Wirtschaft: Lipstick-Effekt als Warnsignal für die Konjunktur?
Wenn die Lippenstift-Verkäufe steigen, ist die wirtschaftliche Lage oft eher schwach.
Foto: Raychan/UnsplashDüsseldorf. Die Lage ist unsicher, das Geld ist knapp – und Konsumenten kaufen mehr Lippenstift. Was erst mal trivial klingt, ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer wieder zu beobachten.
Das bemerkt auch Cosnova: Das hessische Familienunternehmen hat 2022 wieder so viele Lippenstifte verkauft wie kein anderes Unternehmen. Im Vergleich zu 2021 steigerte Cosnova den Umsatz mit Lippenstiften seiner meistverkauften Marke Essence um ein Drittel.
Eine Erklärung: Wer sich gerade keine großen Anschaffungen wie Autos oder Immobilien leisten kann oder will, gönnt sich im Alltag zumindest den kleinen Luxus: Männer kaufen mehr Parfüms, Frauen greifen häufiger zu Lippenstiften. Dieses Phänomen wird als Lipstick-Effekt bezeichnet.
Lipstick-Effekt: Kleiner Luxus in der Krise beim Lippenstift-Kauf
Davon profitiert die gesamte Branche: Der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel rechnet bei dekorativer Kosmetik für 2022 mit einem Wachstum von 16 Prozent zum Vorjahr, während der Markt zuletzt im Schnitt um 1,5 Prozent im Jahr geschrumpft war. Zu dekorativer Kosmetik zählen auch Gesichtscreme, Lidschatten und Nagellack. Allein die Lippenstift-Umsätze in Deutschland sind 2022 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen, berichtet der Marktforscher Euromonitor International.