Ziele“: erstens das Verständnis der unteren Atmosphäre des Mars und des Wettersystems, das in der unteren Atmosphäre existiert. Zweitens sei zu klären, wie das Wetter die Entweichung von Wasserstoff und Sauerstoff verändert, indem es die Bedingungen der unteren Atmosphäre mit der oberen Atmosphäre in Beziehung setzt. Drittens solle geklärt werden, „wie weit sich der Wasserstoff und Sauerstoff in den Weltraum erstrecken“.

    Und während die Sonde rund um den Mars Forschung betreiben soll, schmieden die Forscher im Raumfahrtzentrum MBRSC bereits Pläne, eines Tages Stiefelabdrücke auf dem Marsboden zu hinterlassen, und simulieren in der Wüste eine bewohnte Marskolonie der Zukunft.

    Die VAE wollen mit ihren massiven Investitionen zu einem bedeutenden Akteur in den Sektoren Raum- und Luftfahrt werden. Die Regierung hat bereits mehr als sechs Milliarden Dollar für entsprechende Ambitionen bereitgestellt. „Es geht um den Aufbau von Technologiebereichen, über die die VAE als Ganzes vorher nicht verfügten, nicht nur im Raumfahrtsektor“, sagt Al Amiri.

    Und ihr Chef, Projektleiter Omran Sharaf, erklärt, wie dem Land der Übergang von der Abhängigkeit von Öl und Gas hin zu einer wissensbasierten Wirtschaft gelingen soll: „Als die Vereinigten Arabischen Emirate gegründet wurden, schickten einige Länder bereits Dinge in den Weltraum. Um aufzuholen, müssen wir viel schneller sein als andere Nationen. Zudem haben die VAE viel Geld in Reinraumtechnik und neue Technologien zur Herstellung von Flugzeugteilen investiert, um Teil globaler Lieferketten in der Luftfahrtindustrie zu werden.“

    Seit 1960 versuchen Menschen, den Mars zu erobern, und die Risiken sind seit jeher hoch. Die Hälfte aller auf den Roten Planeten entsandten Missionen ist gescheitert. Zuletzt stürzte 2016 der Esa-Lander Schiaparelli ab. Für Projektleiter Sharaf zählt der Name seiner Sonde: Hoffnung. Er sehe die Gefahr, aber sein Land habe das Recht, es zu versuchen. „Dies ist eine Forschungs- und Entwicklungsmission – und ja: Ein Scheitern ist eine Option“, sagte er der BBC.

    Mehr: Dubais Wirtschaft am Scheideweg

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