Inside Innovation: Algorithmus als Klimakiller: Was die Tech-Branche gegen ihr schmutziges Geheimnis tut
Wo Daten verarbeitet werden, braucht es Energie – und die geht in Form von Abwärme auch in die Umgebung über.
Foto: Mauritius Images [M]Düsseldorf. Egal, wie es mit der Gas- und Ölkrise weitergeht: Solange in Frankfurt die Großrechner laufen, werden es die Bewohner in Westville kuschelig warm haben. Denn durch ihre Heizungsrohre soll Wasser laufen, das die Server eines Rechenzentrums erhitzen – kostenlos. Laut Plan dürften 60 Prozent des Energiebedarfs in dem neuen Quartier mit der Abwärme gedeckt werden.
Mit dem Pilotprojekt gehen das IT-Unternehmen Telehouse Deutschland und der Energieversorger Mainova auch ein immer drängenderes Problem an: Es geht darum, dramatische Klimafolgen der Digitalisierung abzuwenden.
„Die Digitalisierung kann schnell zu einem Klimaproblem werden“, sagt Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam. Die Technologie habe zwar eine positive Wirkung beim Schutz der Umwelt und des Klimas, aber die CO2-Emissionen der Digitalisierung selbst seien bereits doppelt so hoch wie die des globalen Flugverkehrs.
Allein für die Digitalwährung Bitcoin werde so viel Strom benötigt, wie ganz Belgien verbrauche. Der Professor für Internet-Technologien befürchtet einen Imageschaden: „Ich habe eine Riesensorge, dass in der Diskussion eine Digitalisierungsscham aufkommt“ – und die Nutzung eines Tages so verpönt sein könnte wie Flugreisen.