Nahost: Wieso Israels Börse trotz Krieg boomt
Tel Aviv. Raketenalarm, Reservedienst, Sicherheitskrise – seit bald zwei Jahren bestimmen diese Schlagzeilen die Medien in Israel. Doch die Finanzmärkte trotzen den Kriegshandlungen. Den Einbruch nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 hat der israelische Aktienmarkt längst verkraftet und seitdem in Dollar gerechnet mehr als 85 Prozent zugelegt – mehr als jede andere Börse weltweit.
Die „Financial Times“ bezeichnete den verblüffenden Erfolg schon als „atemberaubende Börsenrally“, die Israels Status als „regionale Wirtschaftssupermacht“ festige.
„Wir erleben eine paradoxe Situation: Während an den Grenzen gekämpft wird, setzen Investoren auf Israels Innovationskraft“, sagt Zvi Eckstein vom Aaron Institute for Economic Policy an der Universität Reichman und ehemaliger stellvertretender Gouverneur bei der israelischen Zentralbank. Diese Resilienz sei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer robusten Wirtschaftsstruktur, sagt auch der Strategieberater Amit Serusi: „Statt in Schockstarre zu verfallen, nutzen viele Unternehmen die Krise als Katalysator für Innovation.“
Ein wesentlicher Grund liegt in der Stärke der hochgradig technologiegetriebenen Wirtschaft. Der globale Erfolg des Geschäfts mit Künstlicher Intelligenz (KI) hat Israels techlastigen Markt beflügelt, ebenso das anhaltende Vertrauen in etablierte Sektoren wie Cybersicherheit und der Rüstungswirtschaft. Doch darin liegen auch Risiken.