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Tiktok-Übernahme Satya Nadella plant die teuerste Übernahme seiner Amtszeit – und geht damit voll ins Risiko

Der Microsoft-Chef platziert seinen Konzern ins Auge eines Orkans: Er will die chinesische Video-Plattform Tiktok übernehmen. Doch auch Twitter hat offenbar Interesse.
09.08.2020 - 15:00 Uhr 1 Kommentar
Der Microsoft-Chef posiert im firmeneigenen Software-Labor in Redmond. Quelle: IAN C. BATES/The New York Times//Redux/laif
Satya Nadella

Der Microsoft-Chef posiert im firmeneigenen Software-Labor in Redmond.

(Foto: IAN C. BATES/The New York Times//Redux/laif)

San Francisco, New York Als Satya Nadella Ende Juli Microsofts Quartalszahlen vorstellte, war er in seinem Element: Der Chef des zweitwertvollsten Technologiekonzerns der Welt konnte weiter rasantes Wachstum im Cloudgeschäft präsentieren. Microsofts Algorithmen zur Sprachgenerierung würden immer besser, die 2018 übernommene Entwickler-Plattform Github vernetzt mehr und mehr Programmierer unter Microsofts Unternehmenskunden.

Mit seinem Fokus auf die wenig glitzernden Softwareprodukte für Unternehmen fährt Microsoft unter Nadella bestens. Initiativen in heiß umkämpfte Endkonsumentenmärkte wie Smartphones, soziale Netzwerke oder Musikdienste hat der gebürtige Inder zugunsten von Cloud und Künstlicher Intelligenz zurückgefahren, seit er 2014 die Nachfolge seines exaltierten Vorgängers Steve Ballmer angetreten hat. Microsofts Aktie hat ihren Wert seitdem versechsfacht, nach Apple ist Microsoft der wertvollste Tech-Konzern der Welt.

Nun will Nadella das Amerika-Geschäft von Tiktok übernehmen. Warum nur?

Der Kauf des bei Jugendlichen in den USA und Europa beliebten Dienstes scheint allen Lehren zu widersprechen, die Nadella aus den erfolglosen Ballmer-Jahren gezogen hat. Es könnte die teuerste Übernahme in Nadellas Amtszeit werden, und das in einem Bereich, der mit Microsofts Kerngeschäft wenige Überschneidungen hat.

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    Und eine Übernahme platzierte Microsoft, das Kontroversen mit Nadella und Präsident Brad Smith am Steuer elegant umschiffte, ins Auge eines politischen Orkans.

    Denn Bytedance, der Tiktok-Eigentümer aus China, verkauft nur unter dem Zwang der US-Regierung von Präsident Donald Trump. Wegen angeblicher Bedenken, Daten von US-Nutzern könnten nach China abfließen, wollte Trump Tiktok erst verbieten. Nadella konnte ihn in einem Gespräch umstimmen.

    Microsoft bekommt überraschend Konkurrenz

    Trump gibt dem „großartigen amerikanischen Unternehmen“ Microsoft nun bis zum 15. September Zeit, Übernahmebedingungen mit Bytedance auszuhandeln. Um den Druck zu erhöhen, erließ Trump am Donnerstag eine Exekutivanordnung, die wenige Tage danach US-Unternehmen Geschäfte mit Tiktok verbietet.

    Trump will Geschäfte mit den Eigentümern von Tiktok und Wechat verbieten

    Doch Microsoft hat am Wochenende überraschend Konkurrenz bekommen. Der Kurznachrichtendienst Twitter habe ebenfalls Gespräche mit Tiktok aufgenommen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Samstag.

    Twitter ist deutlich kleiner als Microsoft und rechne sich daher bessere kartellrechtliche Chancen aus. Allerdings hat Twitter längst nicht so viele Barreserven und bräuchte vermutlich Investoren, die sich an dem Deal beteiligen.

    Nadella kann in der Causa Tiktok dagegen all seine Stärken ausspielen. Der blitzgescheite Manager tritt bescheiden auf und löst, anders als etwa Amazon-Chef Jeff Bezos, keine Animositäten bei Trump aus. Im Gegensatz zu den meisten US-Softwareunternehmen kann er so weiterhin Geschäfte in China treiben.

    Aber Nadella ist darüber hinaus auch ein entschlossener Entscheider, der bereit ist, für die richtige Gelegenheit tief in Microsofts 136 Milliarden Dollar an Cash-Reserven zu greifen. Für das Karriere-Netzwerk LinkedIn gab Nadella schon 2016 rund 26 Milliarden Dollar aus.

    Tiktok könnte noch teurer werden, falls eintritt, was die „Financial Times“ unter Berufung auf Microsoft-Insider mutmaßt: dass der US-Softwarekonzern Bytedance sogar das gesamte Tiktok-Netzwerk abkaufen will.

    Wirtschaftlich und technologisch ergäben zwei geografisch getrennte Plattformen ohnehin keinen Sinn. Sie würden die Kosten duplizieren, aber die Umsätze und das Wachstumspotenzial verringern. Microsoft strebt auch hier eine globale Vermarktung an – wie es der mit 1,6 Billionen Dollar bewertete Konzern gewohnt ist.

    Nadella ist Technologe. Dass sich Microsoft unter seiner Ägide zu einem „Cloud first“-Konzern entwickelte, war keine Überraschung. Die Grundlagen für die Azure-Cloud legte er als Senior-Vizepräsident für Forschung und Entwicklung unter Ballmer selbst. 

    Microsoft fehlt eine Video-Plattform

    Ganz aufgegeben hat Nadella den Endkunden dennoch nie, zumindest was Computerspieler angeht. Seine erste größere Akquisition 2014 war das schwedische Spielestudio Mojang, Entwickler des Spielklassikers Minecraft, für 2,5 Milliarden Dollar.

    Auch die Spielkonsole Xbox wurde unter Nadella weiterentwickelt und wird aktuell um ein Cloud-Gaming-Angebot erweitert, das Computerspielen überall ermöglichen soll.

    Damit das ohne lange Ladezeiten funktioniert, ist ein dichtes Netz an Rechenzentren notwendig. Es ist kein Zufall, dass die großen Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Google alle Cloud-Gaming anbieten.

    Was Microsoft bisher fehlt, ist eine Video-Plattform wie Amazons Twitch oder Googles Youtube, um Millionen Spieler weltweit zu erreichen.

    So ist wohl auch die geplante Tiktok-Übernahme in Verbindung mit Microsofts Spiele- und dem Cloudgeschäft zu verstehen. Neben den Tanz- und Gesangsvideos, für die Tiktok berühmt ist, sind Clips aus Computerspielen als Kategorie auf der Plattform zuletzt stark gewachsen. 

    Zudem könnten all die vorhandenen Tiktok-Videos Microsoft dabei helfen, die Bild- und Spracherkennung seines Cloud-Angebots zu verbessern. Die Algorithmen müssen mit Unmengen an Daten trainiert werden, und Tiktok hat sie.

    Das wäre der Zirkelschluss zu Microsofts langweiligeren Geschäftsbereichen, über die Nadella sonst so gern spricht.

    Mehr: Warum Microsoft Tiktok übernehmen sollte – ein Kommentar

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    1 Kommentar zu "Tiktok-Übernahme: Satya Nadella plant die teuerste Übernahme seiner Amtszeit – und geht damit voll ins Risiko"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist fraglich, ob Microsoft diesen Markt auch versteht. Der chinesische Markt bleibt ihnen ohnehin verwehrt.
      Im Prinzip geht es nur um verwertbare Daten und Schutz der letzten profitablen Industriezweige, sonst würde man nicht soviel Schützenhilfe seitens des amerikanischen Staates bekommen. Wie zufällig gibt es zur Übernahme eine Sanktionierung, das ist an Dreistigkeit und Peinlichkeit kaum noch zu überbieten.

      Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, die Sanktionierung bewirkt, das alle Geschäfte mit TikTok in der USA eingestellt werden müssen. Das gilt für z.b. für Provider, Versicherungen, Dienstleister, Stromversorger, Banken, Anwälte.

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