Künstliche Intelligenz: Was kann die neue KI von WhatsApp, Instagram und Facebook?
Düsseldorf. Nach monatelanger Verzögerung stehen die neuen KI-Funktionen des Facebook-Konzerns Meta nun auch EU-Bürgern zur Verfügung. In der vergangenen Woche wurde zunächst ein auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierender Chatbot in allen europäischen Ländern und in sechs Sprachen freigeschaltet.
Die Verzögerungen hatte ein Streit mit den EU-Regulierungsbehörden ausgelöst: Die verantwortliche irische Datenschutzbehörde stellte sich gegen die Nutzung öffentlich zugänglicher Beiträge von Facebook und Instagram zum Training der KI. Chatbots benötigen große Datenmengen zum Anlernen. Meta argumentierte, dass die Verwendung europäischer Beiträge die KI besser auf die hiesigen Gegebenheiten vorbereiten würde. „Letztlich haben wir uns entschieden, genau das nicht zu tun – unsere KI wurde nicht mit Daten aus öffentlichen Inhalten aus der EU trainiert“, sagt Semjon Rens, Direktor für Politik und Öffentlichkeitsarbeit von Meta im DACH-Raum.
Der Chatbot kann bisher nur Texteingaben verarbeiten. Die Erstellung oder Verarbeitung von Bildern und Sprache ist noch nicht möglich. Meta plant, in den kommenden Monaten schrittweise weitere Funktionen von MetaAI freizuschalten, bis der Funktionsumfang dem in den USA entspricht. Das bestätigte Semjon Rens dem Handelsblatt. In den USA können Nutzer der Meta-Apps die KI bereits seit 2023 nutzen. Laut Rens nutzen weltweit bereits mehr als 700 Millionen Menschen MetaAI – es sei „der am häufigsten genutzte KI-Assistent.“
Das Handelsblatt hat verschiedene Anwendungsbeispiele für die KI-Funktionen getestet. Was kann MetaAI in der EU schon – und was nicht?
Wie können Sie MetaAI ausprobieren?
WhatsApp: Bei WhatsApp gibt es zwei Möglichkeiten, MetaAI zu nutzen: Sie können den KI-Assistenten direkt in einem Chat ansprechen, indem Sie „@MetaAI“ in der Nachricht markieren und Ihre Anfrage hinzufügen. Diese Option ist derzeit aber vor allem noch Apple-Nutzern vorbehalten, bei vielen Android-Smartphones funktioniert das noch nicht. Alternativ können Sie aber eine Konversation mit dem KI-Assistenten in einem separaten Chat starten, indem Sie in der Chat-Übersicht auf das Kreissymbol klicken.
Instagram: Klicken Sie oben rechts in ihrer Instagram-App auf das Symbol „Neue Nachricht“. Tippen Sie MetaAI in die Suchleiste ein, um den Chat mit dem Assistenten zu starten.
Facebook: Öffnen Sie die Facebook-App oder den Facebook-Messenger. Anschließend tippen Sie auf das MetaAI-Symbol rechts oben neben der Suchleiste in Ihren Nachrichten.
MetaAI im Test: Das sind die Grenzen des KI-Assistenten
Im Test hat das Handelsblatt fünf Anwendungsbeispiele ausprobiert. Bei manchen Aufgaben war das KI-Tool eine Hilfe, bei anderen stieß MetaAI schnell an ihre Grenzen.
Besonders auffällig: Auf verschiedenen Plattformen variieren die Fähigkeiten der KI. So kann MetaAI etwa bei WhatsApp und Facebook auch aktuelle Nachrichten ausgeben, bei Instagram jedoch nicht.
- Aktuelle Nachrichten und Fußballergebnisse zusammenfassen: MetaAI kann auf WhatsApp und Facebook aktuelle Nachrichten und Fußballergebnisse abrufen. Der Befehl „Fasse die wichtigsten Nachrichten zusammen“ lieferte präzise Ergebnisse. Für internationale Nachrichten musste der Befehl jedoch angepasst werden. Überraschend: MetaAI konnte in Echtzeit die Fußballergebnisse des FC Schalke 04 gegen Greuther Fürth abrufen.
- Tages- oder Reiseplan erstellen: Im Handelsblatt-Test lautete der Befehl: „MetaAI, erstelle einen Tagesplan für den morgigen Besuch auf der Hannover Messe von KI-Reporterin Luisa Bomke. Der Plan soll Gespräche mit den wichtigsten Ansprechpartnern sowie die bedeutendsten Ausstellungen zum Thema KI beinhalten.“ Der KI-Assistent stellte daraufhin einen strukturierten Tagesplan auf. Der Plan wirkte zunächst hilfreich. Er sah jedoch Gespräche mit Bosch und Nvidia in Halle 9 vor, die beide dort nicht vertreten sind. Auch die Angaben zu potenziellen Gesprächspartnern stimmten nicht, obwohl diese öffentlich auf der Messe-Website zugänglich sind.
- Antworten oder Anfragen formulieren: Wenn Sie nicht wissen, wie Sie auf eine Nachricht reagieren sollen, können Sie die KI um Rat fragen. Der KI-Assistent macht Ihnen Textvorschläge oder formuliert Anfragen vor. Wenn Sie bereits im Chatverlauf mit MetaAI über das Thema gesprochen haben, integriert der Assistent automatisch relevante Informationen in die Anfrage. Im Test hat MetaAI beispielsweise den Veranstaltungstag und Hintergrundinformationen zur Hannover Messe berücksichtigt.
- Social-Media-Beiträge vorbereiten: Im Test lautete der Auftrag: „Bereite einen Social-Media-Beitrag als Ankündigung zur Hannover Messe für Facebook vor.“ MetaAI erstellte daraufhin ein Posting mit drei Absätzen und einer Aufforderung, den Beitrag zu verfolgen, um über alle relevanten KI-News von der Messe informiert zu bleiben. Probleme traten auf, als der KI-Assistent ein Posting für „X“ erstellen sollte. Die KI antwortete: „Du meinst wahrscheinlich Xing.“ Als der Befehl in „Formuliere einen Beitrag für Twitter“ geändert wurde, gab es keine Probleme mehr. MetaAI weiß offenbar nicht, dass Twitter vor fast zwei Jahren in „X“ umbenannt wurde.
- Wissen abfragen und für Prüfungen lernen: MetaAI kann Ihr erlerntes Wissen abfragen und prüft dieses auf Richtigkeit oder erstellt Ihnen ein personalisiertes Quiz. Dafür bitten Sie die KI, ein Quiz zu einem Thema Ihrer Wahl im Stil von „Wer wird Millionär?“ zu erstellen. Aber Achtung: Vergessen Sie nicht, die KI darauf hinzuweisen, die richtigen Antworten nicht direkt mit anzuzeigen!
Erstpublikation: 31.03.2025, 13:27 Uhr.