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Autobauer Daimler will Smart-Werk in Hambach verkaufen – französische Regierung schaltet sich ein

Der Autobauer passt seine Kapazitäten der schwachen Marktlage an. Der Smart, der bisher in Hambach produziert wird, soll künftig in China gebaut werden.
03.07.2020 Update: 03.07.2020 - 18:56 Uhr 1 Kommentar
Der Kleinwagen soll künftig in China produziert werden. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Smart-Produktion in Hambach

Der Kleinwagen soll künftig in China produziert werden.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Stuttgart, Paris Der Autobauer Daimler will sein Werk im französischen Hambach verkaufen. Man beabsichtige, die weltweiten Produktionskapazitäten an die zu erwartende Entwicklung des Marktes anzupassen und neu auszurichten, teilte der Konzern am Freitag mit. „Deswegen beabsichtigen wir, Gespräche über den Verkauf des Werks Hambach aufzunehmen“, kündigte Vorstandschef Ola Källenius an.

Der Schritt stehe in den Zusammenhang mit den hohen Investitionen in die Elektromobilität und Digitalisierung, wodurch der Konzern gezwungen sei, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zu ergreifen. Dies betreffe weltweit alle Unternehmensbereiche.

„Zusätzlich führen die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Wirtschaft zu neuen Rahmenbedingungen im Markt und in diesem Zusammenhang optimieren wir unser globales Produktionsnetzwerk“, erklärte Källenius. Daimler beschäftigt in Hambach rund 1600 Mitarbeiter.

Mit dem Verkauf verbundene Bewertungseffekte würden zu einem negativen Sondereffekt im mittleren dreistelligen Millionenbetrag führen, die im zweiten Quartal zu Buche schlügen, teilte Mercedes weiter mit. Im weiteren Verlauf von Verhandlungen könnten weitere Belastungen hinzukommen.

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Standort erkennen

    Die aktuellen Elektromodelle des Smart sollen Daimler zufolge weiter in Hambach vom Band laufen. Die nächste Generation des Stadtflitzers wird das Gemeinschaftsunternehmen von Daimler mit Großaktionär Geely in China bauen. Daimler und Geely wollen ab 2022 neue vollelektrische Smart-Modelle auf den Markt bringen und weltweit vertreiben.

    Nur wenige Minuten nach der Bekanntmachung der Daimler-Pläne reagierte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. „Der Standort Hambach ist ein Symbol für die deutsch-französischen industriellen Beziehungen“, sagte der Minister über das Werk nahe der deutschen Grenze. Die Beschäftigten hätten sich immer für den sozialen Dialog eingesetzt, um die Wettbewerbsfähigkeit des Werkes zu sichern. Le Maire ging den Autobauer frontal an und forderte: „Daimler muss alle Optionen offenhalten – einschließlich der, das Werk weiterzuführen.“

    Das Smart-Werk in Hambach ist für Frankreichs Regierung nicht irgendeine Fabrik. Das Werk hat in gewisser Weise Industriegeschichte geschrieben. Als Daimler vor wenigen Jahren von den Mitarbeitern einen finanzielles Opfer verlangte, um den Standort weiterzuentwickeln, kam es zu einem harten internen Konflikt. Nicht nur die radikalen, sondern auch die gemäßigten Gewerkschaften wandten sich gegen die Absicht von Daimler – mit dem Hinweis, dass die Beschäftigten bereits Opfer gebracht hätten.

    Le Maire wird wohl nicht so einfach lockerlassen

    Der damalige Werksleiter, inzwischen ausgeschieden, organisierte eine Urabstimmung im Werk. Dabei entschied sich die Mehrheit der Beschäftigten für eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Nach mehrwöchiger Auseinandersetzung wurde das Abstimmungsergebnis umgesetzt.

    Hambach ist in Frankreich damit in gewisser Weise zu einem Symbol dafür geworden, dass die Bereitschaft von Arbeitnehmern zu Zugeständnissen zur Sicherung von Arbeitsplätzen führt. Die Absicht von Daimler, das Werk nun abzustoßen, wirkt deshalb wie eine Provokation auf die Franzosen.

    Aus der Sicht von Daimler sind die Pläne angesichts der schwachen Verkaufszahlen des Smart allerdings verständlich. Renault, das den viertürigen Smart in seinem Werk Novo Mesto als Twingo produziert und das Modell entwickelt hatte, teilte mit, der geplante Hambach-Verkauf berühre Renault nicht, da der Autobauer die zweitürige Version nicht herstelle.

    Minister Le Maire gab zu erkennen, dass er nicht so leicht lockerlassen wird. An die Adresse von Daimler sagte er: „Ich wünsche, dass die Zukunft dieses modernen und beispielhaften Standortes gesichert wird, der sich für die ökologische Wende entschieden hat, indem er E-Autos herstellt. Mit seiner Ankündigung hat sich Daimler bewusst oder ungewollt in einen Konflikt begeben, der gerade erst begonnen hat.

    Mehr: Daimler-Betriebsrat fürchtet neue Einschnitte in der Belegschaft

    • dpa
    • rtr
    • th
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    1 Kommentar zu "Autobauer: Daimler will Smart-Werk in Hambach verkaufen – französische Regierung schaltet sich ein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Richtig. Die Franzosen reagieren anders als der träge deutsche MICHEL; der alls über sich ergehen lässt und erst merkt wenn keine Arbeit mehr hier ist, dass es zu spät war

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