Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Spekulationen um Übernahme Warum Microsoft auf Tiktok schielt – und warum der Kauf ein großes Risiko wäre

Mit einer Übernahme könnte sich der Softwarehersteller einen populären Facebook-Konkurrenten sichern. Es wäre jedoch in mehrerlei Hinsicht ein Wagnis.
06.08.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der chinesische Konzern Bytedance ist in den geopolitischen Konflikt zwischen den USA und China geraten und könnte nun zum Verkauf der Videoplattform Tiktok an Microsoft gezwungen sein. Quelle: Reuters
Tiktok zwischen den USA und China

Der chinesische Konzern Bytedance ist in den geopolitischen Konflikt zwischen den USA und China geraten und könnte nun zum Verkauf der Videoplattform Tiktok an Microsoft gezwungen sein.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Es geht um Geld, Macht und Eitelkeiten: Verhandlungen über den Verkauf von Unternehmen sind selten einfach. Die aktuellen Gespräche zwischen Microsoft und Bytedance dürften aber besonders schwierig sein – die Manager loten einen Teilverkauf der Videoplattform Tiktok aus, die im Konflikt zwischen den USA und China zwischen die Fronten geraten ist. In diesem Fall geht es also auch um Politik.

Da US-Präsident Donald Trump droht, die App zu verbieten, könnte sich Microsoft die einmalige Gelegenheit bieten, ihr Geschäft in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland zu übernehmen. Die Gespräche bestätigte der Konzern diese Woche in seinem Blog. Die Risiken sind indes enorm.

Selbst bei einem Teilverkauf könnte der Preis mehr als die 26 Milliarden Dollar betragen, die Microsoft 2016 für LinkedIn gezahlt hat. Unklar ist auch, wie sich das Geschäft von Tiktok aus dem Bytedance-Konzern trennen lässt. Für Microsoft hat das Geschäft mit Verbrauchern derzeit eine geringe Bedeutung. Zudem droht eine Ablenkung von der Strategie, mit der der Softwarehersteller derzeit so erfolgreich ist.

Seit Satya Nadella Anfang 2014 die Führung von Microsoft übernommen hat, fokussiert sich der Konzern stark auf Unternehmenskunden. Er betont zwar, dass Microsoft-Produkte beruflich wie privat zum Einsatz kommen, ausschließlich an Verbraucher richten sich aber nur noch wenige, etwa die Suchmaschine Bing, die Spielkonsole Xbox und das Spiel „Minecraft“. Das Geschäft mit Handys hat der Manager ebenso eingestellt wie den Musikdienst Groove oder seinen Fitness-Tracker.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Diese Strategie zahlt sich aus, seit seinem Amtsantritt ist der Aktienkurs von Microsoft um rund 400 Prozent gestiegen, die Marktkapitalisierung erreicht 1,61 Billionen Dollar. Warum also sollte das Management rund um Nadella diese Strategie umwerfen – und sich darüber hinaus in schwierige politische Diskussionen verwickeln, die soziale Netzwerke in diesen Tagen ständig begleiten? „Eine Firma kann nicht in allem gut sein“, meint auch Analyst Mark Moerdler von Bernstein Research. Tiktok sei in vielerlei Hinsicht außerhalb des Kerngeschäfts.

    Stärkung des Werbegeschäfts

    Zur Motivation äußert sich Microsoft selbst nicht. Das Kalkül, das die Strategen in Redmond anstellen, dürfte eine Reihe von Argumenten beinhalten.

    Erstens: Einige Geschäftsbereiche könnten von der Übernahme direkt profitieren. Der Softwarehersteller betreibt die Suchmaschine Bing samt Werbegeschäft, das im vergangenen Geschäftsjahr 7,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete. Textanzeigen neben Trefferlisten sind aber etwas anderes als Clips zwischen Videos. Zumindest die Plattform, mit der Kunden selbstständig Werbeplätze buchen, könnte Tiktok dennoch nutzen.

