Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weltgrößter Chiphersteller AMD und Apple bedrohen Intels Vormachtstellung – Konzern tauscht Chef aus

Der Silicon-Valley-Konzern steckt in der Krise. Konkurrenten wie AMD und Apple nutzen die Produktionsprobleme aus. Nun soll es Pat Gelsinger richten.
13.01.2021 - 17:20 Uhr Kommentieren
Er soll die aufstrebenden Konkurrenten von Intel wieder zurückdrängen. Quelle: action press
Pat Gelsinger

Er soll die aufstrebenden Konkurrenten von Intel wieder zurückdrängen.

(Foto: action press)

San Francisco Intel zählt zu den Pionieren des Silicon Valley, doch der Chip-Konzern steckt seit Jahren in der Krise: Nun wechselt das Unternehmen aus Santa Clara seinen Chef aus: Bob Swan muss bis Mitte Februar gehen. Auf ihn folgt Pat Gelsinger, der bisher das Software-Unternehmen VMware geführt hatte. Swan war erst seit Mitte 2018 im Amt gewesen.

Der Wechsel an der Spitze kann als Reaktion auf die Entwicklung verstanden werden, dass Intel in den vergangenen Jahren seinen technologischen Vorsprung auf die Konkurrenz eingebüßt hat. Swan war zuvor Finanzchef, Gelsinger arbeitete einst als Intels Technologievorstand, bevor er das Unternehmen verließ. Intels Aktienkurs stieg nach Bekanntwerden der Nachricht um elf Prozent.

Für Intel wird 2021 ein entscheidendes Jahr. Lange eine Supermacht bei Halbleitern für PCs und Datencenter, ist das Silicon-Valley-Urgestein in einem Markt nach dem anderen ins Hintertreffen geraten.

Das ließ sich auf der Technologiemesse CES in den vergangenen Tagen beobachten: Bei ihrem Auftritt musste Lisa Su, die Chefin des Intel-Konkurrenten AMD, gar nicht in Eigenlob verfallen, um Werbung für sich zu machen. Das übernahmen ihre Gäste auf der virtuellen Bühne: „AMD hat gerade einen unglaublichen Lauf“, sagte Panos Panay, Microsoft-Produktchef und Vater der Surface-Tablet-PC-Reihe. Panay zählte dann AMDs neue Chips auf, die in Microsofts Spielekonsolen, Laptops und Datencentern stecken.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Su hat AMD seit Oktober 2014 von einem Pleitekandidaten in eine Chip-Macht verwandelt, die Intel im Markt für PC-Prozessoren stetig Marktanteile abjagt. Während der Aktienkurs von AMD seit Sus Amtsantritt um knapp 3000 Prozent zugelegt hat, liegt der Intel-Kurs heute niedriger als bei Swans Antritt. 2020 musste Intel den Titel des wertvollsten US-Chipkonzerns an Nvidia abgeben.

    Grafik

    Bei der Performance von Laptop-Chips habe AMD Intel schon abgehängt, betonte Su in ihrer Präsentation. Der Ryzen-5800U-Chip sei bei Aufgaben wie Designvisualisierung oder Videocodierung deutlich schneller als das Intel-Gegenstück. Auch bei weniger rechenintensiven Büroanwendungen gebe es einen kleinen Vorsprung. Bei der Batterielaufzeit verspricht Su ebenfalls Fortschritte: Diese betrage mit dem Chip bei üblicher Nutzung bis zu 17,5 Stunden.

    „Diese Benchmarks zeigen nur einen Ausschnitt der Realität“, sagt Intels Vizepräsident Chris Walker dem Handelsblatt. Der Topmanager ist für das Geschäft mit Laptop-Chips verantwortlich. Intel messe die Performance seiner Chips näher an der realen Nutzung und beschäftige dafür sogar Ethnografen, die Computernutzer zu Hause beobachten.

    Monopolmacht war gestern

    Diese Vergleiche sind allerdings ebenfalls umstritten und können Intels grundsätzliches Problem nicht überdecken: In allen Märkten, die Intel vor einem Jahrzehnt noch dominierte, kämpft das Unternehmen gegen starke, spezialisierte Konkurrenten: Bei Grafikkarten und KI-Chips ist das Nvidia, das auf der CES neue Chips für extrem leistungsfähige Laptops für Computerspiele vorstellte. Zudem beginnen die großen Cloud-Anbieter wie Amazon und Microsoft, eigene Halbleiter für ihre Datenzentren zu entwickeln.

