Zollstreit: US-Post will nun doch wieder Pakete aus China annehmen
Peking. Kehrtwende der US-Post: Das Unternehmen will nun doch wieder Pakete aus China und Hongkong innerhalb der Vereinigten Staaten befördern. Dies kündigte der U.S. Postal Service (USPS) am Mittwoch an.
USPS arbeitet eng mit der US-Zollbehörde zusammen, um neue Zollvorschriften umzusetzen und gleichzeitig die Auslieferung von Paketen so gering wie möglich zu behindern.
Nur wenige Stunden zuvor hatte USPS noch erklärt, bis auf Weiteres keine Pakete mehr aus China und Hongkong auszuliefern. USPS nannte keine Gründe für die Maßnahme, die ab sofort gilt, und gab auch nicht an, wie lange der Versandstopp geplant gewesen wäre. Briefsendungen waren nicht betroffen.
Die Ankündigung traf auch die beiden chinesischen Onlineversandhändler Shein und Temu. Das starke Wachstum der chinesischen Anbieter war in den USA und anderen westlichen Staaten in die Kritik geraten, unter anderem, weil sie die bisherige Zollfreiheit für kleine Warensendungen ausnutzen.
Die neuen US-Zölle auf chinesische Importe von zehn Prozent, die am Dienstag in Kraft traten, gelten jedoch auch für diese Kleinsendungen. Bislang waren Pakete mit einem Warenwert von bis zu 800 US-Dollar unter der sogenannten De-minimis-Regelung zollfrei.
US-Hersteller hatten die Ungleichbehandlung beklagt. Sie werfen den chinesischen Anbietern vor, teilweise Lieferungen auf mehrere Sendungen aufzuteilen und so unter dem Limit zu bleiben. Auch in der EU gibt es ähnliche Kritik. Dort beträgt die Grenze für zollfreie Lieferungen 150 Euro. Die EU plant nach Handelsblatt-Informationen jedoch eine Gebühr.
Die bisherige Zollfreiheit gilt als wichtiger Grund, warum Onlinehändler wie Shein und Temu in den vergangenen beiden Jahren so schnell wachsen konnten. Insbesondere in den USA geht die starke Expansion der Unternehmen auf eine deutliche Erhöhung der Freigrenze zurück – 2016 wurde sie von 200 auf 800 US-Dollar angehoben.
Selbst in China gibt es Kritik an der Qualität
Die Zahl der Pakete, die unter diese Regelung fallen, stieg nach Angaben der US-Zollbehörde von 139 Millionen im Jahr 2015 auf mehr als 1,36 Milliarden im Jahr 2024. Schätzungsweise mehr als 30 Prozent der Sendungen entfallen auf die beiden chinesischen Händler Shein und Temu, wie es in einem Bericht des US-Kongresses aus dem Jahr 2023 heißt.
Allerdings regt sich zunehmend Kritik an den Firmen, nicht nur weil sie das Zoll-Schlupfloch ausnutzen. Ihnen wird auch vorgeworfen, dass versendete Produkte nicht den Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen. Zudem gibt es Vorwürfe, dass bei der Produktion der Waren in China Arbeitsstandards nicht eingehalten werden. Auch in China selbst gibt es regelmäßig Kritik von Kunden an der Produktqualität.
Die Unternehmen weisen die Kritik stets mit dem Argument zurück, dass sie lediglich eine Plattform bieten, die Kunden und Hersteller zusammenbringen. Verantwortlich für die Qualität der Produkte und die Einhaltung von Arbeitsstandards seien die Hersteller.
Shein ist in China dagegen kaum bekannt. Das 2008 im ostchinesischen Nanjing gegründete Unternehmen lässt zwar in der Volksrepublik produzieren, jedoch fast ausschließlich für den Export. 2019 verlegte es seinen Sitz nach Singapur.
China hatte auf die US-Zölle mit einer Reihe von Vergeltungsmaßnahmen reagiert. Die Staatsführung kündigte am Dienstag Zölle von bis zu 15 Prozent auf Flüssiggas, Kohle und weitere US-Importe an. Diese sollen am 10. Februar in Kraft treten. Zudem gab das chinesische Handelsministerium Exportkontrollen bei seltenen Metallprodukten und weitere Maßnahmen gegen US-Konzerne bekannt.
Experten bezeichneten die Reaktion jedoch als moderat. Sie deutete darauf hin, dass Chinas Staatsführung zu Verhandlungen mit Trump bereit sei.
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters