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LuftfahrtRussischer Oligarch oder Mainzer Unternehmer: Wer kauft den Flughafen Hahn?

Immer wieder scheiterte der Verkauf des Flughafens im Hunsrück. Nun könnte ein schillernder Unternehmer aus Russland zum Zuge kommen.Jens Koenen 05.02.2023 - 15:50 Uhr Artikel anhören

Seit 2021 ist der Regional-Airport in der Insolvenz.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Zitterpartie um den Regionalflughafen Hahn im Hunsrück geht weiter: Zwei Verkäufe scheiterten, ein Käufer ging insolvent, der vierte und gerade beschlossene Verkaufsvertrag wackelt. Die gute Nachricht: Der Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner hat einen Plan B. Er hat noch mit einem weiteren Bieter einen Vertrag geschlossen.

Plathner hat im Grunde jetzt zwei notariell beurkundete Kaufverträge vorliegen. Der Insolvenzverwalter teilte am Samstag mit: „Zusätzlich haben wir mit einem anderen Investor einen zweiten Kaufvertrag verhandelt und ebenfalls notariell beurkunden lassen, für den Fall, dass im ersten Vertrag gesetzte Bedingungen nicht eintreten.“

Die Absicherung könnte sich als goldrichtig erweisen. Bisher ist geplant, den Airport an die NR Holding zu verkaufen, für etwa 20 Millionen Euro. Die NR Holding besitzt den Nürburgring. Hinter der Gesellschaft steht der Oligarch und russische Pharmaunternehmer Viktor Charitonin. Dieser steht zwar nicht auf der Sanktionsliste, die nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine erstellt wurde. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Transaktion dennoch untersagt.

Sollte das geschehen, käme der zweite Bieter zum Zuge, der wegen seines niedrigeren Gebotes bisher unterlegen ist: die Mainzer Firmengruppe Richter, ein Immobilienunternehmen. Sie hat nach eigenen Angaben über eine Tochterfirma ebenfalls einen notariellen Kaufvertrag unterschrieben. Auch wurde der Kaufpreis schon auf ein spezielles Konto, ein sogenanntes Anderkonto, überwiesen.

Für den Regional-Airport scheint es damit nach einer jahrelangen Hängepartie endlich eine Lösung zu geben. Die Gläubiger mehrerer Gesellschaften des Flughafens werden am kommenden Dienstag zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Am Ende werde nur ein Kaufvertrag vollzogen, teilte Plathner mit.

Gespräche mit fragwürdigen Investoren

Es wäre das Ende einer Hängepartie, die bereits 2016 begann. Der Flughafen Hahn gehörte damals zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent dem Land Hessen. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz wollte sich von ihren Anteilen trennen, Hessen wollte eventuell später verkaufen, ist aber bis heute Anteilseigner.

Der Verwalter des Flughafens Hahn hat zur Sicherheit mit gleich zwei Bietern Verkaufsverträge abgeschlossen.

Foto: Foto Vogt GmbH/Euroforum

Doch ein erster Verkaufsversuch scheiterte. Die Landesregierung in Mainz stoppte die Gespräche mit dem chinesischen Unternehmen Shanghai Yiqian Trading (SYT), nachdem immer mehr Zweifel an der Solidität des Käufers auftauchten. Der Fall wurde zu einer Blamage für die Politik.

2017 fand sich dann ein Käufer für die Anteile des Landes Rheinland-Pfalz: der chinesische Logistikriese HNA. Der ging allerdings Anfang 2021 pleite. Im Oktober 2021 musste auch der Flughafen Hahn Insolvenz anmelden. Die Suche nach einem Investor begann erneut.

Wieder lief es nicht nach Plan. Die Frankfurter Swift Conjoy GmbH, ein Joint Venture der Frankfurter Swift Group und des britischen Unternehmens Conjoy Investment Partners, bekam zwar den Zuschlag, hat aber mehrere Zahlungsfristen verstreichen lassen. Der Insolvenzverwalter musste sich nach Alternativen umschauen.

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Die fand er nun in der NR Holding, die parallel zu Swift Conjoy geboten hatte. Nun heißt es warten, ob das Bundeswirtschaftsministerium die Transaktion freigibt. Da Viktor Charitonin zu jenen Oligarchen gehört, die öffentlichkeitsscheu sind, ist es schwer zu beurteilen, wie nahe er Kremlchef Wladimir Putin steht.

Am Flughafen Hahn flogen nach letzten Zahlen zwischen Januar und November 2022 knapp 1,3 Millionen Passagiere. Er war damit im Ranking des Flughafenverbandes ADV auf Platz 14 der größten Verkehrsflughäfen in Deutschland.

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