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Modebranche Hallhuber plant den Neustart nach Gerry-Weber-Pleite

Hallhuber will sich auf seine Stärken besinnen – und will in zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Ein britischer Investor soll dabei helfen.
17.12.2019 - 17:31 Uhr Kommentieren
Hallhuber versucht den Neuanfang – mithilfe des britischen Finanzinvestors Robus Capital. Quelle:  Hallhuber
Hallhuber-Geschäft

Hallhuber versucht den Neuanfang – mithilfe des britischen Finanzinvestors Robus Capital.

(Foto:  Hallhuber)

Düsseldorf Es sollte für Gerry Weber die Rettung werden. Doch der Kauf des Filialisten Hallhuber vor fünf Jahren konnte den Absturz des westfälischen Modeunternehmens in die Insolvenz nicht verhindern. Hallhuber selbst hat überlebt und versucht nun, mit dem britischen Finanzinvestor Robus Capital noch einmal durchzustarten.

„Hallhuber hat sich einen eigenen Stil bewahrt“, sagte Rouven Angermann, Chef des Münchener Unternehmens, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Der ist sehr feminin und spricht moderne berufstätige Frauen an.“ Angermann hofft vor allem, dass viele Frauen zu schätzen wissen, dass sie bei Hallhuber „Kleidung mit Premiumqualität zu Preisen bekommen, die rund 30 Prozent unter vergleichbaren Produkten liegen“.

Angermann will so vor allem eines schaffen: sich von den sogenannten Mainstream-Marken in der Mitte des Modemarktes fernhalten. Dort ist der Verdrängungswettbewerb besonders stark. Denn der Markt wird von Billiganbietern wie Primark von unten und von Zara und Co. von oben angegriffen. Den Mainstream-Marken fehlt ein klares Profil. Deshalb sind sie austauschbar und können sich oft nur über den Preis behaupten.
Umsatz stagniert

Außerdem gehören in den nächsten Jahren vor allem die Billiganbieter und die Premium- und Luxusmarken zu den Gewinnern des Modemarktes. Davon ist Achim Berg, Modeexperte der Beratung McKinsey, überzeugt. „Es wird für Unternehmen der Mitte immer schwieriger, in der Modebranche zu bestehen“, sagt er zum neuen „The State of Fashion Report 2020“ von McKinsey und dem Medienunternehmen Business of Fashion.

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    Hallhuber-Chef Angermann ist froh, dass er den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr (31. Oktober) trotz der Gerry-Weber-Krise auf Vorjahresniveau halten konnte. Da lag er bei 197 Millionen Euro. Und Angermann ist zuversichtlich: „Wir werden im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzplus schaffen.“ Aber, schränkt er ein, Hallhuber werde erst „im Geschäftsjahr 2020/21 die Gewinnschwelle erreichen“.

    Doppelfunktionen einsparen

    Denn bis dahin ist noch viel zu tun. „Hallhuber war in den vergangenen Jahren vor allem mit der Expansion und den Folgen der Auslagerung von Zentralfunktionen nach Halle beschäftigt“, kritisiert Angermann. „Da sind viele wichtige Themen liegen geblieben“, sagt der Manager, der vor zwei Jahren von der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner auf den Chefposten von Hallhuber wechselte.

    Gerry Weber hat nach der Übernahme von Hallhuber 2014 viele zentrale Funktionen des Münchener Modefilialisten nach Halle geholt, um Doppelfunktionen einzusparen. Jetzt heißt es Rolle rückwärts: Bis Ende des Jahres will Angermann Abteilungen wie IT, Logistik und Buchhaltung wieder zu Hallhuber zurückholen.

    Aber auch bei der Expansion ist Angermann viel vorsichtiger als der frühere Gerry-Weber-Vorstand. „Wir haben knapp 50 von 200 Flächen bei Handelspartnern geschlossen“, beschreibt er die Kurskorrektur. Statt weiter einen Laden nach dem anderen zu eröffnen, hat er die Zahl der Stores bei 167 weitgehend konstant gehalten.

    Das Management von Gerry Weber hatte nicht nur viele Jahre sein eigenes Filialnetz und seine Verkaufsstellen bei Handelspartnern extrem ausgebaut, sondern ebenfalls das von Hallhuber. Auch andere Modeunternehmen wie Esprit haben die Expansion übertrieben und damit die Marke entwertet – und mussten später entsprechend viele Läden schließen.

    Mehr Investitionen ins Onlinegeschäft

    Jetzt will sich Angermann bei Neueröffnungen nur noch auf große Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz und auf gute Lagen an Flughäfen konzentrieren. Er will vor allem in eigene Läden sowie ins Onlinegeschäft investieren. Dafür und für Investitionen in Zentralfunktionen steht ihm für die nächsten fünf Jahre „ein deutlich zweistelliger Millionenbetrag“ zur Verfügung. Einen Teil des Geldes investiert er in einen neuen Onlineauftritt. Der startet im zweiten Quartal und soll helfen, den Anteil des Onlinegeschäfts am Umsatz von zurzeit 15 Prozent weiter zu steigern.

    Angermann orientiert sich im Markt an Filialisten wie Massimo Dutti und Zara von der Inditex-Gruppe und an der Kette COS, die zur schwedischen H&M-Gruppe gehört. Hallhuber ist eines der wenigen deutschen Unternehmen im Markt für hochwertige Mode, die komplett vertikal integriert sind. Das heißt: Hallhuber betreibt und steuert seine Läden sowie die Flächen bei Handelspartnern zu 100 Prozent selbst. So kann das Unternehmen schneller auf Trends und Nachfrageschwankungen reagieren.

    Anders als seine großen internationalen Konkurrenten ist Hallhuber aber mit einem Anteil von 90 Prozent noch stark auf die sogenannte DACH-Region konzentriert, also Deutschland, Österreich und die Schweiz. Nur zehn Prozent des Umsatzes entfallen auf die Beneluxländer oder Großbritannien. Angermann testet gerade den polnischen Markt und sieht Wachstumschancen in Skandinavien.

    Die Expansion ist wichtig. Denn das Wachstum der weltweiten Modebranche dürfte sich im kommenden Jahr verlangsamen. McKinsey geht in seinem Global Fashion Index davon aus, dass der Weltmarkt für Mode 2020 nur noch um drei bis vier Prozent wachsen wird. Für das laufende Jahr hatte McKinsey 3,5 bis 4,5 Prozent erwartet.

    Mehr: Gläubiger unterstützen den Insolvenzplan von Gerry Weber.

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