Asien: Milliardenanleihe soll Alibaba nächste Investitionen ermöglichen
Bengaluru. Der chinesische Online-Händler Alibaba will sich rund 3,2 Milliarden Dollar frisches Kapital durch Wandelanleihen beschaffen. Knapp 80 Prozent der Einnahmen sollen in den Ausbau von Rechenzentren, die Modernisierung der Technologie und die Verbesserung von Dienstleistungen fließen, das berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg am Donnerstag.
Damit solle die steigende Nachfrage nach Cloud-Lösungen gedeckt sowie die Expansion des internationalen Geschäfts finanziert werden. Alibaba gilt als einer der aggressivsten Akteure im chinesischen KI-Sektor.
Wandelanleihen sind Anleihen, die nach ihrer Laufzeit in Aktien umgewandelt werden können. Das Angebot stieß auf großes Interesse bei Investoren und wurde um ein Vielfaches überzeichnet, berichtet Bloomberg mit Bezug auf mit der Transaktion vertraute Personen.
Die neuen Investmentpläne kommen nicht nur am Anleihemarkt gut an. Alibabas Aktie stieg am Donnerstag in Hongkong zwischenzeitlich um mehr als zwei Prozent an. Anfang September legte die Aktie nach den um mehr als 18 Prozent zu, weil der Umsatz in der KI-Sparte stark angestiegen war.
Auch die Konkurrenz setzt auf Anleihen zur Finanzierung des Wachstums
Alibaba ist nicht das einzige chinesische Techunternehmen, das sich derzeit viel Kapital sichern will. Anfang dieser Woche hat mit Baidu ein direkter Konkurrent mehr als 618 Millionen US-Dollar durch die Emission von Anleihen aufgenommen. Bereits im Frühjahr hat Baido eine Anleihe von mehr als einer Milliarde Dollar begeben.
Die finanziellen Mittel benötigen die Technologiefirmen, um im enorm harten Wettbewerb, der in der Branche herrscht, zu bestehen. Mit Milliardeninvestitionen in Bereichen wie Cloud-Computing, künstlicher Intelligenz und selbst Sparten wie Lieferdiensten wollen die Unternehmen einander die Marktführerschaft streitig machen.
Alibaba gab bereits Anfang des Jahres bekannt, dass es über einen Zeitraum von drei Jahren 53 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur wie Rechenzentren investieren wird.
Ravi Wong, Vizepräsident des Yan Yun Family Office sagt zur Transaktion: „Interessant wird, inwiefern diese Investitionen zu höheren Umsätzen führen können.“
Nicht nur im KI-Sektor konkurriert Alibaba gegen verschiedene große Unternehmen. Auch in seinem Verbrauchergeschäft befindet sich der Konzern in einem harten Wettbewerb, etwa mit Meituan und JD.com und auch hier wendet Alibaba viel Kapital auf: Anfang dieser Woche hat Alibaba weitere 140 Millionen Dollar investiert, um mehr Nutzer für seine Online-Dienste zu gewinnen.
Manche Analysten zweifeln daran, wie lange der Investitionswettkampf in der chinesischen Tech-Branche noch nachhaltig sein kann. „Der Optimismus, dass die steigende Nachfrage nach KI zu bedeutenden Gewinnsteigerungen bei chinesischen Cloud-Computing-Unternehmen führen wird, ist nach wie vor unangebracht“, sagt etwa Robert Lea, Analyst bei Bloomberg Intelligence.
Vielmehr würden der anhaltende Preiskampf und die parallel dazu steigenden Energiekosten in den kommenden drei Jahren weiterhin für Verluste in der Branche sorgen.
Der Verkauf von Anleihen, die in Aktien umgewandelt werden können, ist in Asien im Jahr 2025 stark angestiegen und steuert auf ein Mehrjahreshoch zu. Anleihen stellen aktuell eine kostengünstigere Alternative zur Liquiditätsbeschaffung dar als herkömmliche Bonds. Insbesondere im Umfeld hoher Zinssätze und steigender Aktienkurse ist der Markt für Wandelanleihen besonders attraktiv.
Alibaba hat im vergangenen Jahr Wandelanleihen im Wert von fünf Milliarden US-Dollar aufgenommen – zu diesem Zeitpunkt eine Rekordemission. Diesen Rekord könnte die Firma bereits bald einstellen. Schon im Juli nahm das Unternehmen über 1,5 Milliarden US-Dollar durch den Verkauf von Anleihen ein, die in Aktien einer Tochter werden können.