Windprojektierer Juwi AG: Die Bilanz des Grauens
2015 hofft der Entwickler von Windkraft-Projekten auf eine „schwarze Null“.
Foto: dpaWörrstadt . Wenn es um seine Erfolgsbilanzen ging, konnte es Matthias Willenbacher kaum öffentlich genug sein. Solange Deutschlands zweitgrößter Windparkbauer Juwi von Rekord zu Rekord eilte, zelebrierte der Gründer seine Zahlen regelrecht. Schon im Dezember ließ er verkünden, wie viele Windräder und Solaranlagen sein Unternehmen wieder aufgestellt hat. Im Frühjahr lud er zur Jahrespressekonferenz nach Wörrstadt bei Mainz. Die Journalisten kamen. Und Willenbacher jubelte. Das war einmal.
Die Bilanz für 2013 hätte der Gründer wohl am liebsten für immer unter Verschluss gehalten. 2013 war das Jahr, in dem seine Juwi AG in die Krise stürzte. Sie kostete mehrere Hundert Mitarbeiter ihren Job, Willenbacher den Vorstandsposten und die gemeinsame Mehrheit mit Kompagnon Fred Jung. Nun kontrolliert der Versorger MVV Energie das Ökounternehmen. Die Mannheimer brachten knapp 100 Millionen Euro ein und retteten Juwi vor der Pleite.
Nur noch fünf Prozent Eigenkapital
Wie nah Juwi am Abgrund stand, lässt sich nun im elektronischen Bundesanzeiger nachlesen, in dem das Unternehmen kürzlich den lange erwarteten Jahresabschluss 2013 veröffentlicht hat. Es ist eine Bilanz des Grauens. Juwi hatte nur noch fünf Prozent Eigenkapital. Im Tagesgeschäft gab der Projektierer fast 64 Millionen Euro mehr aus als er einnahm. Bei nur noch 713 Millionen Euro Umsatz stand unterm Strich ein Verlust von 53 Millionen Euro.
In dem Dokument finden sich auch Angaben für 2014 – dem Jahr, als die Krise bekannt wurde. Und da lief es offenbar noch schlechter. Zu erwarten sei ein „negatives Gesamtergebnis unter dem Niveau von 2013“, heißt es im Prognose- und Nachtragsbericht. Dazu trage auch der „signifikant gesunkene Gesamtumsatz“ bei. Die Prognose sollte einigermaßen präzise sein. Willenbacher und Jung unterschrieben den Jahresbericht nämlich erst am 29. Dezember 2014.
Kredit-Klausel birgt Risiken für MVV
Die Mannheimer MVV Energie hat sich also eine riskante Tochter angelacht. Und eine, die noch teurer für das Unternehmen werden könnte. Denn die Banken, die Juwi im Dezember einen neuen Konsortialkredit von 300 Millionen Euro gewährt hatten, knüpften diesen an eine wichtige Finanzkennzahl: Von Ende dieses Jahres an muss der Windparkbauer mindestens 15 Prozent seines Vermögens mit Eigenkapital unterlegen.
Viel mehr als 15 Prozent dürfte das Unternehmen derzeit kaum erzielen. Für die MVV bedeutet das: Schafft Juwi 2015 nicht die erhoffte schwarze Null, droht von Seiten der Banken eine Nachschussforderung. Ein Sprecher der MVV mochte sich dazu nicht äußern. Das Finanzierungskonzept bilde die Grundlage für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Juwi.
Matthias Willenbacher wird die Weiterentwicklung kaum noch beeinflussen. Der Mitgründer schied zum 31. März aus dem Vorstand aus. Angeblich „in bestem gegenseitigen Einvernehmen“. Ganz so harmonisch dürfte der Abschied jedoch nicht verlaufen sein. Nach Handelsblatt-Informationen stellte die MVV Willenbacher einen Beratervertrag in Aussicht. Die Verhandlungen darüber sollen aber derzeit ruhen. Sprecher von Juwi und MVV äußerten sich nicht dazu.