Start-up-Check: Berliner Rüstungs-Start-up bringt zivile Technologien an die Front
Berlin. Leonard Wessendorff ist überzeugt, eine Lücke bei der territorialen Überwachung schließen zu können. Es geht um die Überwachung großflächiger Gebiete an der Front. Ihm zufolge gibt es trotz Drohnen und Satelliten bisher kaum Möglichkeiten, dies umfangreich, vernetzt und automatisiert zu tun. Deswegen hat der Reserveoffizier im vergangenen Jahr das Start-up Project Q gegründet.
„Herkömmliche Radarsysteme reichen in der Ukraine nicht mehr aus“, sagt Wessendorff. Project Q soll dabei helfen, dass sich Armeen ein besseres Bild von der Situation machen können. Dafür hat das Berliner Unternehmen eine Softwareplattform entwickelt, in die Daten aus einem Netz von Sensoren und anderen Datenquellen einfließen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt Project Q anhand dieser Informationen ein Lagebild in Echtzeit.
Investoren sind von der Geschäftsidee begeistert, zivile Fähigkeiten mit konventionellen militärischen Systemen zusammenzubringen. Nun erhielt die noch sehr junge Firma 7,5 Millionen Euro, um ihr Wachstum anzukurbeln. Erste Aufträge von der Bundeswehr gibt es schon. Auch Großunternehmen sind bereits aufmerksam geworden. „Wir sind mit einigen europäischen Rüstungskonzernen im Gespräch“, sagt Wessendorff.
Was genau macht Project Q?
Die Idee orientiert sich am „Internet of Things“ (IoT), das Verbrauchern täglich in Form von vernetzten Haushaltsgeräten, Fitnesstrackern oder Parkplatzsensoren begegnet. Die Überwachung der Geräte regelt in den meisten Fällen das Smartphone. Ähnlich ist das bei Project Q, wo alle Daten – von Sensoren aus der Luft und am Boden – in die „Q-OSP“ genannte Plattform einfließen.
„Wir kommen ins Spiel, wenn jemand ein breites Aufklärungsinteresse hat und dafür Tausende oder Zehntausende Sensoren benötigt“, sagt Wessendorff. Inzwischen integriere die Firma auch marktverfügbare Sensoren beispielsweise von Infrarotkameras: „Dadurch gibt es keine Lieferengpässe, und die Sensoren sind günstiger.“
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Wessendorff ist sich sicher, mit Project Q einen wichtigen Bedarf anzusprechen: „Moderne Verteidigung braucht einfach schnellere Innovationszyklen und vernetzte Systeme, die europaweit genutzt werden können.“ Inzwischen gibt es dafür auch einen neuen Begriff: „Internet of Defence“ (IoD). Dabei handelt es sich um ein vernetztes Ökosystem von militärischen Systemen und Sensoren, die miteinander kommunizieren und Daten austauschen.
Wer steht hinter Project Q?
Project Q wurde erst im April 2024 von Leonard Wessendorff und Frank Christian Sprengel gegründet. Vor der Gründung arbeitete Wessendorff unter anderem für den deutschen Rüstungskonzern Hensoldt. Die beiden Gründer kennen sich seit vielen Jahren: Sie lernten sich bei der Reserveoffiziersausbildung kennen.
Gleich nach der Gründung sammelten die beiden bei Geldgebern eine Anschubfinanzierung ein. Jetzt kamen noch mal 7,5 Millionen Euro dazu.
Die jüngste Finanzierungsrunde wurde von dem Berliner Risikokapitalgeber Project A angeführt, der auch in den KI-Robotik-Anbieter Arx Robotics sowie die Drohnenfirma Quantum Systems investiert hat. Mit von der Partie waren außerdem der Expeditions Fund aus Polen, der auch am Münchener Drohnenabwehrspezialisten Alpine Eagle beteiligt ist, und Superangel aus Estland.
Was sagen Investoren?
Uwe Horstmann, Partner bei Project A, ist früh auf Project Q aufmerksam geworden. Er ist überzeugt: „Was Leonard und sein Team entwickeln, ist ein echter Gamechanger.“ Project Q mache es möglich, moderne Verteidigungstechnologie erstmals als zusammenhängendes System nutzbar zu machen. Dadurch werde Komplexität in Handlungsfähigkeit verwandelt.
Eine große Rolle spielt Project Q auch bei einem Projekt der Bundeswehr zur Luftraumüberwachung mithilfe von KI. „Unsere Tests haben belegt, wie vielversprechend die Technologie ist – gerade auch mit der geplanten Erweiterung um die Videoaufklärung und der möglichen Integration weiterer Sensoren“, sagt der Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, Sven Weizenegger.
Wie geht es weiter?
Das neue Geld fließt jetzt erst einmal in die Weiterentwicklung der Plattform Q-OSP und in erste Skalierungsprojekte mit europäischen Streitkräften und Sicherheitsbehörden. Zudem will Wessendorff das Team deutlich erweitern, das derzeit noch aus rund 20 Mitarbeitern besteht. „Ich habe zuletzt vor allem Mitarbeiter eingestellt, die zuvor für Autokonzerne gearbeitet haben“, sagt er.
Geschwindigkeit ist Wessendorff dabei in allen Belangen wichtig: „Wir rennen offene Türen ein.“ Da ist es wichtig, die Lösungen schnell einsatzfähig zu machen.