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Arbeitsbedingungen in ThailandNestlés Offenbarungseid

Konzerne müssen sich aktiver um Transparenz in den Lieferketten kümmern. Ein Kommentar.Florian Kolf 24.11.2015 - 16:45 Uhr Artikel anhören

Was die Menschenrechtsorganisation Verité im Auftrag von Nestlé in der Fischindustrie im Golf von Thailand ans Licht brachte, ist erschreckend: Menschenhandel, Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Hungerlöhne sind offenbar an der Tagesordnung bei Zulieferern des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns. Nestlé reagiert prompt und will mit einem Aktionsplan die Arbeitsbedingungen verbessern.

Der Autor ist Teamleiter Handel im Ressort Unternehmen & Märkte

Foto: Frank Beer für Handelsblatt

Dabei waren die Erkenntnisse der Untersuchung alles andere als überraschend. Seit Jahren gibt es Berichte, dass in Thailands Fischindustrie Arbeiter, in der Regel Einwanderer aus Myanmar und Kambodscha, ausgebeutet und miserabel behandelt werden. Nestlé sah sich bereits mit einer Sammelklage konfrontiert. Und in vielen anderen Ländern sind die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten nicht viel besser, nur offensichtlich der öffentliche Druck noch nicht so hoch, dass der Konzern sich zum Eingreifen genötigt sieht. Schon vor fast 15 Jahren beispielsweise hat Nestlé einen ähnlichen Aktionsplan für Kakaobauern in Westafrika aufgesetzt – auch dort erst nach heftiger öffentlicher Kritik.

Es ist immer das gleiche Muster: Viele globale Konzerne reagieren auf teils unhaltbare Zustände in ihren Lieferketten erst, wenn es Kritik gibt oder wenn gar Katastrophen passieren. Etwa wie bei dem Einsturz der Textilfabrik in Rana Plaza in Bangladesh oder beim Brand der Fabrik in Pakistan, die fast ausschließlich für den deutschen Textildiscounter Kik produzierte. Jetzt erst beispielsweise gibt es das „Textilbündnis“, initiiert von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller, das Mindeststandards in der Produktion sichern soll. Doch die Bedingungen, unter denen die Menschen in vielen asiatischen Fabriken arbeiten, waren auch vorher kein großes Geheimnis.

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Dass Nestlé seine Lieferkette in Thailand von einer unabhängigen Organisation durchleuchten lässt, soll Transparenz und guten Willen signalisieren. Doch in Wahrheit ist es ein Offenbarungseid. Niemand sollte die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten besser kennen als Nestlé selbst. Wenn die Qualität der Produkte nicht stimmt, käme der Konzern ja auch nicht auf die Idee zu sagen: Wir können nichts dafür, da ist der Lieferant schuld. Um Sklavenarbeit, gefährliche Arbeitsbedingungen oder skandalös niedrige Löhne zu verhindern, muss das Unternehmen selber vor Ort die Zustände untersuchen, statt sich auf fragwürdige Prüfzertifikate zu verlassen. Der Möbelhändler Ikea beispielsweise hat Standards für seine weltweiten Lieferanten definiert und zahlreichen Zulieferern gekündigt, die diese Vorgaben nicht einhalten konnten oder wollten.

Im Grunde ist es nicht nur eine moralische Frage, ob Arbeiter gequält werden, damit Nestlé Fischprodukte verkaufen kann. Es ist im eigenen Interesse der Konzerne, dass sie systematisch Transparenz über ihre gesamte Wertschöpfungskette erlangen. Denn Umfragen zeigen, dass Kunden zunehmend Wert darauf legen, wo und wie Waren produziert werden. Der Verbraucher wird kritischer und ist besser informiert. Unternehmen, die auf Skandale immer nur reagieren, statt frühzeitig selber aktiv zu werden, verspielen wertvolles Vertrauen bei ihren Kunden – und damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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