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Ravensburger, Simba-Dickie, MärklinJetzt wird auch bei den Kindern gespart

In der Pandemie sind die Spielwarenhersteller noch kräftig gewachsen. Nun aber halten Eltern und Großeltern ihr Geld zusammen – und müssen sich auf deutliche Preissteigerungen gefasst machen.Joachim Hofer 31.01.2023 - 13:43 Uhr Artikel anhören

Eltern und Großeltern geben weniger Geld für Spielzeug aus.

Foto: dpa

Nürnberg. An den Kindern wird zuletzt gespart. Seit Jahrzehnten macht sich die Spielwarenindustrie mit diesem Spruch Mut. Doch 2022 hatten Eltern und Großeltern offenbar alle anderen Sparpotenziale ausgereizt. Nun traf es auch die Kleinsten: Der Spielzeugmarkt in Deutschland schrumpfte vergangenes Jahr um fünf Prozent.

Der von Corona ausgelöste Boom geht damit abrupt zu Ende: 2021 waren die Erlöse noch um vier Prozent geklettert, 2020 sogar um neun Prozent.

Für die Hersteller ist dies ein bitteres Erwachen: „Wir hatten mit Wachstum für 2022 geplant“, sagt Hanspeter Mürle, Finanzvorstand des Spieleverlags Ravensburger. Stattdessen fiel der Umsatz des Familienunternehmens um sechs Prozent auf 598 Millionen Euro, wie Ravensburger am Dienstag mitteilte.

Noch im Weihnachtsgeschäft 2021 kam Ravensburger mit den Bestellungen nicht hinterher, musste die Spiele den verzweifelten Geschäftsinhabern zuteilen. Damals blieben die Regale teils leer, nach dem Weihnachtsgeschäft 2022 quillt das Lager über.

Vorbei die Zeiten, als die Leute isoliert daheim saßen, puzzelten und den Kindern neues Spielzeug bestellten. „Die Konsumenten machen wieder etwas anderes“, stellt Vorstandschef und Gesellschafter Clemens Maier nüchtern fest.

Märklin schleicht über die Gleise

Ravensburger ist nicht die einzige Spielzeugfirma, die ihre selbst gesteckten Ziele vergangenes Jahr verfehlte. Auch der Umsatz des Fürther Mittelständlers Simba-Dickie ist 2022 um sieben Prozent auf rund 700 Millionen Euro gesunken. Finanzchef Manfred Duschl bewertet das sogar positiv, aufgrund des schwierigen Umfelds hatte er zuletzt noch weniger erwartet.

Zu dem Familienunternehmen gehören 20 Marken, darunter der Bobbycar-Produzent Big, die Spiele von Noris, das Holzspielzeug von Eichhorn sowie die Miniaturautos von Schuco und Majorette. Im Vorjahr war der Umsatz noch um fünf Prozent gestiegen.

Darüber hinaus übernahm die Eigentümerfamilie Sieber 2013 den Modellbahnhersteller Märklin. Die Lokomotiven und Wagons der Traditionsfirma sind derzeit ebenfalls etwas weniger gefragt, der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr (zum 30. April) werde daher leicht sinken, kündigte Simba-Dickie-Chef Florian Sieber an. Lieferprobleme bei der Elektronik hätten Märklin gebremst, zudem würden teurere Rohstoffe, hohe Energiepreise und steigende Löhne den Mittelständler belasten.

Der Chef und Eigentümer des Mittelständlers Simba-Dickie muss einen kräftigen Umsatzrückgang hinnehmen. Zu dem Familienunternehmen gehört der Bobby-Car-Produzent Big.

Foto: dpa

So wie in Deutschland bleiben weltweit wegen spürbarer Kaufzurückhaltung immer mehr ferngesteuerte Autos, Puppen und Bauklötze in den Regalen liegen. Allerdings reagieren die großen amerikanischen Konzerne im Gegensatz zu den deutschen Familienunternehmen harsch: So will Hasbro in den nächsten Wochen 1000 Stellen streichen, teilte der Monopoly-Produzent vergangene Woche mit. Das entspricht 15 Prozent der Belegschaft. Im vierten Quartal war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 16 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Dollar eingebrochen, Hasbro blieb damit weit unter den Erwartungen der Analysten.

