Deutsche Post: Die Post-Moderne
Die meisten „digitalen“ Briefe werden ganz analog ausgeliefert.
Foto: dpaDüsseldorf. Es musste so etwas sein wie der Sturm auf die Bastille 1789. Mit weniger wollten sich die Post-Chefs nicht abfinden. „Die Deutsche Post beginnt eine neue Ära der Briefkommunikation: Heute geht der E-Postbrief an den Start“, meldete der Konzern am 14. Juli 2010. „Wir machen sichere Schriftkommunikation im Internet für jedermann möglich – eine Revolution“, sagte Vorstandschef Frank Appel. Diese Innovation passe „ganz in unsere Strategie 2015“.
Am heutigen Mittwoch, auf der Hauptversammlung 2015, soll den Aktionären Vollzug gemeldet werden. Mehr als 300 Millionen Euro seien 2014 mit der E-Post umgesetzt worden, dieses Jahr mache das Produkt erstmals Gewinn, heißt es aus dem Bonner Konzern. Der Eindruck ist, dass die gelbe elektronische Post – anders als etwa De-Mail von der Telekom – den Sprung in die digitale Ära wirtschaftlich geschafft hat.
Was Post-Matador Appel den Aktionären nicht sagen wird: Der digitale Briefverkehr der Post ist weitgehend alles andere als digital. Handelsblatt-Recherchen belegen: Über 90 Prozent der E-Postbriefe werden ausgedruckt und in derselben Form verteilt, wie es das neuzeitliche Postwesen seit dem Jahr 1490 kennt: per Postboten. Der Konzern betreibt über Tochterfirmen vier Druckzentren, um die E-Postbriefe auf Papier zu verewigen. Digitalpost? Digital-Posse?