1. Startseite
  2. Technologie
  3. Künstliche Intelligenz
  4. Künstliche Intelligenz: Welche Ziele verfolgt Trumps Aktionsplan zur KI?

Künstliche IntelligenzWelche Ziele verfolgt Trumps Aktionsplan zur KI?

Trump hat einen neuen KI-Aktionsplan vorgestellt. Damit erhöht er den Druck auf die EU, die mit dem Bau ihrer geplanten Rechenzentren ohnehin zurückliegt. Nun geht es auch um Ideologie.Luisa Bomke, Philipp Alvares de Souza Soares, Josefine Fokuhl und Olga Scheer 28.07.2025 - 08:51 Uhr Artikel anhören
US-Präsident Donald Trump will mit dem KI-Aktionsplan sicherstellen, dass KI mit „amerikanischen Werten“ entwickelt wird. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Düsseldorf, Berlin, Brüssel, San Francisco. US-Präsident Donald Trump hat einen weitreichenden Aktionsplan zu Künstlicher Intelligenz (KI) vorgelegt, mit dem die USA ihren technologischen Vorsprung gegenüber China sichern wollen. „Genauso wie wir das Wettrennen ins All gewonnen haben, ist es entscheidend, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dieses Rennen gewinnen“, heißt es in dem Papier. Wer das größte KI-Ökosystem kontrolliere, bestimme die Standards und profitiere von „umfassenden wirtschaftlichen und militärischen Vorteilen“.

Der Plan formuliert drei Säulen: Innovation beschleunigen, Infrastruktur ausbauen, globale Führungsrolle festigen. Damit erhöht Washington auch den Druck auf Europa und Deutschland. Wollen sie nicht weiterhin auf Entwicklungen aus den USA angewiesen sein, müssen sie endlich eigene konkrete Maßnahmen umsetzen, fordern Experten.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) etwa lobte bei einem Besuch in Washington das „Leadership Mindset“ der US-Regierung. Er strebe eine enge Technologie-Partnerschaft mit den USA an. Dennoch müsse auch die EU „ihre Hausaufgaben machen“ und gezielter in Rechenkapazitäten investieren, um international wettbewerbsfähig zu werden.

„Objektive Wahrheiten“ statt „Wokeness“

Unter anderem will die US-Regierung laut ihres neuen Aktionsplanes die Genehmigungsverfahren für Rechenzentren deutlich verkürzen und Infrastruktur ausbauen. Mit ihrem Projekt „Stargate“ hatte sie dieses Ziel schon einmal ausgegeben. Allerdings stockt es - trotz avisierten Investitionen in Höhe von 500 Milliarden Dollar. Und der Beteiligung von prominenten KI-Firmen wie OpenAI sowie dem Großinvestor Softbank. Wie das Wall Street Journal diese Woche berichtete, sei für Stargate noch kein einziger Vertrag für den Bau eines Rechenzentrums abgeschlossen worden.

Nun will die Regierung Umweltauflagen abbauen, die den Bau von Rechenzentren, Chipfabriken und Kraftwerken häufig verzögern. Auch Regulierung will sie reduzieren. Bundesstaaten mit strengen KI-Vorgaben sollen keine Bundesmittel mehr erhalten. Ziel ist weniger Bürokratie – und das Versprechen, dass die USA das größte und schnellste KI-Ökosystem der Welt errichten.

Das ist ein Weckruf für Europa.
Holger Hoos
Professor für Künstliche Intelligenz

Gleichzeitig formuliert US-Präsident Donald Trump mit dem 28-seitigen Aktionsplan ideologische Ansprüche für KI-Systeme. Konkret fordert die US-Regierung, dass KI künftig „objektive Wahrheiten“ abbilden müsse, keine „sozialtechnischen Agenden“. Unternehmen, die mit der Regierung zusammenarbeiten wollten, dürften keine Modelle einsetzen, die Diversität, Klimawandel oder Desinformation thematisierten – also „woke“ seien.

Über 90 Maßnahmen umfasst das Papier, das die Regierung als geopolitische Roadmap versteht. Darunter auch: Fossile Energieträger sollen wieder stärker zum Einsatz kommen, die öffentliche Verwaltung und das Militär sollen KI umfassend nutzen, ein Exportprogramm soll Chips, Modelle und Standards gezielt an Verbündete liefern – als Bollwerk gegen chinesischen Einfluss. Im Plan heißt es: „Amerikanische KI muss der globale Goldstandard werden.“

EU-Politikerin warnt vor „autoritären Tendenzen“

Die Industrie zeigt sich davon begeistert. Lisa Su, Chefin des Chipherstellers AMD, nennt den Plan „mutig und strategisch“. Besonders begrüßt sie den Fokus auf offene Ökosysteme und Halbleiterführerschaft. AMD wolle „entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit der USA beitragen“. IBM-Chef Arvind Krishna lobte Trump ebenfalls.

Guido Appenzeller, Partner beim einflussreichen Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz in Palo Alto, hebt vor allem die geplante Förderung von so genannten Open-Source-Modellen hervor, bei denen der Quellcode offen zugänglich sein muss. Die Politik der USA und der EU im Bereich KI werde „als Fallstudie in die Geschichte eingehen, wie man lokale Wissenschaft, Forschung und Entwicklung fördern oder behindern kann“, schrieb der Deutsche in einem Beitrag auf LinkedIn.