    Profitieren könnte auch die Computerspielesparte. Die Übertragung von Titeln wie „Fortnite“ oder „The Last of Us“ per Stream ist ein lukratives Geschäft, das Amazon mit der Plattform Twitch dominiert. Zudem wachsen Konsum und Nutzung zusammen: Beim Onlinedienst Stadia will Google es ermöglichen, dass sich Nutzer Streams‧ ihres Lieblingsspiels auf Youtube ansehen können – und wenn sie wollen, mit einem Klick selbst einsteigen. Seinen Streamingdienst Mixer stellt Microsoft mangels Erfolg ein, Tiktok könnte die Lücke schließen.

    Das Netzwerk wäre außerdem ein attraktiver Kunde für Microsofts Cloud-Dienst Azure. Im vergangenen Jahr hat Tiktok mit Google einen Dreijahresvertrag über Leistungen im Wert von mehr als 800 Millionen Dollar unterzeichnet, wie das Portal „The Information“ schreibt. Eine Umstellung auf die eigene Infrastruktur wäre allerdings aufwendig und langwierig.

    Zweitens: Eine App wie Tiktok, die allein in den USA 100 Millionen Nutzer hat, könnte Microsoft wieder näher an die Verbraucher rücken. Es geht darum, Produkte wie Windows und Office unter Nutzern bekanntzumachen, die im Alltag kaum damit zu tun haben – beispielsweise Teenagern.

    Das fehlende Bewusstsein für Microsoft-Produkte unter jungen Nutzern sei „die größte existenzielle Bedrohung“, sagt Alex Zukin, Analyst bei RBC Capital. Nebenbei erhielte Microsoft umfangreiche Daten über Trends und Interessen.

    Drittens und womöglich am wichtigsten: Microsoft könnte sich in den höchstlukrativen Markt für digitale Werbung einkaufen, der in den USA 135 Milliarden Dollar groß ist. Tiktok verzeichnet allein in den USA rund 100 Millionen Nutzer und wächst weiter stark.

    Der Analyst Daniel Ives von Wedbush Securities schätzt, dass die Plattform dort zwei Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet – dabei ist das Werbegeschäft noch in den Anfängen. Er hält es für denkbar, dass das Unternehmen einmal 200 Milliarden Dollar wert sein könnte. Zumindest, wenn Microsoft alles richtig macht.

    Wall-Street-Experte Koch: „Der Fall Tiktok zeigt den ganzen Irrsinn im China-USA-Streit”

    Schwierige Abtrennung

    Gerade das ist jedoch nicht so einfach. So gibt es organisatorische Herausforderungen. Derzeit sieht es so aus, als ob der Konzern nicht das gesamte Start-up übernimmt und Teams neu aufstellen und einen Teil der Software neu entwickeln muss, bevor der Auf- und Ausbau des Geschäftsmodells überhaupt beginnen kann.

    Zumal das Unternehmen in seinem Blogeintrag zum möglichen Deal Datenschutz und IT-Sicherheit der Weltklasse versprochen hat. „Es ist ein gewaltiges Unterfangen, das mit einem Risiko bei der Umsetzung verbunden ist“, betont der Analyst Ben Thompson – zumal Facebook während dieser Zeit alles tun werde, um den Konkurrenten auf Distanz zu halten. Schon jetzt kopiert es schamlos erfolgreiche Funktionen: Instagram hat mit Reels bereits eine Funktion für Kurzvideos eingeführt.

    Nicht zuletzt würde das Microsoft-Management mit einer Tiktok-Übernahme vor großen strategischen Aufgaben stehen. Mit Produkten für Privatnutzer hat der Konzern bislang überschaubaren Erfolg – dieses Geschäft müsste er erlernen, selbst wenn er dem Start-up wie LinkedIn und Minecraft viel Unabhängigkeit gewährt.

    Die Moderation von Inhalten ist dabei heikel, die Verantwortlichen von Facebook, Google und Twitter müssen sich regelmäßig rechtfertigen. Microsoft-Chef Nadella steht dabei bislang außen vor. Auch aus dem Konflikt zwischen den USA und China könnte er sich künftig nicht mehr so geschmeidig heraushalten.

    Mehr: Trumps Attacke auf Tiktok ist durchschaubarer Populismus

    Startseite
    Mehr zu: Spekulationen um Übernahme - Warum Microsoft auf Tiktok schielt – und warum der Kauf ein großes Risiko wäre
    0 Kommentare zu "Spekulationen um Übernahme: Warum Microsoft auf Tiktok schielt – und warum der Kauf ein großes Risiko wäre"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%