Personalberatung: US-Headhunter eröffnet weiteres Büro in Berlin
Düsseldorf. Die US-Personalberatung Heidrick & Struggles baut ihre Präsenz in Deutschland weiter aus. Nach der Übernahme der auf die Vermittlung von Interimsmanagern spezialisierten Plattform Atreus mit Sitz in München 2023 eröffnet sie nun ein weiteres Büro in Deutschland: in Berlin.
„Deutschland ist für Heidrick ein sehr wichtiger Markt, und wir sehen hier weiter großartige Wachstumsmöglichkeiten“, sagte Tom Monahan, CEO von Heidrick & Struggles, dem Handelsblatt am Rande des erstmals in Deutschland stattfindenden weltweiten Partnertreffens der Beratung in München.
Für den US-Amerikaner, der die Beratung seit März 2024 führt, ist klar: „In Deutschland muss man auch in Berlin vertreten sein.“ Wichtige Teile der Digitalwirtschaft und der Start-up-Szene seien hier verortet, und deshalb sei nun in Berlin-Mitte das fünfte Büro der Beratung hierzulande eröffnet worden.
Eigenen Angaben zufolge entwickelt sich das Geschäft der Beratung in Europa, insbesondere auch in Deutschland „derzeit überdurchschnittlich“. Monahan: „Im ersten Halbjahr lagen wir 20 Prozent über Vorjahr.“ 2024 hatte Heidrick & Struggles insgesamt um sieben Prozent auf einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Dollar zugelegt.
Die wirtschaftliche Krise merken die Berater insofern, dass es zwar viele Managerwechsel und damit viel zu tun gibt. Gleichzeitig steigt aber auch der Druck auf ihre Honorare. Die Marge im Executive Search, in der Vermittlung von Führungskräften, von Heidrick & Struggles ist im vergangenen Jahr dem Geschäftsbericht zufolge entsprechend leicht von 26,5 auf 24,7 Prozent gesunken.
Zu der von US-Präsident Donald Trump unterstützten Anti-Wokeness-Bewegung, die sich für weniger Vielfalt in Führungsetagen einsetzt, möchte Monahan sich nicht äußern. Für ihn ist aber klar: „Diversity ist und bleibt wichtig.“ Das sei „keine politische, sondern unsere ökonomisch begründete Überzeugung“. Und daran gebe es „nichts zu rütteln“.
Monahan: „Wir setzen uns seit Jahren für vielfältig besetzte Managementteams ein, weil dies aus ökonomischen und demografischen Gesichtspunkten sinnvoll und notwendig ist und unsere Kunden sich diese Vielfalt in ihren Führungsetagen wünschen.“
Berlin ist für Headhunter ein schwieriger Markt
Die Expansion in Deutschland, insbesondere in der Hauptstadt ist kein Selbstläufer. Berlin ist kein einfacher Markt für Headhunter. Experten warnen vor allzu großen Erwartungen. Ein Insider sagt: „Berlin bietet viel aufwendiges Netzwerk, wenig direktes Geschäft“. Zwei der ärgsten Konkurrenten von Heidrick & Struggles, die Beratungshäuser Korn Ferry und Spencer Stuart, leisten sich deshalb erst gar kein Büro in der deutschen Hauptstadt.
Einzig Russell Reynolds hat in Berlin 2022 eines eröffnet. Den großen Durchbruch schaffte die Beratung hier aber nicht – auch wenn das Team von Deutschland-Chef Matthias Scheiff jüngst mit der Suche für die Nachfolge von Bahn-Chef Richard Lutz betraut war und die bisherige Bahn-Regio-Chefin Evelyn Palla empfahl. Die Leitung des Berliner Büros von Russell Reynolds hat inzwischen sogar gewechselt – von Mark Klimmek zu Nicole Mai.
Platzhirsch war und ist in Berlin: Egon Zehnder. Die in Deutschland und Europa führende Beratung für Executive Search leistet sich am Potsdamer Platz eine größere Niederlassung mit rund 20 Beratern. Die Schweizer Gesellschaft bündelt hier aber auch zentrale Aufgaben wie Marketing und Personal. Insgesamt hat Egon Zehnder acht Büros in Deutschland.
Das Geschäft mit der jungen und diversen Start-up-Szene und Digitalwirtschaft in Berlin machen vor allem kleinere, spezialisierte Wettbewerber. Dazu gehört etwa die Firma I-Potentials, die sich selbstbewusst als „führende Executive-Search-Boutique für Transformation im deutschsprachigen Raum“ bezeichnet. Die Beratung hat inzwischen drei Partnerinnen und insgesamt 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Geschäfte von Heidrick & Struggles in Berlin soll Chris Nagel aufbauen und leiten. Der 38-Jährige ist Partner der Beratung. Nagel arbeitet seit 2024 für Heidrick, zuvor war er bei der Personalberatung True Search tätig.
Der größte Standort von Heidrick & Struggles hierzulande ist bis dato Frankfurt mit zehn Partnern. Es folgen München mit fünf Partnern, Düsseldorf mit vier und Bremen mit einem. Deutschlandchef ist seit 2020 der frühere Siemens-Manager und Ex-Egon-Zehnder-Partner Nicolas von Rosty.
Die Expansion über neue Leute ist typisch für das Personalberatungsgeschäft. Akquisitionen wie die Übernahme der Interimsmanagementplattform Atreus oder anderer Beratungen sind eher selten. Es wechseln eher Partner oder Teams. Monahan: „Unsere Priorität liegt auf organischem Wachstum – auch wenn wir genug finanzielle Mittel für weitere Übernahmen hätten.“
Die Investitionen in neue Technologien wie Künstliche Intelligenz verharren auf niedrigem Niveau. Laut Geschäftsbericht wuchsen sie 2024 nur um 1,6 Prozent auf 23,1 Millionen Dollar. Monahan begründet das wie folgt: „Künstliche Intelligenz ersetzt keinen einzigen Berater.“ Sie verschaffe nur eine „noch bessere Datengrundlage für unsere Kandidatenauswahl und unsere Empfehlungen“.