Komoot-Käufer: Das ist das unbekannte Tech-Unternehmen Bending Spoons
Rom. Das italienische Tech-Unternehmen Bending Spoons will AOL kaufen, für 1,4 Milliarden US-Dollar. Über diesen Deal berichtete die Nachrichtenagentur Reuters vor wenigen Tagen.
Die Nachricht überrascht mehrfach:
- Erstens passiert es nicht alle Tage, dass ein italienisches Unternehmen einen US-Softwarekonzern übernimmt – noch dazu einen weltweit bekannten, wenngleich etwas in die Jahre gekommenen.
- Zweitens dürfte kaum jemand den Käufer kennen – obwohl viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt seine Produkte Tag für Tag nutzen.
Bending Spoons ist eine der größten Tech-Firmen Europas: Dem 2013 gegründeten Unternehmen mit Sitz in Mailand gehören über 100 digitale Produkte, die nach eigenen Angaben monatlich von rund 300 Millionen Nutzern verwendet werden und elf Millionen zahlende Kunden haben. Dazu zählen bekannte Programme wie die Notiz-App Evernote, die KI-Bildbearbeitung Remini und der Datenversendedienst WeTransfer.
Bending Spoons hat keines der Unternehmen hinter diesen Marken gegründet. „Statt Produkte von null auf zu entwickeln, identifizieren wir digitale Unternehmen mit unausgeschöpftem Potenzial, kaufen sie und verbessern sie radikal“, sagt Luca Ferrari, Chef und Mitgründer.
Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups setzt Bending Spoons dabei nicht auf spekulative Ideen, sondern nur auf Unternehmen mit Produkten, die bereits am Markt etabliert sind und eine treue, teils zahlende Nutzerbasis haben.
„Wir kaufen, um zu behalten. Nicht, um zu verkaufen“, sagt Ferrari. Das macht Bending Spoons zu einem Hybrid: 25 Prozent Private Equity, 75 Prozent Tech-Unternehmen. Diese Strategie hat sich bewährt: Zwölf Jahre nach seiner Gründung wird Bending Spoons heute mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. Tendenz: steigend.