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Aleph AlphaWie das deutsche KI-Start-up mit OpenAI konkurrieren will

Aleph Alpha hat eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die gegen internationale Riesen wie Microsoft und Google antreten will. Dafür braucht das Start-up allerdings frisches Kapital.Christof Kerkmann 23.02.2023 - 09:07 Uhr Artikel anhören

Der Unternehmer will eine europäische Alternative zu OpenAI aufbauen.

Foto: Getty Images

Düsseldorf. Es ist wieder einmal ein amerikanisches Unternehmen, das eine technologische Revolution anstößt. Das Start-up OpenAI mit dem Softwarekonzern Microsoft als Partner hat eine neue Generation Künstlicher Intelligenz entwickelt, die mit ihren Sprachfähigkeiten Öffentlichkeit wie Fachwelt beeindruckt. Die Konkurrenten heißen Google und Baidu und kommen aus den USA und China.

Jonas Andrulis will dafür sorgen, dass auch Europa in diesem Zukunftsfeld eine Rolle spielt. Mit seinem Start-up Aleph Alpha hat der 41-jährige Wirtschaftsinformatiker ein großes Sprachmodell namens Luminous aufgebaut. Die Technologie ist in der Lage, komplexe Fragen zu beantworten und Texte zu verfassen, ähnlich wie ChatGPT.

Dabei spricht Aleph Alpha primär Geschäftskunden an. „Wir wollen keine Maschine bauen, mit der man sich nett unterhalten kann – sondern eine, die komplexe Arbeitsschritte mit hohen Sicherheitsanforderungen unterstützen kann“, formuliert Andrulis die Vision. Beispielsweise im Gesundheitswesen, im Finanzsektor oder in der Justiz.

Künstliche Intelligenz: Aleph Alpha braucht weniger Geld als OpenAI

Ein Vorteil dieser Strategie: Aleph Alpha benötigt weniger Kapital als OpenAI, das jeden Monat allein mehrere Millionen Dollar für die Rechenkapazitäten ausgeben dürfte. Viel investieren muss das deutsche Start-up angesichts der großen Konkurrenz auch so. „Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem sich entscheidet, ob Europa in Zukunft Künstliche Intelligenz erstellt oder einkauft“, sagt Andrulis.

Wer die Technologie von Aleph Alpha ausprobieren möchte, findet sie auf dem Portal der Stadt Heidelberg, der Heimat des Start-ups. Dort ist seit Oktober 2022 der digitale Bürgerassistent Lumi im Einsatz – im Chatfenster schwebt ein Roboter mit großen Augen auf und ab. Fragen zu Kindertagesstätten, Wohngeld oder Müllabfuhr beantwortet er kurz, weitere Informationen verlinkt er.

Jonas Andrulis forschte bei Apple zu Künstlicher Intelligenz

Der Chatbot ist noch in einer Testphase, das bemerken Bürger gelegentlich. Die Vision von Aleph Alpha macht er aber anschaulich: Das Unternehmen will die Interaktion zwischen Mensch und Maschine grundsätzlich verändern.

Für viele Start-ups ist die Finanzierungslage im Moment schwierig, aber das gilt nicht unbedingt für den Bereich generative KI.
Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis

Das Sprachmodell im Hintergrund ist in der Lage, Eingaben in natürlicher Sprache zu verstehen, passende Informationen aus einer Datenbank zu recherchieren und Antworten in einfachen Sätzen auszugeben. Auch Bilder kann er interpretieren.

„Das ist eine Basistechnologie wie die Elektrizität“, sagt Andrulis, der drei Jahre bei Apple in der „Special Projects Group“ in der Leitung für KI-Forschung tätig war und an Projekten wie selbstfahrenden Autos und der Sprachassistentin Siri arbeitete. Informationsbasierte Wertschöpfungsprozesse könnten neu gedacht werden, so der IT-Spezialist – damit bestehe das Potenzial für „eine neue industrielle Revolution“.

Assistent für Rechtsanwälte und Mediziner

Aleph Alpha will sich auf komplexe Tätigkeiten in Bereichen wie Medizin und Rechtswesen fokussieren. Dort kommt es einerseits auf Genauigkeit an, andererseits sind die rechtlichen Vorgaben besonders scharf, etwa beim Datenschutz oder der Erklärbarkeit der Ergebnisse – „das ist der Punkt, wo wir im internationalen Vergleich besonders stark sind“.

Eine Demo zeigt, wie das geht: Ein Programm für Rechtsanwälte könnte eines Tages nicht nur Fragen zu juristischen Dokumenten wie Arbeitsverträgen beantworten, sondern auch die Originalstellen so markieren, dass sich die Angaben mit einem Blick nachvollziehen lassen – wie ein fleißiger Assistent. OpenAI bietet eine solche Quellennennung derzeit nicht, arbeitet Gerüchten zufolge aber daran.

