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Forschung Biontech-Impfstoff könnte auch vor Infektion schützen

Bislang gab es nur Erkenntnisse, inwieweit das Vakzin vor Erkrankungen schützt. Die neuen Studienergebnisse müssen noch geprüft werden.
21.02.2021 Update: 21.02.2021 - 16:04 Uhr Kommentieren
Das Mittel mit dem Namen Comirnaty könnte auch vor einer Infektion mit dem Erreger schützen, heißt es in einem Studienmanuskript aus Israel. Quelle: dpa
Impfstoff von Biontech und Pfizer

Das Mittel mit dem Namen Comirnaty könnte auch vor einer Infektion mit dem Erreger schützen, heißt es in einem Studienmanuskript aus Israel.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie: Neue Daten aus Israel belegen eine extrem hohe Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Sie deuten zudem darauf hin, dass das Vakzin auch vor einer Infektion mit dem Erreger schützen könnte. Bislang war nur klar, dass der Impfstoff Erkrankungen verhindern kann.

Sollte der Impfstoff auch vor einer Infektion schützen, wäre das ein großer Erfolg für die Eindämmung der Pandemie. Geimpfte würden das Virus dann nicht weiterverbreiten, Infektionsketten wären durchbrochen. Der Wirkstoff sei „hocheffektiv“ bei der Verhinderung von Infektionen mit Sars-CoV-2, heißt es in einem Manuskript zu einer Studie der beiden Hersteller zusammen mit dem israelischen Gesundheitsministerium, aus dem die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters zitierten.

Die Studienergebnisse sind allerdings schwierig zu beurteilen. Das Internetportal „ynet“ hatte zuerst darüber berichtet, offiziell veröffentlicht und von Fachexperten begutachtet ist die Studie noch nicht. Journalisten von „ynet“ selbst wiesen darauf hin, dass es in israelischen Regierungskreisen einschränkend heiße, der Effekt der Impfungen auf die Infektionen könnte aufgrund des Studiendesigns überschätzt werden.

Klar ist nach den neuen Daten der hohe Schutz, den der Biontech-Impfstoff vor einer Erkrankung bietet. Er sorgt dafür, dass schwere Krankheitsverläufe zu rund 99 Prozent ausgeschlossen sind, wie das israelische Gesundheitsministerium am Samstagabend bestätigte. Das Studienmanuskript basiert auf israelischen Gesundheitsdaten von Geimpften und Ungeimpften.

Corona-Impfstoff von Biontech verhindert Ansteckungen

In Israel hat fast die Hälfte der Bewohner zumindest eine erste Impfung erhalten, ein Drittel ist bereits zweimal geimpft. In Deutschland haben erst rund vier Prozent der Menschen zumindest eine Erstimpfung erhalten. In den nächsten Wochen soll aber deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen. In beiden Ländern ist bislang vor allem das Vakzin von Biontech verabreicht worden.

Vermehrt Daten aus der Praxis

Die vielen Impfungen in Israel machen es möglich, nun vermehrt Daten aus der Praxis zu nutzen. So ergab eine Studie des „Sheba Medical Center“ mit über 7000 Krankenhausmitarbeitern, dass bereits die Erstimpfung mit der Biontech-Arznei einen Schutz von 85 Prozent vor Ansteckung bietet. Die Studie wurde im Fachmagazin „Lancet“ veröffentlicht. Allerdings geben Experten zu bedenken, dass das Krankenhauspersonal überwiegend jung ist und damit keinen Querschnitt der Einwohner bildet.

Das bisher zugelassene und in der klinischen Studie getestete Impfschema sieht eine zweite Impfung nach drei Wochen vor. Ein größerer Abstand könnte die globalen Impfkampagnen mit dem Vakzin beschleunigen, indem man mehr Menschen zunächst nur mit einer Dosis impft.

Zudem gab es weitere gute Nachrichten: Biontech und sein US-Partner Pfizer haben neue Analysen vorgelegt, wonach der mRNA-basierte Impfstoff auch bei Temperaturen zwischen minus 25 und minus 15 Grad für zwei Wochen lagerfähig ist. Einmal aufgetaut, kann das Vakzin darüber hinaus noch bis zu fünf Tage bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

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Damit zeichnet sich ab, dass sich die Handhabung des Impfstoffs vereinfacht und er künftig über längere Zeiträume auch in gängigen pharmazeutischen Gefrier- und Kühlschränken gelagert werden kann. Bisher muss das Biontech-Vakzin über längere Zeiträume grundsätzlich in speziellen Ultra-Tieftemperatur-Gefrierschränken oder entsprechenden Kühlboxen bei Temperaturen von minus 60 bis minus 80 Grad aufbewahrt werden. Das sorgt für erhebliche Herausforderungen für die Impfzentren und die Versorgungslogistik.

