Henrik Emmert: „Wir unterschätzen die Nutzerfreundlichkeit bei Digital-Health-Produkten“
München. Nach seiner Zeit bei der Boston Consulting Group gründete der Wirtschaftsingenieur Henrik Emmert 2019 das Start-up Aidhere. Es entwickelte die Adipositas-App „Zanadio“, die 2020 als eine der ersten Apps eine sogenannte digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) wurde. 2023 stellte Aidhere einen Insolvenzantrag und wurde vom isländischen Unternehmen Sidekick Health gekauft. Seither führt Henrik Emmert das Deutschlandgeschäft von Sidekick Health Germany.
Welches digitale Gesundheitstool nutzen Sie am häufigsten?
Am meisten nutze ich mein Whoop-Armband. Mit dem Wearable messe ich Schlaf, Stress und Bewegung. Ich bin schlecht darin, auf mich selbst zu hören, und besser darin, auf die Daten zu hören, die das Armband für mich misst. Wenn ich morgens aufwache und mich nicht gut fühle, werfe ich einen Blick auf meine Werte. Zeigt das Band dann an, dass die „Recovery“ im roten Bereich liegt, sage ich abends schon mal das Squash-Spiel ab.
Welcher Digital-Health-Trend wird unterschätzt?
Wir unterschätzen, wie wichtig die Nutzerfreundlichkeit bei Digital-Health-Produkten ist. Sie hat einen enormen Einfluss auf die Nutzung der Produkte. Der komplizierte Zugang zur elektronischen Patientenakte oder zum E-Rezept sind dafür beispielhaft. Das E-Rezept für die DiGA ist ein Albtraum. Wenn man die Menschen zwingt, zur Post zu gehen oder in der Geschäftsstelle der Krankenkasse vorstellig zu werden, um sich für bestimmte Produkte zu identifizieren, ist das eine große Hürde.