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Energie

Energie Warum Corona dem Klima gut tut, aber die Energiewende ausbremst

Die Coronakrise sorgt für Millionen Tonnen an eingespartem Kohlendioxid. Langfristig dürfte die Pandemie allerdings die Energiewende verlangsamen.
12.04.2020 - 14:26 Uhr 1 Kommentar
Manche Experten rechnen aufgrund der Coronakrise mit einem Einbruch des Anlagenzubaus um bis zu 18 Prozent weltweit.  Quelle: dpa
Windkraft

Manche Experten rechnen aufgrund der Coronakrise mit einem Einbruch des Anlagenzubaus um bis zu 18 Prozent weltweit. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Stillstehende Fabriken, kaum noch Autos auf den Straßen und nur wenige Flugzeuge in der Luft. Corona sorgt dafür, dass die Treibhausgasemissionen zurückgehen und Millionen von Tonnen CO2 eingespart werden. Auf das Klima wirkt sich die Epidemie also positiv aus – zumindest kurzfristig.

Die langfristigen Folgen hingegen dürften alles andere als umweltfreundlich sein. Experten warnen schon jetzt vor Einsparungen bei dringend benötigten Investitionen in grüne Projekte. Das kommende Jahr könnte deswegen sogar das erste seit 1980 sein, in dem der Ausbau der Solarenergie weltweit sinkt.

Dabei haben Wind-, Solar- und Bioenergie in den vergangenen 20 Jahren einen regelrechten Erfolgskurs hingelegt. Vom teuren Nischenstrom sind sie zur massenfähigen Energiequelle geworden, die mittlerweile sogar Kohle, Öl und Gas Konkurrenz macht.

Weltweit stellen Erneuerbare mittlerweile immerhin mehr als ein Viertel der Stromerzeugung. Seit vier Jahren wird außerdem jährlich mehr Ökoenergie zugebaut, als neue fossile Kraftwerke. Das liegt auch daran, dass regenerative Energien immer günstiger werden. Schon jetzt sind neu gebaute Wind- und Solaranlagen in vielen Teilen der Welt billiger als ein neu gebautes Kohle- oder Gaskraftwerk. 2020 sollte eigentlich ein Rekordjahr für die Erneuerbaren werden.

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    Aber die Coronakrise macht auch vor der Energiewende nicht Halt. Die schwierige Situation der Weltwirtschaft wird wahrscheinlich viele Infrastrukturprojekte zum Erliegen bringen, einschließlich der milliardenschweren Investitionen in saubere Energie, die erforderlich sind, um eine Klimakatastrophe bis zum Ende des Jahrzehnts abzuwenden. Schon jetzt werden grüne Projekte verschoben oder gar ganz ausgesetzt.

    Für den globalen Photovoltaikmarkt rechnen Analysten von Bloomberg Energy Finance deswegen mit einem deutlich reduzierten Ausbau für 2020. Ging man bislang von einem Zubau von 121 bis 152 Gigawatt aus, sollen es nun 108 bis höchstens 143 Gigawatt werden. Damit wäre das kommende Jahr das erste Jahr seit 1980, in dem der Ausbau der Solarenergie weltweit sinkt, anstatt zu steigen.

    Die Unternehmensberatung Wood Mackenzie rechnet auch bei der Windkraft mit einem Einbruch des weltweiten Zubaus – und zwar um bis zu fünf Gigawatt. Für Unternehmen, die ohnehin schon am Limit sind, könnte ein monatelanger Zahlungsverzug allerdings zum Problem werden. 

    Und auch der Verkauf von Elektroautos dürfte ins Stocken geraten. Der niedrige Ölpreis dürfte die Wettbewerbsfähigkeit zwischen Stromern und Autos mit Verbrennungsmotor außerdem um ein bis zwei Jahre nach hinten verschieben, schätzen Analysten von Morgan Stanley.

    Grüne Investments auf der Kippe

    Dazu kommt ein zweites, sehr viel größeres Problem: „Wir sehen sehr niedrige Öl- und Gaspreise und gleichzeitig haben wir einen sinkenden CO2-Preis, weil die Energienachfrage wegen der Corona-Maßnahmen massiv gesunken ist“, sagt John Feddersen, Ölexperte des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research. Schon nach wenigen Wochen ist der Preis für CO2-Zertifikate von rund 24 auf 16 Euro gefallen. Wer in erneuerbare Energien investieren wollte, werde sich jetzt überlegen, ob er nicht lieber zu niedrigen Preisen in Öl- und Gasprojekte investiere, glauben Experten. 

    Und auch Regierungen könnten angekündigte Förderprogramme aufgrund der wirtschaftlichen Situation aufschieben. Wenn schlagartig die Wirtschaft einbricht, ist der Klimaschutz auf einmal nicht mehr das dringendste Problem – auch weil niemand Geld für die Energiewende ausgeben will.

    Deswegen fürchtet die Berliner Denkfabrik Agora, dass es nach der Coronakrise zu einer „Zurückhaltung bei klimaschutzrelevanten Investitionen“ kommen könnte. Längst gibt es in der deutschen Politik Vorschläge, etwa die Erhöhung der Flugticket-Steuer und des CO2-Preises zu verschieben. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzgesetz beschlossen, eigentlich schon ab 2021 einen nationalen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne einzuführen.

    Auch in Europa stocken derzeit die Klimaverhandlungen. Die EU-Kommission beteuert jedoch, an ihrem Fahrplan festzuhalten. Sie will auch weiterhin ihre CO2-Minderungsziele bis 2030 von derzeit 40 Prozent auf 50 bis 55 Prozent im Vergleich zu 1990 verschärfen.

    Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) schlägt vor, in dem Zuge auch gleich die Subventionen für fossile Brennstoffe abzuschaffen. Eine Art „grüner Reboot“ als Chance nach der Krise. Die Politik müsse jetzt gegensteuern und den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben, mahnt auch Energieexperte Feddersen.

    Ein zweiter großer Ölpreiscrash innerhalb von nur sechs Jahren verdeutlicht allerdings auch die hohe Volatilität der fossilen Märkte und den Wert, den stabile erneuerbare Lösungen bieten können. Die Stabilität der regenerativen Energien könnte in Zukunft also ihr größter Vorteil werden.

    Angesichts der zunehmenden Abkehr der globalen Gesellschaft von fossilen Brennstoffen, der steigenden Wettbewerbsfähigkeit sauberer Energie und der massiven Volatilität des Ölmarktes, könnten Ölkonzerne und Regierungen zumindest langfristig zum Umdenken bewegt werden.

    Mehr: Stromverbrauch bricht wegen Coronakrise ein – mit drastischen Folgen für Großkunden.

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    1 Kommentar zu "Energie: Warum Corona dem Klima gut tut, aber die Energiewende ausbremst"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Derzeit wird eine Art Großversuch in Hinblick auf weltweite CO2 Reduktion durchgeführt! Da müsste sich die globale Durchschnittstemperatur entsprechend verringern, oder doch nicht??

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