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EnergiewendeDong Energy kritisiert deutschen Offshore-Ausbau

Die Netzbetreiber wollen mit gigantischen Trassen Strom von Nord nach Süd transportieren. Offshore-Windkraft gilt als Rückgrat der Energiewende. Doch Betreiber der Windparks warnen vor Verzögerungen. 18.03.2017 - 12:11 Uhr Artikel anhören

Der dänische Energiekonzern will stärker wachsen.

Foto: dpa

Berlin. Nach Ansicht des dänischen Windparkbauers Dong Energy läuft der Ausbau der Offshore-Windkraft hierzulande noch zu zaghaft. Dass über eine Erweiterung von 700 bis 800 Megawatt pro Jahr diskutiert werde, sei „fern der Zukunft“, sagte Deutschland-Chef Martin Neubert der Deutschen Presse-Agentur. Dong Energy baut und betreibt Windparks etwa in der Nordsee. „Die Industrie hat bewiesen, dass sie weit mehr als 2000 Megawatt leisten kann“, meinte Neubert.

Zugleich forderte der Manager ein besseres Zusammenspiel zwischen Netzbetreibern, Windpark-Entwicklern und Behörden. Bisher gebe es nur bilaterale Gespräche. Nötig sei aber ein runder Tisch mit allen Beteiligten. „Die Industrie hat ihre Hausaufgaben gemacht, hat Kosten runtergebracht. Jetzt stehen jede Menge Fertigungskapazitäten in Deutschland, aber wir kommen nicht mit dem Netz hinterher.“

Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Foto: Reuters

Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Foto: dpa

Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Foto: dpa

Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Foto: dpa

Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Foto: Reuters

Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Foto: dpa

Chinas drittgrößter Windkraftkonzern Mingyang will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Foto: PR

Nach der Übernahme des spanischen Konkurrenten Acciona ist bei Nordex Ernüchterung eingekehrt. Der Umsatz der Hamburger schoss durch die Fusion im Geschäftsjahr 2016 zwar um 40 Prozent in die Höhe – auf 3,4 Milliarden Euro. Aber wegen Projektverzögerungen und verstärktem Preisdruck schockierte der Konzern seine Aktionäre mit einer bescheidenen Prognose für das Jahr 2018. Der deutsche Markt sorgt 2017 zunächst trotzdem dafür, dass der Windradbauer seinen Marktanteil sogar vergrößern kann. Das wirkliche „Krisenjahr“ kommt 2018. Seit April 2017 hat der Spanier José Luis Blanco bei Nordex das Sagen.

Marktanteil: 5,2 Prozent.

Foto: dpa

Lei Zhang ist das Enfant terrible der Windenergieindustrie. Der Chef von Envision bezeichnet sein Unternehmen gerne als das „Apple der Energiewelt“. Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die Angebot und Nachfrage im Energiemarkt synchronisiert. Schwankende Solar- und Windenergie will er im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppeln und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft von Envision bleiben. 2017 scheint die Strategie aufzugehen: Envision springt im Ranking von der acht auf die sechs und kann seinen Marktanteil sogar fast verdoppeln.

Marktanteil: 6,0 Prozent.

Foto: Bloomberg

Extrem verschwiegen, enorm erfolgreich: Enercon erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro. Die Firma mit Sitz im ostfriesischen Aurich ist ein Riese, gibt sich nach außen hin aber gern als Zwerg. Ökopionier und Firmengründer Aloys Wobben ist mit einem geschätzten Vermögen von 7,6 Milliarden Dollar einer der wohlhabendsten Deutschen insgesamt. Das Markenzeichen des deutschen Marktführers sind getriebelose Turbinen. Unverkennbar ist das Gondel-Design in Eiform – konzipiert wurde es vom britischen Stararchitekten Norman Foster. Das deutsche Unternehmen kann sich auch 2017 auf dem fünften Platz behaupten.

Marktanteil: 6,6 Prozent.

Foto: dapd

Der US-Elektronikriese General Electric (GE) hat sein Windenergiegeschäft weiter ausgebaut. Trotzdem fallen die Amerikaner vom dritten auf den vierten Platz und büßen mehr als fünf Prozent ihres globalen Marktanteils ein.

Marktanteil: 7,6 Prozent.

Foto: Reuters

Nachdem der größte chinesische Windkonzern 2016 einen herben Absturz vom ersten auf den vierten Platz erlebte, kletterte er 2017 schon wieder auf das Treppchen. Goldwind bleibt ein Gigant. Der in Shenzhen und Honkong börsennotierte Konzern ist beinahe der einzige chinesische Anbieter, der auch fernab der Heimat Erfolge vorweisen kann.

Marktanteil: 10,5 Prozent.

Foto: Qilai Shen

Durch die Fusion mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa hält sich Siemens das zweite Jahr in Folge auf Platz 2 im globalen Ranking der größten Windkraftunternehmen. Dabei geholfen haben auch eine Marktführerschaft im Offshore-Bereich und ein gutes US-Geschäft. Im Gespann mit Gamesa verfolgt Siemens-Chef Joe Kaeser jetzt vor allem ein Ziel: die Weltspitze erklimmen. Doch dafür müssen die Münchener zuerst den Branchenprimus vom Thron stoßen. Das wäre ihm 2017 fast gelungen. Nur noch 0,1 Prozent Marktanteil trennen Siemens Gamesa vom Weltmarktführer.

Marktanteil: 16,6 Prozent.

Foto: Reuters

Trotz weltweit angespannter Lage auf dem Windmarkt hält sich der weltgrößte Hersteller mit Sitz in der dänischen Hafenstadt Aarhus auf dem ersten Platz. Die Dänen erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast zehn Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,2 Milliarden Euro. Siemens Gamesa kommt dagegen lediglich auf einen Erlös von 8,7 Milliarden Euro und einen operativen Ertrag von mageren 61 Millionen Euro. Vestas musste zwar ebenfalls Einbußen bei der Gewinnspanne in Kauf nehmen, aber glänzt noch immer mit einer Marge von 12,4 Prozent. Weder Siemens, GE noch Goldwind können da auch nur ansatzweise mithalten. In ihrer Heimat genießen die Dänen mit ihren 21.600 Mitarbeitern deshalb beinahe einen Heiligenstatus.

Marktanteil: 16,7 Prozent.

Foto: ZB

Über neue Stromführungen wird seit Langem gestritten – jetzt nimmt der Bau gigantischer unterirdischer Trassen quer durch Deutschland konkrete Formen an. Die Netzbetreiber Tennet, TransnetBW und 50Hertz hatten Anfang März in Berlin Routen-Vorschläge für mögliche Erdkabel-Korridore vorgelegt, mit denen Windstrom von den Küsten in die Industriezentren des Südens transportiert werden soll.

Der Ökostrom-Anteil in Deutschland soll nach dem Willen des Bundes von heute gut einem Drittel auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 steigen. Um bei der Energiewende Kosten zu sparen, wird der Betrieb neuer Windparks in Nord- und Ostsee ausgeschrieben.

Bisher war die Höhe der Vergütung vorgegeben: Jede Anlage bekam dann eine feste Summe pro Kilowattstunde – unabhängig davon, wie viele Windräder schon in der Region liefen. Künftig erhält der Bieter mit dem günstigsten Angebot den Zuschlag. Ähnliche Ausschreibungen laufen für Photovoltaik-Anlagen seit Anfang 2015. Die Bundesnetzagentur sieht darin ein erfolgreiches Mittel zur Dämpfung der Vergütungen.

Der Deutschland-Chef von Dong Energy.

Foto: dpa

In der Debatte über neue Netze müssten die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen gemeinsam angegangen werden, sagte Neubert. Bisher sei für Dong der Netzbetreiber der einzige Ansprechpartner. Dieser wiederum spreche mit der Bundesnetzagentur und den Lieferanten.

Sein Geschäftsführer-Kollege Volker Malmen verwies auf den raschen Aufbau der Infrastruktur im Osten nach der Wiedervereinigung. „Das Stromnetzthema sollte man ähnlich behandeln.“ Wichtig sei es, die Regulierung zu vereinfachen und den Netzausbau zu beschleunigen.

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Malmen warnte, dass Deutschland seine Vorreiterrolle bei der Offshore-Technologie verlieren könne, wenn der Ausbau stocke. „Das ist dann wieder so ein deutscher Exportschlager, den wir Deutschen mit unserem Wissen zwar entwickelt haben, aber die Vorteile nicht nutzen“, sagte er. Leidtragende könnten auch Zulieferer sein.

Wenn Deutschland die Energiewende umsetzen wolle, sei bis 2050 eine Kapazität von 50 bis 60 Gigawatt aus Offshore-Wind nötig. „Bis 2020 werden wir etwa 7,7 Gigawatt haben, das sind etwas über 10 Prozent“, sagte Malmen. Dabei sei das Potenzial auch in der Nordsee groß.

dpa
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