Schlüsselrolle bei der Eindämmung der Pandemie

„Die eingereichten Daten könnten die Handhabung unseres Impfstoffs in Apotheken vereinfachen und den Impfzentren eine noch größere Flexibilität bieten“, sagte Ugur Sahin, Vorstandschef und Mitbegründer von Biontech. „Wir werden unsere Expertise weiterhin einsetzen, um mögliche neue Formulierungen zu entwickeln, die den Transport und die Anwendung unseres Impfstoffs noch einfacher machen könnten.“

Durch die neuen Daten wird einmal mehr deutlich, welch großer Erfolg die Entwicklung des Biontech-Impfstoffs war und welche Schlüsselrolle er bei der Eindämmung der Pandemie spielen wird. In der vergangenen Woche hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, dass Biontech und Pfizer zunächst einen sehr hohen Preis für ihren Impfstoff aufgerufen haben sollen.

Demnach verlangten Biontech und Pfizer im Juni vergangenen Jahres von der EU-Kommission noch für jede Impfdosis stolze 54,08 Euro bei der Abnahme von 500 Millionen Dosen. Erst im November wurde sich die Brüsseler Behörde mit den beiden Pharmaunternehmen handelseinig. Die EU-Kommission soll am Ende nur 15,50 Euro pro Impfdosis gezahlt haben.

Der Biontech-Gründer weist Berichte über überhöhte Preisforderungen beim Impfstoff zurück. Quelle: Reuters
Ugur Sahin

Der Biontech-Gründer weist Berichte über überhöhte Preisforderungen beim Impfstoff zurück.

(Foto: Reuters)

Biontech-Gründer Sahin wies die Darstellung zurück. Man habe den Impfstoff im Sommer 2020 allen Industriestaaten zu einem Preis zwischen 15 und 30 Euro angeboten. Das Preismodell habe man im Juli für alle Industrieländer mit entsprechend großen Bestellmengen errechnet, sagte Sahin der „Bild“. „Am 22. Juli haben wir den USA-Vertrag auf Basis der neuen Parameter unterschrieben, aus dem die 19,50 Dollar ersichtlich waren. Dieses Preismodell haben dann alle Industriestaaten erhalten.“

Berichte über Preisvorstellungen sorgen für Ärger

Sahin zufolge war bis zum Sommer unklar, wie die Rahmenbedingungen der Produktion des Impfstoffs aussehen würden. „Wir hatten in den Jahren 2019 und 2020 zunächst nur selbst in kleinen Mengen Dosen für unsere klinischen Studien hergestellt“, sagte er. Für die ersten 2000 Dosen habe man Kosten von 1,5 Millionen Euro gehabt.

„Die Infrastruktur für die Massenproduktion gab es nicht. Wir wussten zum damaligen Zeitpunkt schlicht noch nicht, wie sich die Produktion genau skalieren lässt, was genau die Studien bezüglich der mRNA-Dosierung ergeben und wie die Produktionsabläufe und Kosten genau sein werden.“ Im Sommer habe man dann innerhalb von drei Wochen gemeinsam mit der US-Firma Pfizer das Preismodell erarbeiten können.

Die Berichte über die angeblich hohen ersten Preisvorstellungen von Biontech sorgten in Berlin für Ärger, aber nicht über das Pharmaunternehmen. Vielmehr hat man hier die EU-Kommission im Verdacht, dass sie bewusst die irreführenden Zahlen gestreut haben könnte. Die Brüsseler Behörde und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stehen in der Kritik, zu spät und zu wenig Impfstoff bestellt zu haben.

Brüssel solle aufhören, „gegen die tollen Forscher zu agitieren“, und endlich seinen Job machen, schrieb Finanzstaatssekretär Wolfgang Schmidt, ein enger Vertrauter von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), auf Twitter. Nur so bleibe es bei der nötigen Zustimmung für die EU.

Mehr: Neue Daten: Biontech-Impfstoff wirkt offenbar schnell – Lagerung könnte einfacher werden

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