In Brüssel dagegen überwiegt die Kritik. Die EU-Abgeordnete Svenja Hahn (FDP) warnt vor „autoritären Tendenzen“: Regierungen dürften nicht festlegen, was KI sagen darf. „Diesen Weg dürfen wir in Europa nicht gehen.“ Gleichzeitig sieht sie die EU unter Zugzwang: „Wir hinken China und den USA hinterher – jetzt steigt der Druck weiter.“ Sie fordert ein Umdenken: Weg vom Prinzip „Regulierung first“, hin zu mehr Investitionen und Umsetzungsfähigkeit.

Tatsächlich hatte die Europäische Kommission bereits im April eine eigene Initiative auf den Weg gebracht, die „AI-Gigafactory“. Geplant ist der Aufbau von Rechenzentren mit über 100.000 spezialisierten KI-Chips. In aktuellen Rechenzentren sind 25.000 KI-Chips verbaut, die neuen haben also eine deutlich höhere Rechenleistung.

Sechs Interessensbekundungen aus Deutschland für die Gigafactories sind eingereicht worden, auch SAP beteiligt sich an zweien. Foto: Getty Images [M]

Doch die Umsetzung der Initiative stockt, auch weil die EU-Kommission bisher kaum konkrete Vorgaben zu den Gigafactories gemacht hat, die gebaut werden sollen. Fest steht lediglich, dass die öffentlichen und privaten Investitionen für den Aufbau geteilt werden und die Führung bei einem Unternehmen liegen muss, damit die Gigafactory langfristig rentabel ist.

Experte fordert mehr nationale Kooperation

Holger Hoos, Humboldt-Professor für KI an der Eliteuniversität RWTH Aachen, fordert, dass sich alle deutschen Konsortien zu einem zusammenschließen. „Wir brauchen eine gemeinsame, durchsetzungsfähige Bewerbung, wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen“, sagt er.

Zwar bemühen sich die Bundesregierung und die Konsortien in Gesprächen um eine Koordinierung, eine Absprache konnte bisher aber nicht erzielt werden. Auch andere Länder wie Spanien und Finnland haben jeweils eine vielversprechende Interessenbekundung eingereicht.

Jetzt, da die USA einen so konzentrierten Aktionsplan umsetze, müsste auch in Deutschland mehr Kooperation entstehen, um der „geopolitischen Realität“ zu entsprechen, sagt Hoos. Er plädiert deshalb für eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Pläne zur Gigafactory.

Kirsten Rulf, Partnerin bei BCG: Sie fordert in Deutschland einen KI-Minister, der Ansprechpartner für Unternehmen ist. Foto: Tony Fiorini

In der neuen US-Strategie sieht Hoos eine Gefahr, vor allem in deren ideologischem Anspruch: „Das ist ein Weckruf für Europa.“ Denn Washington bekenne sich im Aktionsplan explizit dazu, KI-Modelle im Sinne amerikanischer Werte zu gestalten. Die Folgen könnten gravierend sein: „Wenn wir in Europa nicht zügig selbst aktiv werden, laufen wir Gefahr, KI-Systeme zu übernehmen, die auf Prinzipien beruhen, die in sensiblen Bereichen wie Bildung oder Gesundheitswesen schlicht nicht zu unseren passen.“

Auch deshalb mahnt Wildberger: „Der Aufbau europäischer KI-Gigafactories darf nur der Anfang sein.“ Europa müsse auf dieser Infrastruktur aufsetzen und eigene Basismodelle entwickeln. Der Kontinent verfüge über alle Voraussetzungen – technologisch, wissenschaftlich und wirtschaftlich, um mit den USA mitzuhalten.

Nur in Deutschland ist KI nicht Chefsache

Kirsten Rulf, Partnerin bei der Boston Consulting Group, warnt davor, sich zu sehr auf Einzelprojekte wie die Gigafactories zu konzentrieren: „Statt auf eine Gigafactory in fünf Jahren zu warten, sollten wir heute damit beginnen, ein funktionierendes KI-Ökosystem aufzubauen.“ Es gehe weniger um fehlende Infrastruktur als um mangelnden Gestaltungswillen: Es gebe bereits Rechenzentren, „was fehlt, ist der Wille, sie zu nutzen.“

Rulf sieht zudem ein grundsätzliches Führungsdefizit: „In Deutschland ist unklar, wer eigentlich für KI steht. Es gibt kein Gesicht, kein Mandat – und keine strategische Führung.“ In den USA, Großbritannien und Frankreich treiben jeweils die Regierungschefs KI-Strategien voran, in Deutschland jedoch streiten sich Forschungs- und Digitalministerium darum, wer zuständig ist. Der KI-Aktionsplan der USA sei keine Bedrohung, sagt sie, „aber eine klare Ansage – und eine Herausforderung für Europa.“ 

Verwandte Themen
Industriepolitik
USA
Deutschland
Europa
Europäische Union
Donald Trump

Erstpublikation: 26.07.2025, 14:47 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt