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Mondelez macht KonkurrenzAmerikaner greifen Nestlé mit Nachahmer-Kapsel an

Der amerikanische Konzern Mondelez, eine Abspaltung von Kraft Foods, will Nachahmer-Kapseln für das Nespresso-System des Platzhirschen Nestlé herstellen. Ein Milliardengeschäft – bei dem auch Senseo mitmischen will.Kirsten Ludowig und Carina Kontio 11.06.2013 - 13:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Mondelez-Logo: Der Nahrungsmittelkonzern will Kaffeekapseln für das Konkurrenzsystem Nespresso von Nestle herstellen.

Foto: dapd

Zürich, Düsseldorf. 149 Liter Kaffee hat jeder Deutsche im Durchschnitt im Jahr 2012 getrunken und damit deutlich mehr als Wasser oder Bier. „Deutschland ist ein Kaffeeland. Kaffee ist das meistgetrunkene Getränk in der Bundesrepublik“, heißt es beim Deutschen Kaffeeverband in Hamburg. Weil die Zubereitung oft schnell gehen soll, sind Einzelportionen gefragt – vor allem metallisch-glänzende Kapseln. Davon werden laut Nespresso im Schnitt 12.300 pro Minute geschlürft.

Hier droht dem Schweizer Platzhirschen Nestlé neue Konkurrenz für sein lukratives Geschäft. Der US-Rivale Mondelez kündigte am Dienstag an, in der zweiten Jahreshälfte in Deutschland, der Schweiz und Österreich Kaffeekapseln für das Nespresso-System lancieren zu wollen. „Wir erwarten ein sehr starkes Wachstum durch diese spezielle Markteinführung“, sagte Marketingchef Roland Weening.

Das Geschäft mit portioniertem Kaffee boomt und Nespresso hat sich zu einer der erfolgreichsten Nestlé-Marken, die auch Hollywood-Schauspieler George Clooney bewirbt, entwickelt. Der Lebensmittel-Weltmarktführer erzielte mit den kleinen Kaffeedöschen, die über luxuriöse Boutiquen verkauft werden, im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Franken (3,6 Milliarden Euro) Umsatz.

Von diesem Kuchen gibt Nestlé ungerne wieder etwas ab, die Anwälte des Nahrungsmittelgiganten nehmen jeden in die Zange, der dem milliardenschweren Kapselgeschäft gefährlich werden könnte. Zuletzt ging Nestlé gegen Unternehmen wie Ethical Coffee und den Schweizer Einzelhändler Denner vor, die billigere Konkurrenzkapseln für das Nespresso-System auf den Markt brachten - bisher allerdings ohne Erfolg. Deswegen macht sich wohl auch Mondelez keine großen Sorgen. „Wir haben die Rechtslage sorgfältig geprüft“, sagt Weening.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?
6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...
Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.
Der Pragmatiker17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.
33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.
Die AnspruchsvollenFür 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.
Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.
Schlemmer17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.
Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.
Klassiker19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.
Die GenügsamenRund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Das Geschäft mit portioniertem Kaffee verzeichnete in Westeuropa in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von nahezu 20 Prozent und könnte 2016 ein Drittel des Kaffeemarktes ausmachen, erklärte Weening. Weltweit wurden 2012 nach Angaben des Marktbeobachters Euromonitor mit Kaffeekapseln acht Milliarden Dollar Umsatz erzielt, wobei mit 5,1 Milliarden das Gros auf Westeuropa entfiel.

Allerdings sieht die Ökobilanz nicht ganz so erfreulich aus. Allein Nestlé hat 2011 mehr als fünf Milliarden Kaffeekapseln und damit über als 6.000 Tonnen Aluminiumschrott produziert. „Das entspricht einem Schrotthaufen, der entsteht, wenn man den Eiffelturm zersägt“, schreibt der Autor Philipp Weber in seinem „Futterblog“. Alu ist zwar gut recyclebar, aber leider wissen viele Verbraucher gar nicht, wie die bunten Kapseln zu entsorgen sind. Statt im gelben Sack landen sehr oft im Restmüll, wo sie für die Wiederverwertung verloren gehen.

Und wenn man ein bisschen nachdenkt, sollte es eigentlich auch im Geldbeutel zwicken. Denn: Rechnet man den Inhalt einer Nespresso-Kapsel hoch, bezahlt man fast 100 Euro für 1 Kilogramm Kaffee. Darüber machen sich Kritiker der weltweiten „Kapselisierung“ gerne lustig. Weber schreibt: „Für das Geld bekomme ich wilden, handverlesen Dschungel-Kaffee mit Öko-Premium-Siegel, der so fair gehandelt wurde, dass ein äthiopischer Kaffeesammler seine Kinder in Berlin Theaterwissenschaften studieren lassen kann.“

