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QuartalszahlenTech-Branche fürchtet Einbruch des Werbegeschäfts – Snap-Aktie stürzt ab

Das Werbegeschäft bei Snap bricht ein und zieht Konzerne wie Meta und Google herunter. Analysten erwarten weitere Rückschläge, sehen aber auch Chancen.Felix Holtermann, Stephan Scheuer 22.07.2022 - 23:07 Uhr Artikel anhören

Das einst heiß gehandelte Unternehmen schockte die Anleger mit den Quartalszahlen.

Foto: dpa

San Francisco, New York. Der Foto-Dienst Snap hat mit unerwartet schlechten Zahlen die Branche in Schock versetzt. Denn Snap ist ein wichtiger Frühindikator für die US-Technologiebranche. Die Firma aus San Francisco legt als eine der ersten Zahlen vor. Sie geben einen Ausblick auf die Umsätze in der Branche.

Das sonst rasante Umsatzwachstum sank im vergangenen Quartal auf ein mageres Plus von 13 Prozent. Am Freitag brach die Börsenbewertung um rund ein Drittel ein. Seit dem Höchststand im September hat Snap rund 90 Prozent an Marktkapitalisierung verloren.

Die von Snap am späten Donnerstag vorgelegten Zahlen drückten sogleich andere Tech-Werte ins Minus: Die Papiere von Suchmaschinenbetreiber Google verloren am Freitag rund fünf Prozent. Kommende Woche legen der Google-Mutterkonzern Alphabet (Dienstag), der Facebook-Konzern Meta (Mittwoch) und Apple (Donnerstag) Quartalszahlen vor.

Forrester-Analystin Sucharita Kodali erwartet, dass sich die Entwicklung bei Snap auch bei den anderen Tech-Konzernen widerspiegelt, aber nicht eins zu eins: „Digitale Anzeigen werden meist in großen Körben geordert“, also über mehrere Plattformen hinweg, sagte sie dem Handelsblatt.

Das geringe Verbrauchervertrauen und die Erwartung einer sinkenden Nachfrage in den kommenden Monaten dürfte die Werbetreibenden veranlassen, sich vorerst zurückzuhalten. Sollte die Verbrauchernachfrage jedoch im weiteren Jahresverlauf robust bleiben, dürften sich die Werbeausgaben wieder erholen, so Kodali.

Tech-Ergebnisse als Börsenbarometer

Laut Wedbush-Analyst Dan Ives sind die Tech-Erträge kommende Woche „ein wichtiges Barometer für das Nachfrageumfeld.“ Die Börse erwarte die Zahlen mit Spannung, „um die Verbraucher- und Unternehmensnachfrage in einem sich abschwächenden Makroumfeld besser beurteilen zu können“.

Snap habe ein „katastrophales Quartal“ abgeliefert, und generell gebe es „dunkle Gewitterwolken am Horizont“. Allerdings, so Ives, sei Snap „kein phänomenales Barometer“ für den gesamten Werbemarkt. So hätten erst die Twitter-Zahlen am Freitag gezeigt, „dass die Ausgaben für digitale Werbung nicht wie befürchtet komplett in den Abgrund stürzen“ – ein positives Signal für Meta und Google.

Für Apple, das kommende Woche ebenfalls Zahlen vorlegt, ist Ives optimistisch: „Die iPhone-Nachfrage hält sich trotz Sturmwolken.“ Entscheidend werde jedoch die Entwicklung in den beiden Schlussquartalen des Jahres sein und die weitere Produktpipeline. Microsoft wiederum könnte von starken Zahlen des Cloud-Geschäftsfelds Azure profitieren, so Ives.

Klar sei jedoch schon heute, dass „Microsoft und andere Tech-Unternehmen die Einstellung von Mitarbeitern auf breiter Front verlangsamen“. Die Nachfrage im Jahr 2023 könne „an allen Ecken und Enden unter Druck geraten“.

Wie das Magazin „The Information“ vor Kurzem berichtet, hat Google einen zweiwöchigen Einstellungsstopp angekündigt, um die eigene Ressourcenplanung zu überprüfen. Auch Meta hatte Einsparungen angekündigt. Und am Montag war durchgesickert, dass Apple die Kosten strikter kontrollieren will.

Starke Zahlen bei Youtube erwartet

Laut Bernstein-Analyst Mark Shmulik könnte beim Werbemarkt in der kommenden Woche die Reisebranche im Fokus stehen. Diese hatte nach dem zwischenzeitlichen Coronaniedergang eine Sonderkonjunktur erlebt: Die aufgestaute Nachfrage trieb das Geschäft mit Reiseanzeigen an. Nun könnte sich der Markt jedoch normalisieren, so Shmulik. Wenn die Nachfrage nach Reisen hoch ist, bräuchten Reiseunternehmen nicht mehr weiter so viel zu werben. „Dadurch sinken ihre Akquisitionskosten“, was weniger Einnahmen für Google und Co. bedeute.

Außerdem, so Shmulik, könnte eine weitere Sonderkonjunktur enden und das Google-Ergebnis negativ beeinflussen: Nachdem Apple 2021 im Interesse des Datenschutzes mit einem Update für sein mobiles Betriebssystem iOS gezielte Werbung auf Mobilgeräten limitierte, verlor allein Meta Werbeeinnahmen im Volumen von rund zehn Milliarden Dollar.

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In der Folge verlagerten Werbekunden Teile ihrer Budgets auf Android- und Google-Anzeigen. Das trieb die Preise in die Höhe. Doch nun könnte der Gipfel erreicht sein, erklärte Shmulik. Auch Google hatte im Februar strengere Datenschutzvorgaben angekündigt.

Möglich ist aber auch, dass der Suchmaschinenkonzern die Erwartungen übertrifft. Ed Foster von der Mediaagentur GroupM verwies gegenüber dem Magazin „Business Insider“ auf positive Signale bei der Videoplattform Youtube, die ebenfalls zu Google gehört: Große Werbekunden hätten im ersten und zweiten Quartal ihre Ausgaben auf Youtube um 15 bis 30 Prozent gesteigert.

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