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SAP-HauptversammlungGroße Investoren kritisieren Nachfolge von Hasso Plattner

Man kennt sich – schon zu lange? Pekka Ala-Pietilä war bei SAP 19 Jahre Aufsichtsrat und wird nun Chefkontrolleur. Einige Anteilseigner verweigerten ihm jedoch die Zustimmung.Christof Kerkmann 15.05.2024 - 16:16 Uhr aktualisiert
SAP-Mitgründer Hasso Plattner (l.) übergab am Mittwoch die Führung des Aufsichtsrats an Pekka Ala-Pietilä. Foto: Uwe Anspach/dpa

Mannheim. Die Hauptversammlung von SAP war 2024 eine besondere: An diesem Mittwoch leitete Hasso Plattner letztmalig als Aufsichtsratsvorsitzender durch die Veranstaltung – und dabei bekam der einflussreiche Mitgründer von den Investoren viel Lob und Dank für sein Lebenswerk zu hören.

Die Nachfolge des Patriarchen sorgte beim Aktionärstreffen indes für Misstöne. Einige Investoren kritisierten das Hickhack um die Personalplanung: Wegen interner Konflikte soll nicht wie geplant der frühere Deloitte-Chef Punit Renjen (63) den Vorsitz übernehmen, sondern der frühere Nokia-Vorstand Pekka Ala-Pietilä (67).

Der Manager sei zwar ein „ausgewiesener Technologieexperte“, sagte Markus Golinski, Fondsmanager bei Union Investment, laut Redemanuskript. Allerdings habe er dem Aufsichtsrat bereits von 2002 bis 2021 angehört. „Warum findet sich unter den aktuellen Aufsichtsratsmitgliedern niemand, der zumindest übergangsweise den Vorsitz übernehmen kann? Gute Governance sieht anders aus.“

Ala-Pietilä hat Rückhalt bei Stimmrechtsberatern und Gründerfamilien

„Der Prozess war verkorkst“, sagte auch Ingo Speich, Fondsmanager bei Deka Investment. Der Aufsichtsrat habe damit viel Vertrauen am Kapitalmarkt zerstört. Die beiden deutschen Fondsgesellschaften kündigten daher an, gegen die Wahl des Finnen zu stimmen.

Die meisten Investoren störten sich nicht daran. So empfahlen die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis die Wahl des finnischen Topmanagers. 95,5 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre votierten schließlich für Ala-Pietilä. Vorstand und Aufsichtsrat entlasteten die Anteilseigner sogar mit mehr als 99 Prozent.

Softwarehersteller

„Platz in der Geschichte neben anderen Genies“: Gründer Hasso Plattner geht – wie macht SAP ohne ihn weiter?

Die Planänderung sei für viele überraschend gekommen, gab Plattner gegenüber den Aktionären zu. Der Aufsichtsrat habe sich aber mit Renjen bewusst auf eine Einarbeitungszeit geeinigt – in dieser Phase seien „grundlegend unterschiedliche Vorstellungen“ über die Rolle an der Spitze des Gremiums deutlich geworden. Daher gebe es „keine gemeinsame Grundlage“ für eine Zusammenarbeit.

Ala-Pietilä sei ein exzellenter Kandidat, warb Plattner: „Er ist eine versierte Führungspersönlichkeit mit herausragender Expertise.“ Zudem sei er sowohl mit der Arbeitsweise des SAP-Aufsichtsrats als auch mit der deutschen Corporate Governance – also den Regeln für die Unternehmensführung – vertraut.

„Niemand kann Hassos Fußstapfen ausfüllen“

Der 67-jährige Finne war mehr als 20 Jahre bei Nokia tätig, wo er die Handysparte führte, als diese weltweit führend war. Danach engagierte er sich in mehreren Start-ups. „Ich habe Teams in globalen Hightech-Unternehmen geleitet“, beschrieb er sich am Mittwoch selbst.

Auch das Mandat bei SAP sieht er als Teamaufgabe. „Offen gesagt kann niemand Hassos Fußstapfen ausfüllen, und es wäre ein Riesenfehler, es überhaupt zu versuchen.“ Als Nachfolger müsse er „auf eine ausgeklügelte Weise“ mit den Mitgliedern des Aufsichtsrats zusammenarbeiten, um das Werk von Plattner fortzusetzen.

Ala-Pietilä ist für zwei Jahre nominiert und gilt daher als Übergangskandidat: In dieser Amtszeit soll der Aufsichtsrat einen langfristigen Nachfolger für Plattner suchen. Deka-Fondsmanager Speich hält diesen Prozess indes für zu langwierig. „Daher appellieren wir für die Nominierung eines unabhängigen, idealerweise externen Kandidaten zur nächsten Hauptversammlung.“

Die Amtsübergabe erfolgt zu einem Zeitpunkt, in dem SAP geschäftlich gut dasteht: Die strategische Neuausrichtung auf das Geschäft mit Clouddiensten kommt voran, die Aktie des Softwareherstellers hat in den vergangenen Monaten mehrfach neue Rekordstände erreicht.

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Am Mittwoch notierte das Papier bei 175 Euro, nur wenig unter dem Allzeithoch. Die Aktionäre profitieren zudem von einer steigenden Dividende. SAP schlägt eine Ausschüttung von 2,20 Euro pro Papier vor.

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