Kaffee in der Kapsel
Der Siegeszug der Kaffeekapselsysteme ist ungebrochen. Vor allem der Marktführer Nespresso konnte mit der Palette an bunten Kapseln die Verbraucher überzeugen. Wurden 2005 in Deutschland etwa 400 Tonnen Kaffee in Kapseln verkauft, waren es 2010 bereits 5100. Alle führenden Produzenten bieten inzwischen Systeme an, zuletzt kam in Deutschland die italienische Marke Illy mit ihrem Iperespresso hinzu.
Der Vorzug der Kapselmaschinen gegenüber klassischen Siebträgern ist die spielend leichte Bedienung, der geringere Stromverbrauch und die geringere Größe der Maschinen; zudem kann das Kaffeemehl nicht oxidieren. Die Nachteile: ein deutlich höherer Kilopreis des Kaffees von mindestens 37 Euro, die geringere Vielfalt an Bohnen und die nicht kompatiblen Systeme. Die Kunden müssen sich für eine Marke entscheiden, die Kapseln der Anbieter passen nicht in die Maschinen anderer Anbieter.4 Kaffeesysteme im Vergleich:
IllyPreis der Maschinen: 155 bis 500 Euro je nach AusstattungPreis pro Kapsel: 42 bis 45 CentVielfalt der Sorten: Vier Espressoröstungen, davon eine entkoffeinierteBesonderheiten: Die Kunststoffkapseln werden über die gelbe Tonne entsorgt
CafissimoPreis der Maschinen: 49 bis 89 Euro je nach AusstattungPreis pro Kapsel: 25 bis 40 CentVielfalt der Sorten: Neun Röstungen für Espresso bis Caffè Crema für große TassenBesonderheiten: Neben den Standartröstungen regelmäßig Editionen für kurze Zeit
TassimoPreis der Maschinen: 110 bis 200 EuroPreis pro Kapsel: 30 bis 33 Cent (für die Kaffeevarianten)Vielfalt der Sorten: 26 Kaffees von Jacobs Krönung bis Café Hag. Dazu Tees, Schokoladen und MilchkaffeeBesonderheiten: Sehr große Auswahl an Heißgetränken bis hin zum Milchschaum
NespressoPreis der Maschinen: 100 bis 500 Euro je nach AusstattungPreis pro Kapsel: 35 bis 42 CentVielfalt der Sorten: 16 Röstungen, zusätzlich regelmäßig SondereditionenBesonderheiten: Große Geräteauswahl verschiedener Hersteller

Wenigstens meldet sich bei den Kunden inzwischen mehr und mehr das schlechte Gewissen. So legen zertifizierte Produkte zu. Im Jahr 2012 erhöhte sich der Anteil nachhaltig zertifizierter Kaffees am Gesamtmarkt erneut und lag nach Schätzungen des Deutschen Kaffeeverbandes bei vier Prozent. „Seit etwa zehn Jahren steigt das Angebot an nachhaltigen Kaffees deutlich. Ob an Tankstellen, im Discount-Supermarkt oder in der gehobenen Gastronomie - nachhaltiger Kaffee wird zunehmend präsenter und erreicht immer größere Bevölkerungsteile“, so der Kaffeeverband.

Mondelez will von der starken Stellung, die Nestlé inzwischen erreicht hat, profitieren, denn vor allem in Deutschland wächst das Kapselsegment. Der Deutsche Kaffeemarkt ist der drittgrößte der Welt. Lediglich in den USA und in Brasilien wird mehr Kaffee verkauft als in Deutschland.

„Unsere Einführung sorgt für eine größere Auswahl und mehr Wettbewerb. Für Mondelez International ist das eine große Chance“, betont Weening im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sein eigenes Portionssystem Tassimo, mit dem sich der US-Konzern ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Nestlés System Dolce Gusto liefert, soll parallel weiter vorangetrieben werden.

Ein lukrativer Markt mit Wachstumsaussichten: das zieht auch andere Unternehmen an. Mitte April hatte die deutsche Milliardärsfamilie Reimann den 7,5 Milliarden Euro schweren niederländischen Kaffeepad-Hersteller D.E. Master Blenders geschluckt, zu dem Marken wie Senseo-Kaffeepads und Pickwick Tee gehören. Auch Wettbewerber wie Aldi oder Migros haben sich inzwischen mit Nespresso-kompatiblen Kapseln auf den Markt getraut.

Just am heutigen Dienstag kündigte Master Blenders an, ebenfalls den deutschen Markt für Nestlé-kompatible Espresso-Kapseln „entern“ zu wollen. Und zwar direkt über den Lebensmitteleinzelhandel. „Wir bieten dem Verbraucher die freie Wahl, wann und wo er seine Espressokapseln kauft und stellen ihm mit unseren Senseo Capsules eine Range zur Verfügung, bei der er keine Kompromisse hinsichtlich Auswahl und Qualität des Kaffees eingehen muss“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Mit Mondelez' eigenem Kapselsystem Tassimo können neben Kaffee auch Tee und Schokolade-Heißgetränke zubereitet werden. Die Amerikaner sind nach Nestle die Nummer zwei im globalen Kaffeegeschäft. Zu dem Unternehmen, das im Vorjahr vom amerikanischen Lebensmittelkonzern Kraft abgespalten wurde, gehören auch bekannte Marken wie Cadbury, Milka-Schokolade und Jacobs-Kaffee.

Mit Material von Reuters

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