    Von allen Seiten knabbern Konkurrenten am Geschäft des umsatzstärksten Chipherstellers der Welt. Swan hatte schon Ende 2019 das Ziel ausgegeben, 30 Prozent Marktanteil in allen Chipkategorien erreichen zu wollen, statt wie einst 90 Prozent im Markt für PC-Prozessoren.

    Für Walkers Sparte war 2020 eigentlich ein starkes Jahr. Der Corona-bedingte Homeoffice- und Homeschooling-Boom hat die Nachfrage angetrieben, der PC-Absatz stieg weltweit so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Trotzdem musste Walkers Sparte eine öffentlichkeitswirksame Pleite verkraften: Apple stellte im November seine neuen Macs vor, die statt mit Intel-Prozessoren mit dem selbst entwickelten Chip M1 laufen. Zwar ist Apple kein großer Spieler auf dem Laptop-Markt, doch der M1-Chip erhielt begeisterte Kritiken für seine Performance und Akkulaufzeit sowie die verbesserte Möglichkeit, mobile Apps auf dem Laptop zu nutzen – was den Chip-Pionier Intel ziemlich alt aussehen ließ.

    Walker betont, dass Intel für viele Kunden immer noch Vorteile gegenüber dem Apple-Chip biete, auch wenn Apple einen „sehr guten, leistungsfähigen Chip“ entwickelt habe. Viele Programme wie Adobes Bildbearbeitungsprogramm Lightroom würden auf Intel-PCs jedoch weiterhin besser laufen, weil sie für Intels x86-Chip-Architektur optimiert sind und für M1 speziell übersetzt werden müssen, was Performance kostet. „Wir haben das breiteste Technologieangebot für Laptops“, sagt Walker.

    Investor fordert Intel auf, Abspaltung der Produktion zu prüfen

    Intel versucht, an mehreren Fronten wieder anzugreifen: Gleich vier neue Prozessorfamilien mit 50 Varianten stellte das Unternehmen auf der CES vor. Die neue VPro-Plattform für Arbeitscomputer etwa biete in die Hardware programmierte Cybersecurity, die helfe, Ransomware- und Kryptomining-Attacken abzuwehren.

    US-Börsenexperte Koch: „Breaking News an der Wallstreet: Intel-CEO Bob Swan verlässt seinen Posten“

    Den Wettbewerb mit Apple und AMDs Ryzen-Chip will Intel ab der zweiten Jahreshälfte mit seinem neuen Alderlake-Chip aufnehmen, der eine ähnliche Hybridarchitektur wie Apples M1 hat und den Intel nach dem sogenannten 10-nm-Verfahren (10 Nanometer) herstellt.

    Die Produktion ist allerdings die Ursache für viele von Intels Problemen: Je geringer der in Nanometern gemessene Abstand zwischen Transistoren ist, desto mehr davon passen auf einen Chip einer bestimmten Größe.

    Intel ist dabei hinter Auftragsfertiger wie TSMC zurückgefallen, das bereits nach dem 5-nm-Verfahren produziert und so Kunden wie AMD oder Apple zu ihren Performance-Sprüngen gegenüber Intel verhilft. Intel kämpft derweil noch damit, seine 7-nm-Chipproduktion zum Laufen zu bringen und hat dabei mehrmals eigene Zeitpläne nicht eingehalten.

    Lange galten Intels eigene, vor allem in den USA und Europa beheimateten Werke als Vorteil. Inzwischen überlegt der Konzern, einen Teil seiner Produktion an TSMC abzugeben und sich stärker auf das Chip-Design zu konzentrieren – auch unter dem Druck des aktivistischen Investors Dan Loeb.

    Der kaufte sich im Dezember mit seinem Hedgefonds Third Point für eine Milliarde Dollar bei Intel ein und fordert das Unternehmen auf, eine Abspaltung seiner Produktion zu prüfen.
    Der Druck der Investoren auf eine Entscheidung wird nun kaum geringer werden. Nur muss sie ein neuer Intel-Chef treffen.

    Mehr: Drei Gründe für den unheimlichen Börsenboom der Chiphersteller

    Startseite
    0 Kommentare zu "Weltgrößter Chiphersteller: AMD und Apple bedrohen Intels Vormachtstellung – Konzern tauscht Chef aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%