Arbeit: 35-Stunden-Woche bei der Bahn heizt Debatte über Arbeitszeiten an
Frankfurt, Düsseldorf, Berlin. Der zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL ausgehandelte Kompromiss, der eine 35-Stunden-Woche vorsieht, heizt die Debatte um Arbeitszeiten in Deutschland an. Während Ökonomen wie Clemens Fuest vom Ifo-Institut in der Einigung ein Modell für die Zukunft sehen, warnen Unternehmerinnen und Unternehmer vor massiven Gefahren für Wirtschaft und Wohlstand.
„Wollen wir unseren Wohlstand sichern, muss das, was wir verteilen können, größer werden“, sagte Michael Wisser, der CEO des Gebäudedienstleisters Wisag, dem Handelsblatt: „Das geht nur über mehr Arbeit.“ Wisser schlägt sogar vor, dass jeder zwei Stunden länger in der Woche arbeitet.
Die Bahn und die GDL hatten sich am Montagabend nach einem wochenlangen Streit darauf geeinigt, die Arbeitszeit bis 2029 auf 35 Stunden zu reduzieren. Dabei haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allerdings die Wahl, sie können auch bis zu 40 Stunden arbeiten bei höherer Bezahlung.
Der Arbeitgeberverband BDA warnt davor, das Bahn-Modell als „Blaupause“ zu nehmen. Diese Auffassung teilen viele Unternehmer. Anna Maria Braun, die Vorsitzende des Vorstands des Medizintechnikunternehmens B. Braun, lehnt kürzere Arbeitszeiten in Form einer Vier-Tage-Woche ab. „Wenn jetzt hier in Deutschland 20 Prozent mehr Personal eingestellt werden müssten, wäre das für uns schlicht nicht zu leisten“, sagte sie dem Handelsblatt.