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Jörn Werner So versucht der Ceconomy-Chef, den Streit mit dem Minderheitsaktionär Kellerhals zu lösen

Jörn Werner hat das Grundproblem bei Ceconomy noch nicht entschärft. Es gäbe eine interessante Lösung, doch die Interessengegensätze sind groß.
24.09.2019 - 22:23 Uhr Kommentieren
Der Ceconomy-Chef will die Querelen mit der Familie Kellerhals endlich beilegen. Quelle: Ceconomy
Jörn Werner

Der Ceconomy-Chef will die Querelen mit der Familie Kellerhals endlich beilegen.

(Foto: Ceconomy)

München, Düsseldorf So viel Bewegung war lange nicht bei Media Markt und Saturn. Um wieder mehr Kunden in die Geschäfte zu locken, bieten die Ketten seit diesem Dienstag zu den Kaffeeautomaten auch edle Kaffeesorten zum Kauf. Ausgewählte Marktmitarbeiter sollen eine zertifizierte Barista-Schulung erhalten.

So sollen die Gäste eine optimale Beratung bekommen und auch einmal eine Tasse probieren können. In zehn Test-Läden installierte das Unternehmen vergangene Woche zudem Rückgabeautomaten für alte Handys. Im Tausch erhalten die Kunden Einkaufsgutscheine.

Nicht nur in den Märkten tut sich etwas. Der seit gut einem halben Jahr amtierende Chef der Muttergesellschaft Ceconomy, Jörn Werner, 58, baut die gesamte Unternehmensorganisation um. Dazu zählt auch ein Sparprogramm, das hunderte Stellen kostet. Nicht zuletzt deshalb fiel im jüngsten Quartal ein operativer Verlust von 126 Millionen Euro an.

So viel er schon verändert hat, ein Grundproblem hat der umtriebige Konzernherr noch nicht gelöst. Nach wie vor liegt Ceconomy im Clinch mit Convergenta, einer Holding des verstorbenen Media-Markt-Mitgründers Erich Kellerhals.

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Standort erkennen

    Convergenta hält zwar am operativen Geschäft, der Media-Saturn-Holding (MSH), lediglich 21 Prozent, 79 Prozent liegen bei Ceconomy. Doch verbunden mit diesem Minderheitsanteil sind weitgehende Veto-Rechte, die Erich Kellerhals in der Vergangenheit weidlich genutzt hat. So verhinderte er mehrfach die Berufung von Top-Managern und überzog das Unternehmen immer wieder mit Gerichtsverfahren.

    Auch seine Witwe Helga und Sohn Jürgen wissen dieses Instrument zu nutzen. Sie haben zeitweise sogar die Feststellung des Jahresabschlusses der MSH und damit die Gewinnausschüttung an Ceconomy blockiert. Die Befriedung dieses Konflikts hat bei Werner Top-Priorität. Das sei ein wichtiger Punkt auf seiner Agenda, sagte er jüngst bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. Er habe einen anhaltenden Dialog mit Convergenta in den vergangenen Monaten geführt, der „offen und konstruktiv“ sei.

    Convergenta hat hohe Erwartungen

    In Verhandlungskreisen heißt es nun, dass es dem Ceconomy-Chef mit seiner zugänglichen und verbindlichen Art gelungen sei, die seit Jahren verhärteten Fronten aufzubrechen und wieder eine Vertrauensbasis für Gespräche zu schaffen.

    Ein Fortschritt hatte sich schon im Frühsommer abgezeichnet. Nach Jahren des offenen Streits veröffentlichten beide Parteien im Juni erstmals wieder eine gemeinsame Pressemitteilung, in der sie die Berufung eines Geschäftsführers für die Media-Saturn-Holding (MSH) verkündeten. Convergenta-Geschäftsführer Ralph Becker sprach davon, dass beide Gesellschafter wieder „auf Augenhöhe agieren“.

    In der Vergangenheit war darüber verhandelt worden, dass die Kellerhals-Holding Convergenta ihren Anteil an den damaligen Großaktionär Metro verkauft, was aber an hohen finanziellen Forderungen der Familie Kellerhals gescheitert war. Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der für beide Seiten Charme hätte: Die bisher rechtlich eigenständige MSH könnte auf die Ceconomy AG verschmolzen werden, Convergenta würde Aktionär von Ceconomy.

    Nach wie vor aber scheinen die Erwartungen von Convergenta höher als das, was durchsetzbar und letztlich wohl auch finanzierbar ist. Denn Familie Kellerhals will ihr bisheriges Veto-Recht bei der Media-Saturn-Holding in eine Sperrminorität bei der Mutter Ceconomy umwandeln, also 25 Prozent plus X, was beim aktuellen Kursniveau alleine schon einen Wert von einer knappen halben Milliarde Euro hätte. Zusätzlich spekuliert sie auf eine Bar-Komponente.

    In Verhandlungskreisen heißt es deshalb übereinstimmend, es gebe zwar Annäherungen, aber von einem Durchbruch sei man weit entfernt. Es handele sich um erste Überlegungen in einem frühen Stadium, betonte ein Insider. Die finanziellen Eckdaten stünden noch lange nicht fest.

    Teure Doppelstrukturen

    Mindestens genau so entscheidend: Der Aufsichtsrat von Ceconomy hat ebenfalls noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Und der vertritt auch die Interessen einiger anderer Familien, die als Großaktionäre an dem Unternehmen beteiligt sind. Da sind zum einen die Gründungsfamilien der ehemaligen Ceconomy-Mutter Metro: Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim. Seit April hält zudem die italienische Unternehmerfamilie Agnelli 3,14 Prozent. Auch die Freenet AG, die vor kurzem gut neun Prozent übernommen hat, gilt nicht gerade als passiver Investor, der alles abnickt.

    Deshalb fällt in Aktionärskreisen auch das Wort „Wunschdenken“, wenn man die Convergenta-Verhandlungen anspricht. Klar ist: Da Convergenta über eine Kapitalerhöhung an Ceconomy beteiligt werden soll, würde das den Anteil der bisherigen Aktionäre verwässern. Und dieser neue Großaktionär bei Ceconomy mit Sperrminorität würde auch den Einfluss der anderen Anteilseigner schmälern.

    Werner muss also zwischen Familien mit ganz unterschiedlichen Interessen vermitteln, um sein eigentliches Projekt zum Erfolg zu führen: Die Gesundung von Media Markt und Saturn und damit von Ceconomy. Was er dabei gut brauchen kann: Er hat neben BWL auch Psychologie studiert.

    Die Verschmelzung der MSH auf Ceconomy könnte Werner auch operativ helfen. Bislang führen Media Markt und Saturn ein Eigenleben, was zu teuren Doppelstrukturen geführt und viele Entwicklungen gebremst hat. Heute noch werden die zwei Marken von einer eigenen Geschäftsführung unter dem selbstbewussten CEO Ferran Reverter geführt. Werner habe zu wenig Durchgriffsrechte, heißt es in Gesellschafterkreisen, was eine Verschmelzung ändern könnte.

    Von den Manövern hinter den Kulissen bekommen die Konsumenten nichts mit. Einstweilen ist das Interesse an den Handy-Rückgabeautomaten enorm.

    Mehr: Elektronikhändler stehen unter Druck – Jetzt steigen Media Markt und Saturn ins Kaffeegeschäft ein

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