Chipindustrie: AMD greift Nvidia mit OpenAI-Bündnis an
Die Lieferungen des milliardenschweren Auftrags sollen im zweiten Halbjahr 2026 beginnen. Außerdem habe der Entwickler von ChatGPT die Möglichkeit, mit bis zu zehn Prozent bei AMD einzusteigen.
„Wir stehen damit im Zentrum des globalen Ausbaus von KI-Kapazitäten“, sagte Su während einer Präsentation für Investoren. „OpenAI sendet ein klares Signal.“ AMD sei der richtige Partner für besonders anspruchsvolle KI-Lösungen.
Im frühen Handel in New York stieg der Aktienkurs von AMD daraufhin am Montag um mehr als 30 Prozent auf rund 220 Dollar. Die Papiere von Nvidia gaben dagegen gut zwei Prozent auf etwa 183 Dollar nach.
Der Umsatz aus der Vereinbarung wird sich AMD-Finanzvorstand Jean Hu zufolge auf „mehrere zehn Milliarden Dollar“ belaufen. Der OpenAI-Auftrag könnte zudem als Vorbild für Aufträge weiterer potenzieller Abnehmer dienen, sagte AMD-Marketingchef Mat Hein.
Nvidias Marktanteil bei rund 80 Prozent
OpenAI-Chef Sam Altman sagte: „Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt zum Aufbau der Rechenkapazität, die erforderlich ist, um das volle Potenzial der KI auszuschöpfen.“ AMD besetze eine „Führungsposition im Bereich der Hochleistungschips“. Diese werde es OpenAI ermöglichen, „die Vorteile fortschrittlicher KI schneller für alle verfügbar zu machen“.
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OpenAI werde die ersten KI-Chips vom Typ „MI450“ im kommenden Jahr erhalten. Die zusätzlichen Prozessoren brächten den KI-Entwickler seinem Ziel näher, dringend benötigte Rechenkapazitäten aufzubauen, sagte Altman. Sein Unternehmen ist unter anderem federführend am US-Projekt „Stargate“ zum Bau zahlreicher neuer KI-Rechenzentren beteiligt.
OpenAI hat sich die Option gesichert, bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zum Preis von jeweils 0,01 Dollar zu übernehmen. Das kann in mehreren Schritten geschehen und ist an bestimmte Erfolge gekoppelt. Unter anderem muss sich der Aktienkurs auf 600 Dollar verdreifachen.
Mit seinen Grafikprozessoren, den sogenannten GPUs, beherrscht Nvidia das Geschäft mit KI-Chips. Experten schätzen den Marktanteil auf mehr als 80 Prozent. Prozessoren funktionieren sozusagen als Gehirn eines jeden Rechners. AMD ist die Nummer zwei in dem Geschäft, tut sich bislang aber schwer gegen die Übermacht von Nvidia.
KI-Branche bemüht, sich von Nvidia zu emanzipieren
Für Experten ist es wenig überraschend, dass sich Nvidias Kunden nach Alternativen umschauen. Tanjeff Schadt, Chipexperte der Beratungsgesellschaft Strategy&, sagt: „Viele Unternehmen suchen einen Weg, sich aus der starken Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter zu lösen.“
Dass sich Nvidia an OpenAI beteilige und OpenAI wiederum bei AMD einsteige, sei ein Trend, der erst seit Kurzem zu beobachten sei. Schadt sagt: „Solche Konstellationen sind Ausdruck einer neuen Qualität von Partnerschaften, die weit über klassische Lieferbeziehungen hinausgehen.“ Feste Lieferzusagen sind demnach durchaus ein Vorteil für OpenAI, wenn GPUs knapp seien.
Nach Ansicht von Martin Geißler, Chipexperte der Beratungsgesellschaft Advyce, baut sich inzwischen ein Industriekonglomerat in Amerika auf. „Die gesamte US-Chipindustrie vereinigt sich.“ In dessen Zentrum stehe OpenAI, das den Zugang zu den Endkunden in der Hand habe.
Gaurav Gupta, Analyst bei Gartner, sagt: „Die Frage drängt sich auf: Wie will OpenAI all das bezahlen?“ Das sei derzeit völlig unklar. Für die Chipanbieter sei OpenAI trotzdem der momentan verheißungsvollste Auftraggeber. „Jeder möchte bei denen seinen Fuß in der Tür haben“. Es sei allerdings selbst für Experten inzwischen schwierig, die vielen KI-Deals in den USA nachzuvollziehen.
Der OpenAI-Auftrag könnte als Vorbild für Aufträge weiterer potenzieller Abnehmer dienen, sagte AMD-Marketingchef Hein der Nachrichtenagentur Reuters. „Dies ist eine Pionierleistung, die eine Menge Einfluss auf das Ökosystem der Branche hat.“ Insgesamt erhofft sich AMD für die kommenden Jahre mit KI-Chips zusätzliche Umsätze von mehr als 100 Milliarden Dollar.
Im vergangenen Quartal erzielte Nvidia einen Umsatz von 46,7 Milliarden Dollar, 56 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn stieg um 59 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar. Nvidia erwirtschaftet damit rund ein Drittel aller Erlöse der Halbleiterindustrie. AMD kam demgegenüber im zweiten Quartal auf Erlöse von 7,7 Milliarden Dollar, 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn stieg um 709 Prozent auf 872 Millionen Dollar.
KI-Entwickler wie OpenAI und Meta sowie Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft bemühen sich seit Längerem, ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Sie setzen dabei neben AMD-Produkten auf selbst entwickelte KI-Chips. OpenAI kooperiert hierfür mit dem Halbleiterhersteller Broadcom.
Auch mit AMD arbeitet OpenAI seit mehreren Jahren zusammen. Der ChatGPT-Macher liefert dem Chipkonzern Input für die Entwicklung von KI-Prozessoren. Diese Informationen sind unter anderem in das Modell „MI300X“ eingeflossen.
Mit Agenturmaterial