KI: OpenAI führt neues KI-Modell kostenlos ein
„Das Besondere an GPT-4o ist, dass es Intelligenz auf GPT-4-Niveau für alle bringt, auch jene, die es kostenlos nutzen“, sagte Murati. Bislang verlangt OpenAI rund 20 Dollar im Monat, damit Kundinnen und Kunden das leistungsfähige Modell GPT-4 nutzen können.
Das verbesserte Modell werde „in den kommenden Wochen“ allen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehen. OpenAI hält aber an den Bezahloptionen fest. Wer zahlt, soll deutlich mehr Anfragen pro Tag stellen dürfen, erklärte Murati. Die Kapazitätsgrenzen seien weiterhin fünf Mal höher als für Gratis-Nutzer.
„GPT-4o kann Sprache, Text und Bild verarbeiten“, sagte Murati. „Und das ist unglaublich wichtig, weil wir uns mit der Zukunft der Interaktion zwischen uns und Maschinen beschäftigen.“ Das neue Modell soll vor allem in anderen Sprachen als Englisch – wie etwa Deutsch – deutlich bessere Ergebnisse liefern.
Zudem halbiert OpenAI den Nutzungspreis für Entwickler, die auf die Schnittstelle von GPT-4o zugreifen. Der CEO des Cloudanbieters Box, Aaron Levie lobte nicht nur den reduzierten Preis, sondern auch die verdoppelte Geschwindigkeit des neuen Modells. „Das ist eine wahnsinnige Verbesserung für jeden, der im Moment KI entwickelt“, sagte Levie.
Während der Präsentation filmte sich das Team von OpenAI dabei, wie es auf einem Zettel mit einem Stift eine mathematische Formel löste. Das KI-Modell verfolgte die Versuche und konnte die richtige Lösung anleiten.
Bei der 26 Minuten langen Demonstration am Montag kam es mehrmals zu Fehlern. In einer Situation versuchte das KI-System, eine mathematische Gleichung zu lösen, die noch nicht aufgeschrieben worden war. In einem anderen Fall erkannte die KI bei einem Video von einem lachenden Männergesicht keine Person, sondern eine Holzoberfläche.
ChatGPT als Desktop-Anwendung für Mac
OpenAI machte ChatGPT zudem erstmals über eine Desktop-Anwendung zugänglich. Die soll es einfacher machen, auf das System zuzugreifen. Die Anwendung steht zunächst nur für Mac-Computer zur Verfügung. Ein Start-Datum für eine Version für Computer mit Windows-Betriebssystem gab es zunächst nicht.
In einer weiteren Demonstration sprach Murati auf Italienisch mit ihrem Kollegen und ChatGPT übersetzte die Aussagen auf Englisch. Anschließend übersetzte das Programm die englischen Antworten des Kollegen zurück ins Italienische. Zudem konnte ChatGPT eine Einschlafgeschichte in unterschiedlicher Intonation vortragen – etwa mit einer Roboterstimme oder mit einer besonders dramatischen Intonation.
Der Buchstabe „o“ im Namen des neuen Modells steht für „omni“ (alle). Damit wollte OpenAI den umfassenden Charakter des neuen Modells zum Ausdruck bringen.
„Mit GPT-4o haben wir ein einziges neues Modell durchgängig für Text, Bild und Ton trainiert, das heißt, alle Eingaben und Ausgaben werden von demselben neuronalen Netzwerk verarbeitet“, teilte OpenAI mit. Die Vorstellung des neuen Modells wurde aus der OpenAI-Firmenzentrale in San Francisco live im Internet übertragen.
OpenAI-Chef Sam Altman trat nicht persönlich während der Präsentation auf. Er veröffentlichte parallel einen Blogbeitrag auf seiner persönlichen Website. „Ich bin sehr stolz darauf, dass wir das beste Modell der Welt kostenlos in ChatGPT zur Verfügung haben, ohne Werbung oder ähnliches“, schrieb Altman. OpenAI werde andere Wege finden, um Geld zu verdienen. Dabei sei das Ziel, hervorragende KI-Dienste kostenlos Milliarden von Menschen zugänglich zu machen.
Das neue Modell zeichne zudem ein technologischer Durchbruch aus: „Der neue Sprach- (und Video-) Modus ist die beste Computerschnittstelle, die ich je benutzt habe.“ Der Austausch ähnele einer Konversation mit einem Menschen. „Mit einem Computer zu sprechen hat sich für mich nie wirklich natürlich angefühlt; jetzt schon“, schrieb Altman. Das System solle künftig auch in der Lage sein, auf die persönlichen Daten von Nutzenden zuzugreifen und für die Aufgaben auszuführen.
Im Vorfeld hatte es Spekulationen über eine neue Suchfunktion von OpenAI gegeben. Während der Produktvorstellung machte das Team von OpenAI jedoch keine Ankündigung in diese Richtung.
Der angesehene KI-Experte vom Chip-Konzern Nvidia, Jim Fan, wertete den Namen GPT-4o als Hinweis auf eine Schwäche von OpenAI: „Das Marketing verrät eine gewisse Unsicherheit.“ OpenAI habe sich trotz deutlicher Verbesserungen des Modells dazu entschlossen, es nicht GPT-4.5 oder sogar GPT-5 zu nennen, um die „himmelhohen Erwartungen nicht zu enttäuschen“. Das sei „ein kluger Schachzug, um mehr Zeit zu gewinnen“.
OpenAI hatte vor 14 Monaten GPT-4 als Modell vorgestellt. Es gilt bis heute als der Standard für leistungsfähige KI-Modelle. „Niemand hat bis heute herausgefunden, was OpenAI so viel besser gemacht hat, als die Konkurrenz“, sagte Sridhar Ramaswamy, CEO des Datenspezialisten Snowflake, kürzlich, als seine Firma ein eigenes KI-Modell vorstellte.
Die Branche schaue nun gespannt darauf, wann OpenAI die nächste Generation GPT-5 auf den Markt bringen und welche Leistungen das neue Modell haben werde. Weder Murati noch Altman erwähnten am Montag GPT-5.
Wenige Stunden, nachdem OpenAI sein neuestes Modell präsentiert hatte, verkündete die Konkurrenzfirma Anthropic den Start ihres KI-Chatbots Claude in Europa. Das US-Start-up hatte im März seine neueste Sprachmodellgeneration namens Claude 3 vorgestellt, die unter anderem Text auf menschenähnlichem Niveau generieren kann und in einigen technischen Tests die Leistung von GPT-4 übertraf.
Die drei Modelle waren zunächst nur auf dem US-Markt verfügbar. Ab Dienstag können Nutzer auch in Europa auf die Web-Version, die iPhone-App und eine Variante für Unternehmen zurückgreifen.
Ebenfalls am Dienstag beginnt die jährliche Entwicklerkonferenz des Suchmaschinenbetreibers Google. Es wird erwartet, dass Google mittels KI-Modellen eine verbesserte Internetsuche vorstellen wird.
Mit Agenturmaterial
Erstpublikation: 13.05.2024, 20:00 Uhr.