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E-AutosLuxusschlitten und Billigheimer: Russische Autobauer wollen Tesla Konkurrenz machen

Gleich mehrere neue Elektromarken starten in Russland mit teils ausgefallenen Konzepten. Ob die großen Ankündigungen mit der Realität mithalten können, ist aber fraglich.André Ballin 12.11.2020 - 12:30 Uhr Artikel anhören

Eines der wenigen Fotos des russischen Elektro-Luxusfahrzeugs.

Foto: Iwan Iwanow, Facebook

Foto: Handelsblatt

Moskau. „Monarch“ – schon der Name verrät die hochfliegenden Ambitionen des sibirischen Start-ups. Nach eigenen Angaben hat die Firma gerade die Entwicklung eines Elektro-Luxusfahrzeugs abgeschlossen. Natürlich unter dem gleichen Namen.

Seit Dienstag nimmt das Unternehmen mit Sitz in Nowosibirsk Bestellungen für zwei Modelle entgegen. Die einfache Variante, der Monarch S200 soll in der Grundausstattung für 58.000 Dollar zu bekommen sein. Ein durchaus selbstbewusster Preis. Immerhin ist ein Tesla Model S ab 63.900 Dollar zu haben.

Und zumindest laut den Konzernangaben braucht der Monarch den Leistungsvergleich mit dem Tesla nicht zu scheuen. Die Motoren werden wahlweise mit einer 60- oder 80-Kilowattstunden-Batterie betrieben, wodurch die Reichweite auf bis zu 400 Kilometer steigen soll. Mit 542 PS unter der Motorhaube beschleunigt der S200 in fünf Sekunden auf 100 Stundenkilometer, der S400 sogar in 3,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 beziehungsweise sogar 260 Stundenkilometern.

Ob russische Autofahrer tatsächlich in den Genuss kommen, dieses Tempo auszukosten, darf allerdings bezweifelt werden. Das liegt nicht nur daran, dass die Höchstgeschwindigkeit selbst auf den wenigen Autobahnen in Russland auf 110 Stundenkilometer begrenzt ist (ausgenommen sind einige Mautstrecken, auf denen es Abschnitte mit bis zu 130 Stundenkilometern gibt), sondern dass die Autos noch praktisch niemand zu Gesicht bekommen hat.

Eine Präsentation im Dezember 2019 endete im Fiasko: Die Journalisten warteten vergeblich auf die Enthüllung des Prototyps. Der Autobauer entschuldigte dies mit logistischen Problemen, doch das russische Automobilmagazin „Drom“ äußerte den Verdacht einer „Abzocke“ und verwies auf die dubiose Biografie des Generaldirektors Alexej Ponomarenko.

Der Geschäftsmann war zuvor durch einige Affären im Immobilienbusiness und mit einer auf Kryptowährungen spezialisierten Bank aufgefallen, die pleiteging. Auch die technischen Parameter des selbst ernannten russischen Tesla-Konkurrenten verblüffen die Fachleute.

Der Monarch sei kein Formel-1-Rennwagen, erinnerte Ilja Feditschew, technischer Direktor der Firma „Elektrotransport Technologien“. „Motoren, die im realen Leben so eine Leistungsfähigkeit haben, sind mir nicht bekannt“, sagte er und fügte hinzu, dass auch die angegebene Reichweite angesichts der Batteriestärke fraglich sei.

Zetta: Elektro aus der Lada-Stadt

Ungeachtet der Skeptiker verspricht Ponomarenko bereits in Kürze die ersten Fahrzeuge auszuliefern. Da derzeit noch die Zertifizierung des Industrieministeriums fehlt, wird die Auflage aber vorläufig begrenzt – auf 30 Stück, wobei die ersten zehn für „einen ausgewählten Kreis“ vorbestimmt seien, heißt es aus Konzernkreisen. Wann genau die Serienproduktion aufgenommen wird, ließ das Unternehmen offen.

In dem Punkt ist der Konkurrent Zetta schon weiter. Das Unternehmen glänzt weniger mit Chic als mit dem Preis. Unschlagbar günstig sollen die Kleinwagen aus der russischen Automobilstadt Togliatti – bekannt durch die Lada-Produktion – sein: Laut Generaldirektor Denis Schurowski kostet das City Modul 1 umgerechnet gerade einmal etwas mehr als 6000 Euro. Für ein Elektroauto sind das unerhörte Preise.

Zetta erlebte erst kürzlich bei der Produktion des Dreitürers einen herben Rückschlag. Da ein staatlicher Fonds die Finanzierung versagte, musste der Beginn der Serienproduktion auf 2021 verschoben werden. Trotzdem sieht das russische Industrieministerium in dem Projekt großes Potenzial. Das City Modul könne nach Indien, Pakistan, Ägypten, Jordanien und – höre und staune – Deutschland exportiert werden, prognostizierte ein Behördensprecher. Die Zertifizierung befinde sich auf der Zielgeraden, so das Ministerium.

Auch die großen Autoproduzenten in Russland haben das Thema inzwischen für sich entdeckt. Spottete der Chef des Nutzfahrzeugherstellers Gaz Siegfried Wolf angesichts der fehlenden Infrastruktur vor drei Jahren noch im Handelsblatt-Interview: „Wenn ein paar Teslas an der Tankstelle voll auftanken, fällt die Registrierkasse aus“, so hat der Konzern im September das erste Elektro-Nutzfahrzeug Russlands in Nischni Nowgorod vom Band lassen.

Die Gazelle e-NN wurde mit der gleichen technischen Basis und der gleichen Karosserie wie der erfolgreiche Kleintransporter Gazelle Next ausgestattet, dazu mit einem chinesischen Elektromotor. Das soll die Kosten reduzieren, um das Modell einigermaßen effizient herzustellen. Mit einer Reichweite von 120 Kilometern ist der Kleinlaster eher nicht für die russischen Weiten ausgelegt, sondern kann maximal im innerstädtischen Verkehr genutzt werden.

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Dass Elektromobilität auch in Russland funktioniert, demonstriert seit einigen Jahren bereits die Hauptstadt Moskau, die einen Teil ihrer Busse auf Elektromotoren umgestellt hat. Die Busse werden von den Autobauern Kamaz und Liaz geliefert, wobei die Motoren beim Kamaz vom baden-württembergischen Autozulieferer ZF Friedrichshafen geliefert werden.

Für die Nachahmung in anderen Städten und im Überlandverkehr fehlt es in Russland allerdings mehr noch als in Europa an der Infrastruktur. Insgesamt gibt es landesweit weniger als 200 Tankstellen, an denen E-Autos aufgeladen werden können, mehr als die Hälfte davon steht in Moskau.

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