Textroboter: OpenAI schaltet Werbung in ChatGPT – Geld fließt in KI-Ausbau
San Francisco. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI will künftig auch Werbung in seinem Textroboter schalten. Die Anzeigen sollen in den kommenden Wochen zunächst bei Nutzern in den USA erscheinen, die die kostenlose Version oder das günstigere „Go“-Abo nutzen, wie das von Microsoft unterstützte Unternehmen am Freitag mitteilte.
OpenAI versicherte, dass die Werbung keinen Einfluss auf die von seiner Künstlichen Intelligenz (KI) generierten Antworten habe und strikt von diesen getrennt werde. Zudem würden keine Gesprächsinhalte an Werbekunden weitergegeben. Für Nutzer der teureren Abonnements wie „Plus“ (20 Dollar pro Monat), „Pro“ (200 Dollar) oder „Enterprise“ soll der Dienst werbefrei bleiben.
Der Schritt markiert eine Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell, das sich vor allem auf Abonnements stützte. OpenAI steht unter Druck, die Einnahmen zu steigern, um den massiven Ausbau von Rechenzentren zu finanzieren und sich auf einen erwarteten Börsengang vorzubereiten. Analysten sehen in den 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern ein großes Umsatzpotenzial, warnen aber auch vor Risiken.
Sollten die Anzeigen als störend empfunden werden, könnten Nutzer zu Konkurrenten wie Google oder Anthropic wechseln, warnte der Emarketer-Analyst Jeremy Goldman. Parallel zur Werbeoffensive weitet OpenAI das „Go“-Abo, das in den USA acht Dollar pro Monat kosten soll, weltweit aus.
Produktoffensive bei OpenAI
OpenAI hatte in den vergangenen Wochen zum einen eine Produktoffensive verkündet, ist zum anderen aber deutlich unter Druck durch konkurrierende Anbieter geraten.
Anfang Januar hatte OpenAI mehrere Produkte für das Gesundheitswesen vorgestellt, die Krankenhäuser und Ärzte dabei unterstützn sollen, „eine konsistente und qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu gewährleisten“ und zugleich rechtliche Anforderungen zu erfüllen, wie OpenAI mitteilte. Dazu gehört „ChatGPT für das Gesundheitswesen“, und eine neue Schnittstelle (API), die einen Großteil des Gesundheitsökosystems unterstütze.
OpenAI wurde ursprünglich als Forschungslabor gegründet, um eine künstliche Superintelligenz zu entwickeln (AGI genannt). Zuletzt machte das Unternehmen aus San Francisco aber weniger mit AGI-Fortschritten von sich reden, sondern mit geplanten neuen Angeboten rund um Erotik-Chatbots, Shopping und nun auch Werbung.
Erst Anfang Dezember hatte OpenAI-Chef Sam Altman „Code Red“ ausgerufen – die höchste Dringlichkeitsstufe bei Vorhaben des Unternehmens. Das Ziel: die Qualität des Textroboters ChatGPT deutlich verbessern. Demnach lenkt das Start-up interne Ressourcen um, um die Entwicklung von ChatGPT zu beschleunigen. Die Arbeit an anderen Initiativen, darunter autonomen KI-Agenten, dürfte sich demnach verzögern.
Zuletzt hatte Gemini, der KI-Assistent des Suchmaschinenriesen Google, OpenAIs Angebote laut Vergleichstest in mehreren Kategorien überholt.
Hohe Zahlungsverpflichtungen
OpenAI steht unter Druck, den Umsatz zu steigern und so die milliardenschweren Zahlungsverpflichtungen gegenüber Partner wie Oracle zu erfüllen, die sich aus dem angekündigten Ausbau von Datenzentren für KI-Berechnungen ergeben.
Im Oktober hatte Altman erklärt, OpenAI habe sich hierfür zu Ausgaben über 1,4 Billionen Dollar verpflichtet. Umso stärker drängt die Monetarisierung der bisherigen Angebote.
Im Dezember hatte das Portal „The Information“ berichtet, OpenAI befinde sich in ersten Gesprächen mit Investoren über eine neue Finanzierungsrunde. Das Unternehmen könnte demnach womöglich bis zu 100 Milliarden Dollar einwerben zu einer neuen Bewertung von rund 750 Milliarden Dollar.
Mit Material von Reuters.