Wein: Wie zwei Konkurrenten gemeinsam die Weinernte retteten
Westhofen. Cornelius Dönnhoff stellte an diesem Frühlingstag Kerzen im Weinberg auf, viele Dutzend. Er wusste ja durch seine Wetter-App, dass es richtig kalt werden könnte. Dann fuhr er nach Hause, um zu warten. Und zu hoffen. Was auch sonst?
Der Winzer von der Nahe, der eines der besten deutschen Weingüter leitet, sah dann auf dem Thermometer, wie die Temperatur unter null Grad fiel. Um Mitternacht war sie schon unter minus zwei, um vier Uhr unter minus vier Grad. In den frühen Morgenstunden waren es schließlich minus sechs Grad. Da wusste Dönnhoff, dass dieses Betriebsjahr für ihn gelaufen sein würde. Jetzt schon, im April 2024.
Denn wenn die Temperaturen zu dieser Jahreszeit so tief fallen, dann überlebt im Weinberg kein Trieb mehr. Und keine Triebe Ende April heißt keine Trauben Anfang September, heißt keine neuen Weine im Frühjahr des Folgejahres. Ein betriebswirtschaftlicher Totalschaden.
Und so sehen viele seiner Weinberge auch aus, als sich Dönnhoff nach der zweiten Frostnacht in Folge wieder dorthin traut. Wo es Tage zuvor grün sprießte, hängen nun braune Fasern. Die Reben wirken brüchig, das Leben ist aus einem ganzen Weinberg gewichen. „So etwas haben weder mein Vater noch ich jemals erlebt“, sagt Dönnhoff jetzt, ein Jahr später.