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Deutsche BahnGDL-Chef noch nicht zufrieden – „Die Auseinandersetzung ist lange nicht zu Ende“

Claus Weselsky hat im Tarifstreit die 35-Stunden-Woche erkämpft. Vor Gericht will er nun erreichen, dass die neuen Arbeitszeitregeln für möglichst alle Bahn-Mitarbeiter gelten.Christoph Schlautmann 26.03.2024 - 14:18 Uhr aktualisiert
Claus Weselsky: Die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die der GDL-Chef stets gefordert hatte, wird nun kommen. Foto: Carsten Koall/dpa

Düsseldorf. Seinen Triumph über den gelungenen Tarifabschluss dämpfte Claus Weselsky am Dienstag selbst – und zwar mit einer versteckten Drohung. Die Vereinbarung mit der Deutschen Bahn (DB) sei ein „Erfolg fast auf ganzer Linie“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL). „Doch die Auseinandersetzung mit der DB AG ist lange noch nicht zu Ende.“

Dabei war der Staatskonzern den Lokführern in dem am Montagabend geschlossenen Kompromiss entgegengekommen. Die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die Weselsky stets gefordert hatte, wird nun kommen – wenn auch erst nach mehreren Teilschritten im Jahr 2029.

Nun werde die GDL vor Gericht dafür kämpfen, dass der Abschluss in möglichst allen Betrieben der Deutschen Bahn Anwendung finde, kündigte Weselsky an. „Die DB ist der einzige Arbeitgeber, der das Tarifeinheitsgesetz gegen seine eigenen Mitarbeiter anwendet“, sagte er. So kämen nun die meisten nicht in den Genuss der vereinbarten Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.

Das Gesetz bestimmt im Kern, dass in jedem Einzelbetrieb lediglich ein Tarifvertrag gilt. Ausschlaggebend ist jeweils, welche Gewerkschaft dort die Mehrheit besitzt. Die kleine GDL aber kommt im Gesamtkonzern lediglich auf 18 Einzelbetriebe mit 10.600 Mitarbeitern, während die Konkurrenzgewerkschaft EVG den Tarifvertrag der übrigen 282 Standorte bestimmt.

Für die dortigen 180.000 Mitarbeiter gelten die bereits im August 2023 vereinbarten EVG-Regelungen bis zum März 2025.

Der Durchbruch bei der Arbeitszeitregelung, die GDL-Chef Weselsky seit November mit insgesamt sechs Streiks erkämpfte, gilt zudem lediglich für Schichtarbeiter im Fahrdienst. Gleis- und Bahnhofsbeschäftigte, die seit Jahresbeginn der neuen Gesellschaft Infrago zugeordnet sind, gehen bei dieser Regelung leer aus.

„Die tatsächliche Arbeitszeit wählen die Mitarbeitenden selbst“

In den übrigen GDL-Betrieben aber sind die Vergünstigungen enorm. Dort sinkt die Arbeitszeit 2026 zunächst von 38 auf 37 Stunden. Bis 2029 nimmt sie in drei weiteren Schritten auf 35 Stunden ab. Das Gehalt werde anteilig jeweils nicht verringert, erklärte DB-Personalvorstand Martin Seiler am Dienstag.

Auf Wunsch können Mitarbeiter in den GDL-Betrieben aber auch länger arbeiten. „Die tatsächliche Arbeitszeit wählen die Mitarbeitenden selbst“, sagte Seiler. Alles zwischen 35 und 40 Stunden in der Woche sei am Ende möglich.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler: „Die tatsächliche Arbeitszeit wählen die Mitarbeitenden selbst.“ Foto: IMAGO/Marten Ronneburg

Wer sich für mehr Arbeit entscheidet, soll pro Stunde 2,7 Prozent mehr Lohn erhalten. So würden zum Beispiel Lokführer oder Zugbegleiter in einer 40-Stunden-Woche rund 14 Prozent mehr verdienen als in einer 35-Stunden-Woche.

Experten rechnen nun damit, dass die Konkurrenzgewerkschaft EVG mit ähnlichen Forderungen nachzieht, wenn ihr Tarifvertrag in fast genau einem Jahr abläuft. „Wir orientieren uns traditionell nicht an der GDL und stellen unsere Tarifforderungen eigenständig auf“, erklärte EVG-Tarifsprecher Uwe Reitz dazu auf Anfrage.

Claus Weselsky hat den Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn als historischen Durchbruch und Erfolg für seine Gewerkschaft bezeichnet. Zugleich kritisierte der GDL-Chef aber weiterhin das Vorgehen des Konzerns.

Man selbst habe ein Arbeitszeit-Wahlmodell bereits 2018 ausgehandelt, das bei einer Wochenarbeitszeit von 39 Stunden zwölf Tage zusätzlichen Urlaub vorsehe.

Bahn setzt sich bei der Tariflaufzeit durch

Dieses Modell sei damals auch von der GDL übernommen worden, wobei ihrem neuen Abschluss nun die Hälfte dieser Urlaubstage zum Opfer falle. „Wir sind dabei, die Wünsche unserer Kollegen abzuklopfen“, sagte Reitz. Konkrete Forderungen werde die EVG vermutlich erst im Herbst formulieren.

Doch nicht nur bei der Arbeitszeit, sondern auch beim Gehalt gelang es der Deutschen Bahn kaum, Abstriche bei den Forderungen der GDL durchzusetzen. Vereinbart wurden eine Inflationsausgleichsprämie von 2850 Euro und Lohnerhöhungen von 420 Euro in zwei Schritten. Die GDL hatte ursprünglich auf einen Monatszuschlag von 555 Euro und eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro gepocht.

Darüber hinaus setzte die GDL durch, dass die Deutsche Bahn ihre Klagen vor Gericht zurückzieht, insbesondere gegen die GDL-Zeitarbeitsfirma Fair Train. Hier monierte der Konzern bei der Gewerkschaft zuvor einen Interessenkonflikt und sprach der GDL die Tariffähigkeit ab.

Bei der Tariflaufzeit setzte sich die Deutsche Bahn allerdings im Wesentlichen durch. Die Einigung soll 26 Monate bis zum 31. Dezember 2025 gelten, danach folge eine zweimonatige Verhandlungsphase, in der ebenfalls keine Streiks möglich sind. Die Laufzeit für die Bestimmungen zur Arbeitszeit endet sogar erst am 31. Dezember 2028.

Die Deutsche Bahn ist der Lokführergewerkschaft GDL bei der Tarifeinigung im Kernstreitpunkt um die Arbeitszeit entgegenkommen. Der Konzern teilte am Dienstag mit, dass es zukünftig ein Wahlmodell zur Arbeitszeit für das Schichtpersonal geben soll.
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Darüber hinaus sollen künftig vor Beginn der Verhandlungen Schlichtungsmodalitäten für den Fall abgestimmt werden, dass sie nicht gütlich zu Ende gebracht werden können. Dies schaffe „einen geordneten Rahmen für die nächste Tarifrunde“, erklärte die Bahn.

Bis Ende Februar 2026 gilt damit nun Friedenspflicht mit der GDL. Die Arbeitsniederlegungen hatten allein im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro verursacht, weitere 100 Millionen Euro kamen 2024 hinzu.

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