Das System beantwortet Fragen zu Fragen zu Kindertagesstätten, Wohngeld oder Müllabfuhr.

Foto: Handelsblatt

Als Basistechnologie für andere Programme eignet sich indes auch das Sprachmodell von OpenAI, zumal Microsoft es über die eigene Cloudplattform Azure vermarkten will. Google und Amazon Web Services (AWS) werden nach Einschätzung in Branchenkreisen eigene Angebote entwickeln.

Die Unabhängigkeit von den Konzernen könne für Aleph Alpha aber ein Vorteil sein, meint Andrulis: „Viele Unternehmen wollen nicht von Microsoft oder Google abhängig sein.“

Aleph Alpha bei Vergleichstest auf Augenhöhe mit OpenAI

Die Technologie funktioniert bei Aleph Alpha und OpenAI ähnlich. Die Sprachmodelle analysieren mit statistischen Methoden, wie Wörter zueinander in Beziehung stehen – „Sonne“, „Sommer“ und „Sonnencreme“ werden beispielsweise häufig in einem Zusammenhang genannt. Millionen von Texten aus dem Internet und aus Büchern dienen dabei als Material.

In einem künstlichen neuronalen Netz gibt es – analog zu einem menschlichen Gehirn – Knotenpunkte, die Informationen verarbeiten. Je mehr davon, desto leistungsfähiger. International zählt Aleph Alpha zu den Top Ten: Luminous Supreme hat 70 Milliarden Parameter. Aktuell testet das Unternehmen die neue Version Luminous World mit mehr als 300 Milliarden Parametern.

Dass die Technologie konkurrenzfähig ist, soll ein bislang unveröffentlichter Vergleich zeigen, der dem Handelsblatt vorliegt. Aleph Alpha ließ Luminous gegen verschiedene große Sprachmodelle antreten, darunter DaVinci von OpenAI und Opt von Meta. Die Systeme mussten Texte vervollständigen, Multiple-Choice-Fragen beantworten und selbst Artikel verfassen. Und das in fünf Sprachen, neben Deutsch etwa auch Englisch und Spanisch.

Künstliche Intelligenz: Wettrüsten mit Milliardensummen

Bei vielen Aufgaben war Aleph Alpha auf dem Niveau der Konkurrenz. Das Unternehmen könne „in der Spitzenklasse mitspielen“, sagt Andrulis. „Luminous ist in vielen Umgebungen eine starke Alternative und damit ein wichtiger Schritt zur Technologiesouveränität Europas.“ Die Daten des Vergleichs will das Start-up reproduzierbar veröffentlichen, damit sie sich überprüfen lassen.

Der Vergleich ist allerdings eine Momentaufnahme. Durch den Hype um ChatGPT steigen die Investitionen in generative Künstliche Intelligenz, also Systeme, die Texte, Bilder oder Programmcode produzieren. Allein OpenAI hat nach Medienberichten von Microsoft in der jüngsten Finanzierungsrunde zusätzliche zehn Milliarden Dollar erhalten – um die Rechenkapazitäten zu bezahlen, aber auch, um das Produkt weiterzuentwickeln.

Dagegen nimmt sich die Finanzierung von Aleph Alpha bescheiden aus. 28 Millionen Euro hat das Start-up bislang lediglich erhalten. Zu den Geldgebern gehören der Investor Klaus Hommels mit seinem Fonds Lakestar, der Berliner Frühphasen-Investor Earlybird und der Münchener Tech-Finanzierer UVC. Dass das deutsche Start-up mit vergleichsweise geringen Mitteln eine konkurrenzfähige Technologie entwickelt hat, ist beeindruckend. Der Bedarf, um weiter zur Weltspitze zu gehören, liege aber im dreistelligen Millionenbereich, so Andrulis.

Fürs laufende Jahr plant der Unternehmer eine neue Finanzierungsrunde. Bedenken, Geldgeber zu finden, hat er nicht: „Für viele Start-ups ist die Finanzierungslage im Moment schwierig, aber das gilt nicht unbedingt für den Bereich generative KI.“ Der große Hype hat auch die Risikokapitalszene erreicht.

Für den Gründer geht es nicht nur ums eigene Unternehmen, sondern auch um die digitale Souveränität: Das Ziel müsse sein, die Kompetenz und die Wertschöpfung in Europa zu bündeln. „Jetzt entscheidet sich, ob wir diese Basistechnologie auch verlieren und zum Kunden der USA werden.“ Angesichts der revolutionären Technologie hätte das Konsequenzen für alle Formen von Wissensarbeit.

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Erstpublikation: 20.02.2023, 10:35 Uhr.

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