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Autobauer Wie es VW gelingt, jetzt Beatmungsgeräte und Schutzmasken zu produzieren

Industriekonzerne helfen bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. VW-Marken wie Seat, Skoda und Lamborghini stellen dazu an verschiedenen Standorten ihre Produktion um.
02.04.2020 Update: 02.04.2020 - 15:18 Uhr Kommentieren
Corona: VW stellt Fertigung um – Wie Scheibenwischermotoren gegen die Pandemie helfen Quelle: AFP
VW-Tochter Seat baut Beatmungsgeräte

Die Zahl der Covid-19-Erkrankten in Spanien ist groß. Die VW-Tochter Seat hilft mit der Produktion eigener Beatmungsgeräte.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Im Volkswagen-Konzern ist an verschiedenen Standorten in Europa die Produktion von medizinischen Produkten angelaufen. Der Autohersteller will damit einen eigenen Beitrag zur Bekämpfung der Coronakrise leisten.

Der Konzern nutzt dabei zum Teil Fertigungskapazitäten, die wegen des allgemeinen Produktionsstopps nicht für die Fahrzeugherstellung genutzt werden können. Eine wichtige Rolle spielt auch das Netz konzerneigener 3D-Drucker, mit denen Bauteile für medizinische Geräte hergestellt werden können.

Am technisch anspruchsvollsten ist eine komplette Gerätefertigung bei der spanischen Volkswagen-Tochter Seat. Im Werk Martorell bei Barcelona werden seit wenigen Tagen fertige Beatmungsgeräte montiert. Dafür haben 150 Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmensbereichen ihren Arbeitsplatz verlegt und bauen auf der Montagelinie des Modells Leon die lebenswichtigen Beatmungshilfen.

„Eine Montagelinie, auf der eigentlich Fahrzeugteile produziert werden, so umzurüsten, dass Beatmungshilfen gefertigt werden können, war eine schwierige Aufgabe. Aber wir haben es in Rekordzeit geschafft“, sagte Sergio Arreciado aus der Abteilung Verfahrenstechnik von Seat.

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    Die spanische Volkswagen-Tochter wartet jetzt noch auf die medinische Zulassung der neuen Geräte. Die Produktion ist trotzdem schon angelaufen, weil Seat in kurzer Zeit mit einer Zulassung durch die Behörden rechnet. Der Aufbau der Fertigung war schon von medizinischen Experten begleitet worden.

    Spanien ist nach Italien das in Europa am stärksten von der Corona-Epidemie betroffene Land. In überbelegten Krankenhäusern ist der Bedarf an Beatmungsgeräten groß.

    Das neue Beatmungsgerät von Seat besteht aus mehr als 80 elektronischen und mechanischen Komponenten. Dazu gehören Zahnräder aus dem 3D-Drucker und Getriebewellen. Kern des Gerätes ist ein umgebauter Scheibenwischermotor, der für den Antrieb sorgt. Zur Qualitätskontrolle des fertigen Geräts am Ende der Produktion gehört auch eine Sterilisation mit UV-Licht.

    Lamborghini fertigt täglich 200 Gesichtsschutz-Visiere

    Technisch weniger aufwendig sind die medizinischen Hilfsprodukte, die bei der italienischen VW-Konzerntochter Lamborghini gefertigt werden. In der Fabrik des Sportwagenherstellers bei Bologna werden jeden Tag 1000 Schutzmasken produziert. Die Herstellung hat die Lamborghini-Sattlerei übernommen, die normalerweise für die Innenausstattung der teuren Sportwagen verantwortlich ist.

    Lamborghini fertigt außerdem täglich 200 Gesichtsschutz-Visiere aus durchsichtigem Polycarbonat. Die italienische VW-Tochter setzt dafür die eigenen 3D-Drucker aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung ein. Die medizinische Produkte von Lamborghini gehen an Kliniken in der Region Bologna.

    „In dieser Notsituation wollen wir einen konkreten Beitrag leisten“, sagte Lamborghini-Chef Stefan Domenicali. Sein Unternehmen wolle diejenigen unterstützen, „die täglich an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen.“

    Weit voran gekommen bei der Fertigung medizinischer Produkte ist auch die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda. Das Unternehmen aus Mlada Boleslav nördlich von Prag hat sich für die Fertigung medizinischer Schutzmasken entschieden.

    Zur effizienten Eindämmung der Corona-Pandemie ist das Tragen solcher spezieller Schutzmasken insbesondere für Ärzte und Pflegepersonal unerlässlich. Das Skoda Entwicklungszentrum, wo sonst an Prototypen und Modellen künftiger Fahrzeuggenerationen gearbeitet wird, hat dafür zusammen mit einem Institut der TU Prag ein 3D-Druckverfahren zur Herstellung von Atemschutzmasken der höchsten Schutzklasse „FFP3“ entwickelt. Die Schutzmasken sind dank eines austauschbaren Filters wiederverwertbar, teilte Skoda mit.

    Die Produktion läuft bereits nach der erfolgten Zertifizierung vor wenigen Tagen. Die fertigen Masken werden an das tschechische Gesundheitsministerium geliefert, das sie an Krankenhäuser und Ärzte verteilt.

    Derzeit werden bei Skoda täglich rund 60 Exemplare hergestellt. Außerdem unterstützen andere tschechische Universitäten und Privatfirmen das Projekt, die über ähnliche Drucker verfügen. Dadurch liegt das Produktionsvolumen insgesamt bei mehreren hundert Stück täglich.

    Grafik

    Am Wolfsburger Stammsitz von Volkswagen hatte der Konzern bereits Ende März mitgeteilt, dass dort ebenfalls 3D-Drucker für die Fertigung medizinischer Bauteile eingesetzt werden sollen. Im Zentrum der Aktivitäten steht bei VW der Bereich Kunststofftechnik. Mögliche Teile, die dort gefertigt werden könnten, seien Schläuche oder auch Gesichtsmasken, hatte Volkswagen angekündigt.

    Neu dazugekommen ist jetzt noch die Produktion von Halterungen für Gesichtsvisiere in größerer Stückzahl. Die von Airbus entwickelten Halterungen sollen in der kommenden Woche nach Spanien geflogen werden, wo sie dringend benötigt werden, wie VW am Donnerstag mitteilte. Insgesamt nutzt der Konzern mehr als 50 3D-Drucker bei seinen Marken VW, Audi, Bentley, Bugatti, dem Lkw-Hersteller MAN, der VW-Transportersparte und in seinen Komponentenwerken. Schwerpunkte in Deutschland sind die Druckzentren von Volkswagen in Wolfsburg und Audi in Ingolstadt.

    „Komplette Beatmungsgeräte können wir nicht drucken“, sagte der Unternehmenssprecher. Volkswagen bereite sich auf den Hilfseinsatz vor. Mitarbeiter seien bereits damit beschäftigt, Materialien für den Einsatz in einer größeren Produktion zu testen. Zudem prüfe der Autohersteller Beschaffungswege für das benötigte Material.

    In Wolfsburg hat Volkswagen zudem ein konzerneigenes Hotel bereitgestellt, das jetzt als Notfallkrankenhaus für Corona-Erkrankte genutzt werden soll. Die Ersatzklinik im Hotel „Global Inn“ hat 210 Betten.

    Mehr: Kurzarbeit im Autoland: Daimler, Opel und VW schicken Zehntausende in Zwangsurlaub.

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