Lego und Spielfahrzeughersteller Bruder verdienen besser

Nicht alle Spielwarenanbieter mussten indes vergangenes Jahr Einbußen hinnehmen. Im Vergleich zu den großen Konkurrenten könnte Paul Heinz Bruder sogar sehr zufrieden sein. Sein Unternehmen Bruder, Hersteller von detailgetreuen Kunststoff-Fahrzeugen für den Sandkasten, hat den Umsatz vergangenes Jahr um 8,5 Prozent auf 100 Millionen Euro gesteigert. Gleichzeitig seien die Kosten jedoch „explodiert“, klagt der Familienunternehmer aus Fürth.

Diese Belastung habe er bis jetzt selbst getragen, so Bruder. Das sei aber nicht länger durchzuhalten. Daher erhöhe er die Preise jetzt um zehn Prozent. Ob die Konsumenten das bezahlen? Bruder ist skeptisch. An weiteres Wachstum glaubt der Hersteller erst einmal nicht: „Wir würden uns aber freuen, wenn wir das Erreichte halten können.“

Besser als der Markt entwickelte sich hierzulande offenbar auch Marktführer Lego. Das dänische Familienunternehmen teilte an diesem Dienstag mit, die Händler in der Bundesrepublik hätten ihre Lego-Umsätze vergangenes Jahr um drei Prozent gesteigert. Dabei beruft sich Lego auf Erhebungen von Marktforschern. Details zu Umsatz und Ertrag nannte die Firma nicht, der Marktanteil sei jedoch leicht auf 18,5 Prozent geklettert. Das heißt: Fast jeden fünften Euro erwirtschaften die Ladenbesitzer mit den bunten Plastikklötzchen aus Billund.

Ravensburger will weiter investieren

Ein Stellenabbau wie bei Hasbro stehe bei Ravensburger nicht an, beteuerte Gesellschafter Maier. Aus gutem Grund: Zwar sanken die Umsätze von Ravensburger in den Jahren 2021 und 2022 in Summe um zwei Prozent. Nach Zuwächsen um ein Fünftel im Jahr 2020 und zuvor bereits zehn Prozent 2019 konnte Ravensburger den leichten Rückgang verschmerzen.

Der schwäbische Spieleverlag verspricht sich Wachstum durch ein neues Geschäftsfeld.

Foto: dpa

Mehr noch: „Wir investieren weiter“, betont Maier. Zuletzt hat der Unternehmer einen holzverarbeitenden Betrieb in der Slowakei übernommen. Die Firma produziert unter anderem Schienen für die Tochter Brio, eine schwedische Holzeisenbahn-Marke.

Die Spielwarenmesse ist geschrumpft

An diesem Mittwoch startet die Spielwarenmesse, der größte Treff der Branche weltweit. Maier präsentiert in Nürnberg „Disney Lorcana“, ein Sammelkartenspiel. Dies sei ein ganz neues Geschäft für Ravensburger, „eines der größten Projekte der jüngeren Zeit“, so der Unternehmer – und außerdem der Versuch, in einem Milliardenmarkt Fuß zu fassen.

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Er hoffe, dass dieses Jahr „alles einigermaßen normal wird“, betont Maier. Die Spielwarenmesse allerdings ist noch weit von dem entfernt, was früher üblich war. Nur 2100 Aussteller zeigen dem Veranstalter zufolge bis kommenden Sonntag ihre Waren, das ist ein Viertel weniger als 2020, als die Industrie zum bislang letzten Mal in Franken zusammenkam.

Dabei haben die Nürnberger noch Glück: Hätte China an seiner strengen Covidpolitik noch ein wenig länger festgehalten, wäre noch viel mehr Platz in den Hallen frei geblieben.

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