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Start-upDoctolib kauft KI-Firma und will sich neue Kunden sichern

Die französische Gesundheitsplattform übernimmt den Berliner Telefonassistenten Aaron.AI. Für Doctolib ist das nur der Anfang, noch in diesem Jahr sollen weitere KI-Angebote folgen.Nadine Schimroszik, Carolin Rainer 22.05.2024 - 13:48 Uhr
Doctolib: Patientinnen und Patienten können über die App Arzttermine buchen. Foto: PR

Berlin. Doctolib will mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) neue Kunden erschließen. Die französische Gesundheitsfirma erwirbt dafür den digitalen Telefonassistenten Aaron.AI aus Berlin und will damit künftig auch die Patienten erreichen, die ihre Arzttermine weiterhin telefonisch vereinbaren und nicht online. Deutschlandchef Nikolay Kolev sagte dem Handelsblatt: „Für uns ist es die erste Akquise in Deutschland und ein sehr wichtiger Zukauf.“

Zur Übernahmesumme äußerte sich Kolev nicht. Der Datendienst Dealroom schätzt den Wert von Aaron auf maximal 23 Millionen Dollar basierend auf einer Finanzierungsrunde aus dem Jahr 2022 und damit vor dem KI-Hype. Der Kaufpreis dürfte Firmenkreisen zufolge deswegen darüber liegen.

Kolev sagte: „Wir haben echtes Geschäft gekauft und keine KI-Fantasie.“ Der frühere Europachef des Büroflächen-Vermieters Wework ergänzte: „Wir müssen nicht alles selbst bauen, wenn wir bei am Markt erprobten Lösungen zugreifen können.“

Doctolib hat in Deutschland derzeit 20 Millionen Kunden

Doctolib zählt mit einer Bewertung von mehr als sechs Milliarden Euro zu den wertvollsten französischen Start-ups. Durch die Übernahme könnte die Firma ihre Kundschaft in Deutschland von derzeit 20 Millionen deutlich ausbauen. „In Deutschland wird mehr als die Hälfte aller Arzttermine weiterhin über das Telefon vereinbart“, sagte Kolev.

Spezialisten für Kundengespräche bekommen dank der neuen Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz aktuell viel Zuspruch. Erst kürzlich sammelte beispielsweise das Berliner KI-Start-up Parloa 62 Millionen Euro bei Investoren ein. Die Automatisierung von Kundenserviceangeboten gilt als eine der am weitesten fortgeschrittenen Geschäftsanwendungen von generativer Künstlicher Intelligenz.

Nikolay Kolev: Der Manager verantwortet das Deutschlandgeschäft bei Doctolib. Foto: Doctolib

Das Start-up Aaron hat einen KI-Assistenten entwickelt, der anstelle der medizinischen Fachangestellten Anrufe beantwortet. Diese sollen dadurch mehr Zeit haben, sich auf ihre Arbeit in der Arztpraxis zu konzentrieren. Wenn ein Patient anruft, um beispielsweise ein Rezept für eine Physiotherapie anzufordern, kann er das dem Telefonassistenten mitteilen. Die Arztpraxis bekommt von der KI eine Notiz, dass sie für den nächsten Tag ein Rezept bereitstellen muss.

Nach der Übernahme steht nun allerdings der wichtigste Schritt an: die technische Zusammenführung von Aaron und der Doctolib-Plattform. Denn letztlich sollen Anfragen direkt im Terminkalender von Doctolib landen. Damit würde Doctolib zum Wettbewerb aufschließen. Denn der Wettbewerber Samedi bietet bereits einen solchen Service in Zusammenarbeit mit dem KI-Start-up Vitas.

Gesundheits-App: Weitere KI-Dienste sollen folgen

Für Doctolib-Manager Kolev sind Investitionen in Künstliche Intelligenz zentraler Bestandteil der Firmenstrategie. „Im Herbst kommt in Deutschland der persönliche KI-Assistent auf den Markt“, kündigte er an. Und für nächstes Jahr plant das Unternehmen, KI-gestützte Anwendungen in der Praxisverwaltung einzuführen, beispielsweise bei Abrechnungen.

Trotz der damit verbundenen Ausgaben will Doctolib ein wichtiges Firmenziel erreichen. „Wir wollen nächstes Jahr auf Firmenebene profitabel werden und trotzdem weiterhin stark wachsen“, sagte Kolev. Damit würde das Start-up zwei wichtige Bedingungen für einen Börsengang erfüllen. Einige Experten hatten mit dem Schritt bereits in diesem Jahr gerechnet. Das gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

Viele Deutsche haben ihre Corona-Impftermine über Doctolib vereinbart. Foto: Doctolib

Doctolib wurde 2013 in Paris gegründet. Inzwischen ist die Firma in Frankreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden aktiv und beschäftigt 2800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Rund 750 davon sind in Deutschland tätig. Hierzulande wurde die Plattform vor allem in der Coronapandemie bekannt, als darüber Impftermine vereinbart werden konnten. Aktuell setzen mehr als 390.000 Ärzte und Therapeutinnen Doctolib ein.

300
Millionen Euro
an wiederkehrenden Umsätzen machte Doctolib im vergangenen Jahr.

Im vergangenen Jahr erzielte die Firma wiederkehrende Einnahmen in Höhe von 300 Millionen Euro. Immer mal wieder gab es Beschwerden wegen des Datenschutzes. Kolev betonte diesbezüglich, es würden alle Sicherheitsstandards erfüllt.

Das nun von Doctolib übernommene Start-up Aaron wurde 2015 von Richard von Schaewen, Iwan Lappo-Danilewski und Tobias Wagenführer gegründet. Nach der Integration in das Doctolib-Angebot gibt es für die Aaron-Mitarbeiter eine neue Aufgabe: „Für eine Ausweitung ins europäische Ausland müssen wir die KI noch weiter trainieren. Aktuell spricht Aaron nur Deutsch.“

Erstpublikation: 22.05.2024, 06:26 Uhr.

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