Zulieferer: Vor diesen Herausforderungen steht Bosch jetzt
Stuttgart. Mitunter sagt der Kommentar des Chefs zur Konzernbilanz mehr über den Zustand eines Unternehmens aus als die Bilanz selbst. So auch bei Bosch: „Mit Einsatz aller Kräfte haben wir es geschafft, unseren Umsatz zu steigern und unsere Rendite zu verbessern“, sagte Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung des Stiftungsunternehmens, im Vorfeld der am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Geschäftszahlen.
„Wir sind trotz starkem Gegenwind vorangekommen“, erklärte er weiter. Einfach war das jedoch nicht. Und dieser Gegenwind hält an. Transformation zur Elektromobilität, schwache Weltkonjunktur und Inflation hinterlassen Spuren.
Das Erreichen der Zielrendite von sieben Prozent und der Umsatzgrenze von 100 Milliarden Euro hatte Hartung bereits im Interview mit dem Handelsblatt Ende Dezember um ein bis zwei Jahre nach hinten verschoben. „In allen für uns wichtigen Branchen sind die Aussichten verhalten“, bestätigte jetzt auch Finanzchef Markus Forschner. Ihm zufolge arbeiten aber alle Sparten mit „klar positiver Ebit-Rendite“. Bosch ist der weltgrößte Autozulieferer und stellt darüber hinaus Hausgeräte, Elektrowerkzeuge, Heizungs- und Industrietechnik her.
Noch nie stand Bosch vor so vielen Herausforderungen
Die operative Ebit-Rendite erhöhte sich insgesamt leicht von 4,3 auf fünf Prozent. Das reicht zwar, um über die Runden zu kommen. Aber es reicht nicht für Zukäufe aus eigener Kraft. Die sind nötig, um Hartungs erklärtes Ziel, „offensiv in Zukunftstechnologien vor allem für den Klimaschutz zu investieren“, umzusetzen.
Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 91,6 Milliarden Euro. Um Währungseffekte bereinigt wäre das Umsatzwachstum sogar doppelt so hoch ausgefallen, aber das ist nur ein schwacher Trost. Denn: Berücksichtigt man die Inflationseffekte, verdüstert sich das Bild schon wieder.
„Wir müssen unsere Kapitaleffizienz und Ertragskraft weiter ausbalancieren, um künftiges Wachstum zu finanzieren“, betont Finanzchef Forschner. Die Anstrengungen mit Blick auf die Kosten und Wettbewerbsfähigkeit müssten verstärkt werden. Die Zahl der Beschäftigten blieb 2023 mit 427.600, davon 134.000 in Deutschland, stabil. Allerdings hat das Unternehmen zuletzt bereits Einschnitte angekündigt, weitere Verhandlungen um Personalabbau stehen noch aus. „In den kommenden Jahren müssen wir mit weniger Stellen auskommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, räumte Bosch-Chef Hartung ein.
Das Problem, mit dem Hartung zu kämpfen hat: Die größte Stärke des Stiftungskonzerns zieht nicht mehr. „Derzeit hilft die Diversifikation Bosch wenig“, analysiert Stefan Bratzel, Autoexperte des Center of Automotive Management (CAM). „Die Herausforderungen sind auch für ein starkes Unternehmen wie Bosch derzeit sehr hoch. Es gibt nicht mehr den einen großen Wurf.“
Dieseltechnik, ABS oder ESP: Auf jede Konjunkturdelle folgte in der Vergangenheit eine Technologie, die Bosch besser als andere beherrschte und zu Geld zu machen wusste. Aber nie in den vergangenen 25 Jahren hatte der Konzern so viele Baustellen wie jetzt.