Bleed-Gründer Michael Spitzbarth: Vegane Jeans aus Franken
Die Natur musste lang genug für den Menschen bluten.
Foto: HandelsblattSozial, ökologisch – und auch noch vegan: Wer Shirts, Shorts und Jeans von Michael Spitzbarth kauft, ist moralisch auf der sicheren Seite. Die Kunden seines Sportmodelabels Bleed brauchen sich keine Sorgen zu machen um schlechte Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken oder darum, dass der Lederbesatz ihrer Kleidung aus Massentierhaltung stammt. „Zwischen Nutzer und Umwelt soll es harmonisch zugehen“, betont der 35-Jährige. Viel zu lang habe die Natur für den Menschen geblutet, daher der martialische Firmenname.
Bislang hat der Unternehmer seine Ware in Portugal, Kroatien und Polen fertigen lassen. Doch schon bald wird Spitzbarth in seiner oberfränkischen Heimat produzieren. Mehrkosten entstünden nicht, sagt er. In Helmbrechts, einer Gemeinde mit 9.000 Einwohnern im Kreis Hof, hat er eine Weberei überzeugt, vegane Jeansstoffe für ihn herzustellen. „Viele Kunden fragen, wo unsere Produkte herkommen“, begründet er den ungewöhnlichen Schritt.
Spitzbarth geht schon lange andere Wege als die meisten Sportartikelproduzenten. Der ehemalige Skateboardprofi verzichtet konsequent auf tierische Bestandteile in seiner Kollektion. Lederflicken auf Jeans ersetzt er durch Kork, aus dem Naturstoff sind auch die Gürtel; statt Knöpfen aus Horn verwendet er Steinnuss, Daunen lehnt Spitzbarth ab, Schafwolle ist tabu. Wo immer es geht, kommt Hanf oder Eukalyptusviskose zum Einsatz. Mit der Fabrik in Franken wird er zusätzlich die Transportwege verkürzen.
Ende des vergangenen Jahrzehnts gründete der Fabrikant seine Firma. Eines hat er gelernt: „Du brauchst Geduld.“ Es dauerte zwei Jahre, das Öko-Zertifikat für die Weberei in Helmbrechts zu bekommen. Auch bei den Händlern hat es der Unternehmer schwer. Die großen Ketten führen kleine Labels wie Bleed nicht, alternative Shops können sich in den Städten kaum halten.
Zu Beginn hat Spitzbarth 90 Prozent seiner Kapuzenpullis und T-Shirts in Geschäften verkauft. Heute setzt er die Hälfte der Ware im eigenen Webshop und mit dem Fabrikverkauf in Helmbrechts ab.
Der studierte Textildesigner war mit seinen veganen Klamotten ein Pionier. Inzwischen wandeln sich aber auch Konzerne wie Adidas. Die Marke bringt gerade Schuhe aus wiederverwertetem Meeresmüll in die Läden. „Das Thema Nachhaltigkeit wird von vielen aufgegriffen“, meint Philipp Prechtl von der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner. „Es fragt sich, ob Nachhaltigkeit allein ein dauerhafter Markenkern sein kann.“
Der Bleed-Gründer und sein zehnköpfiges Team versuchen es daher mit pfiffigen Neuheiten. Vor zwei Jahren hat er bereits eine Korkjacke entwickelt. Dafür sammelte Spitzbarth mehr als 70.000 Euro per Crowdfunding ein. „Das hat uns einen unglaublichen Schub verpasst“, erinnert er sich. 2016 hat er erstmals mehr als eine Million Euro Umsatz erzielt.
Die wichtigste Neuheit dieses Jahr ist ein winddichter, atmungsaktiver und wasserabweisender Parka aus Bio-Baumwolle. Er komme ohne die sonst übliche Plastikmembran auf der Innenseite aus, erläutert Spitzbarth. 400 Euro wird der Parka kosten – und sticht damit preislich aus dem Sortiment heraus. Denn die Shorts und Pullis sind nicht teurer als andere Freizeitkleidung. Eine ökologisch korrekte Jeans gibt es für 99 Euro, das kostet eine konventionell produzierte auch. Es ist Spitzbarth wichtig, dass seine Produkte bezahlbar sind. Belehren will der Mann, der stets eine Mütze trägt, gewiss nicht: „Der grüne Zeigefinger ist absoluter Mist.“