Stargate: Das nächste Wettrüsten um die Künstliche Intelligenz hat begonnen

Infrastruktur ist Macht in der digitalen Welt. Wer die Rechenzentren betreibt, die Stromversorgung sichert und die Datenströme lenkt, kontrolliert die technologische Zukunft. Mit dem Stargate-Projekt wollen die USA genau diese Kontrolle sichern.
Die Vereinigten Staaten sind heute schon Weltmacht gemessen an der Leistung ihrer Datenzentren. Allein Amazon, Microsoft, Google und Meta haben laut Berechnung der Dell’Oro-Gruppe mehr als 180 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr in ihre Rechenkapazitäten gesteckt. Die Serverfarmen sind mittlerweile so groß, dass sie aus dem Weltraum zu erkennen sind.
Das Stargate-Projekt zeigt, wie ernst es die USA mit KI-Infrastruktur nehmen. Die USA wollen nicht nur an der Spitze in der Entwicklung von Anwendungen sein. Sie wollen auch die Kapazitäten schaffen, um KI-Systeme der nächsten Generationen zu trainieren, zu entwickeln und zu betreiben.
Datenzentren, Halbleiter, Energieversorgung und Software – die USA möchten die gesamte Wertschöpfung im Bereich Künstliche Intelligenz abdecken.
Die Wahl der Technologiepartner im Stargate-Konsortium ist kein Zufall. Nvidia liefert die Grafikprozessoren, die entscheidend für das Training von KI-Modellen sind, OpenAI kümmert sich um die Abstimmung mit KI-Modellen, und Microsoft sorgt für die nötige Softwareintegration. Die Kombination aus Kapital, technologischem Know-how und politischer Rückendeckung macht das Projekt so mächtig – und für Europa so bedrohlich.
Natürlich hat gerade Donald Trump in der Vergangenheit Ankündigungen gemacht, die überzogen waren. Auch im Hinblick auf die beteiligten Firmen wurde nicht ganz klar, wie sich die bis zu 500 Milliarden Dollar zusammensetzen und wer letztlich die Geldgeber sein werden. Aber selbst wenn nur ein Teil des Geldes fließt, bauen die USA ihre KI-Vormachtstellung aus.
Europa hadert – mal wieder
In Europa fehlt es an Ankündigungen in ähnlichen Dimensionen. Europa hadert – mal wieder. In der Vergangenheit wurden etliche Chancen verspielt. Seit Jahren zeichnet sich ab, dass bei digitaler Infrastruktur eine riesige Kluft zwischen den USA und Europa entsteht. Alle Dax-Konzerne nutzen Rechenkapazitäten aus den USA.
Schon 2019 wollte der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire eine Antwort auf die Macht der großen US-Rechenzentrumsbetreiber liefern. Aus der deutsch-französischen Initiative ging Gaia-X hervor. Sechs Jahre später fällt die Bilanz dieses Vorhabens sehr dünn aus. Der geplante souveräne Datenraum ist bis heute nicht wirklich ans Laufen gekommen.
Abhängigkeit von US-Cloud-Firmen ist groß
Die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von US-amerikanischen Cloud-Firmen ist gleichzeitig massiv gewachsen. Großkonzerne wie die Deutsche Telekom und SAP fuhren ihr eigenes Angebot an Serverkapazitäten zurück. Selbst der Staatskonzern Deutsche Bahn schaltete 2020 seine eigenen Server ab und setzt dafür auf die US-Anbieter Amazon und Microsoft. Anbieter aus Deutschland und Europa gingen damals leer aus.
Es gibt zwar wichtige Initiativen in Europa. Dahinter stehen OVH aus Frankreich oder Ionos und die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe aus Deutschland. Sie sind im Vergleich zu Wettbewerbern aus den USA aber viel zu klein.
Stargate ist ein Weckruf. Europa hat keine Zeit mehr zu verlieren, wenn es nicht nur als Konsument US-amerikanischer Infrastruktur dastehen will. Es geht nicht nur um Technik – es geht um die Frage, wer die Spielregeln der Zukunft schreibt.
